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Rathenow Die Santa Monica schippert künftig auf der Seine
Lokales Havelland Rathenow Die Santa Monica schippert künftig auf der Seine
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11:35 06.07.2018
Alter und neuer Eigner: Michael Schönberg (re.) und Abdallah Laboudi mit Rathenower Humpen am Tag der Verladung der „Santa Monica“. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

 Da hängt sie am Haken. Die „Santa Monica“. Fast 15 Meter lang, gut zehn Tonnen schwer – ein Schiff, wie es kein zweites gibt. Über 20 Jahre lang war sie auf der Havel rund um Rathenow unterwegs. Mit bis zu 30 Gästen an Bord, die bei einem kühlen Getränk den Ausblick vom Wasser auf die unberührte Landschaft genossen.

Überführung per Spezialtransporter

Und jetzt ist das Pontonboot noch einmal auf große Fahrt gegangen. Auf die größte Fahrt überhaupt. Das Ziel: Die Stadt der Liebe. Doch nicht auf dem Wasserweg, sondern mit einem Spezialtransporter wurde das Unikum nach Paris gebracht. Künftig soll es Menschen auf der Seine durch die französische Hauptstadt schippern.

Der neue Kapitän heißt Abdallah Laboudi. Der erwarb das Boot im vergangenen Jahr von Michael Schönberg. Nach einigen bürokratischen Anstrengungen wurde es am Mittwoch im Gewerbegebiet an der Gasanstalt auf einen belgischen Spezialtransporter verladen. Gestern erreichte dieser sein Ziel: die Seine in Paris.

Millimeterarbeit: Am Mittwoch wurde die Santa Monica an der Gasanstalt auf den Spezialtransporter verladen. Quelle: Markus Kniebeler

Natürlich war Michael Schönberg bei der Verladung dabei. Und konnte die Wehmut nicht verbergen. Wie eine Mutter, die ihr Kind in die weite Welt ziehen lässt, stand er da. „Es ist schade, dass die Ära der ’Santa Monica’ im Havelland zu Ende geht“, sagte der Inhaber des Alten Hafens. Umso mehr freue es ihn, dass das Schiff in Paris eine Zukunft habe.

Vom Pontonsteg zum Ausflugsboot

Im Jahr 2008 hatte Schönberg das außergewöhnliche Wassergefährt erworben. Gebaut hatte es Herbert Bauer, der legendäre Gastwirt des Alten Hafens im Jahr 1996. Eigentlich wollte Bauer einen Pontonsteg errichten. Doch dann stattete er diesen mit diversen Aufbauten und einem leistungsstarken Schiffsmotor aus: Fertig war das Ausflugsboot.

Schönberg bastelte sich das Boot nach dem Erwerb nach seinem Geschmack zurecht. Baute Toiletten ein, eine Zapfanlage und eine Heizung mit schönem Holzofen. Und ließ es als Charterboot laufen. Unzählige Kunden und Geschäftsfreunde – Schönberg war damals noch Chef der Premnitzer Havelländischen Zink-Druckguss GmbH – haben auf der „Santa Monica“ die Havel kennen gelernt.

Schmerzlicher Entschluss

Als das Ehepaar Meier, von dem das Schiff im Auftrag Schönbergs geführt wurde, aufhörte, war kein Nachfolger in Sicht. Das war der Punkt, an dem der Eigner den schmerzlichen Entschluss fasste, die heilige Monica zu verkaufen.

Im Internet stieß Abdallah Laboudi, der in Paris in einer Transportfirma tätig ist, auf das zum Verkauf stehende Schiff. Und war sofort begeistert. „So etwas kann man nicht kaufen. Das ist einzigartig“, schwärmt er. Nach einem ersten Treffen mit Michael Schönberg im vergangenen November wurde der Kauf besiegelt.

Dieser Spezialtransporter hat die "Santa Monica" nach Paris gebracht. Die Fahrt durfte wegen der Überlänge nur nachts stattfinden. Quelle: Markus Kniebeler

Am Mittwoch nun folgte an der Gasanstalt die Verladung auf den Spezialtransporter. Gerne hätte Laboudi das Schiff auf dem Wasserweg nach Paris überführt. Aber dafür fehlt ihm die Zeit.

Charter-Touren auf der Seine

Dass die „Santa Monica“ in Paris geliebt werden wird, davon ist der neue Besitzer überzeugt. „Die Zukunft der Stadt liegt auf der Seine“, sagt er. Besuchern müsse man etwas Neues bieten, etwas Besonderes, das sich unterscheide von den Null-Acht-fünfzehn-Stadtführungen. Charter-Touren über die Seine seien schwer im Kommen. Und wenn man dann noch so ein einzigartiges Boot zur Verfügung habe, dann könne nichts mehr schief gehen.

Michael Schönberg steht daneben und nickt. Wer den Mann kennt, der weiß, dass es in ihm arbeitet. Eine Tour nach Paris – das wäre doch was. Nur um zu sehen, wie es der guten alten „Santa Monica“ in der Stadt der Liebe ergeht.

Von Markus Kniebeler

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