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Rathenow Superhelden sagen Plastik den Kampf an
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15:48 12.09.2018
Plastiktüte gegen Stoffbeutel – ein sehr guter Tausch findet Enrico Brüggemann. Er nahm das Geschenk von Ingo Möhring (r.) gern an. Quelle: Foto: Christin Schmidt
Rathenow

320 000 Kaffeebecher aus Pappe und Plastik landen pro Stunde allein in Deutschland im Müll oder gar in der Umwelt. Dazu tragen auch Rathenower ihren Teil bei, wie ein Blick in Grünanlagen und Papierkörbe verrät.

Nach wie vor verdrängen viele beim Schlürfen ihres Heißgetränks die Tatsache, dass der Plastikmüll aus dem sie trinken, irgendwann im Meer, dann auf dem Teller und schließlich im eigenen Körper landet.

Besonders viele Coffee-to-go-Becher gehen in Bäckereien über den Tresen. In den Filialen der Rathenower Bäckerei Möhring soll damit aber bald Schluss sein. Geschäftsführer Ingo Möhring hat sich vorgenommen, Plastiktüten und -becher aus seinem Läden zu verbannen.

Bäckermeister Ingo Möhring freut sich, die Stinknormalen Superhelden in seinem Café zu begrüßen. Quelle: Christin Schmidt

Dabei bekommt er tatkräftige Unterstützung von den Stinknormalen Superhelden. Seit Jahren macht die Gruppe in bunten Kostümen auf Veranstaltungen und im Rahmen ihrer Superhelden Schule auf das Plastikproblem aufmerksam und geht nun noch einen Schritt weiter.

Seit 14 Tagen ziehen die Helden durch die Stadt, verbreiten gute Laune und laden die Bürger ein, ihre Plastiktüten gegen einen Stoffbeutel einzutauschen.

Am Mittwochvormittag begrüßten sie die Kundschaft in Bäcker Möhrings Café in der Mittelstraße und verschenkten weiße und schwarze Stoffbeutel mit dem Superhelden-Logo. Die Reaktionen waren durchweg positiv.

„Endlich macht jemand etwas gegen den Plastikwahnsinn“

„Ich finde es gut, dass endlich jemand anfängt und etwas gegen den Plastikwahnsinn unternimmt. Am Wochenende waren wir auf dem Stadtfest unterwegs und mussten im wahrsten Sinne des Wortes durch Berge von Plastikbechern laufen. Die Menschen werfen dieses Zeug einfach achtlos weg“, ärgerte sich eine Frau.

So ein „Stinknormaler Stoffbeutel“ sieht nicht nur schick aus, er ist auch ein gutes Mittel, um die Menschen für Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Viel Lob für die Aktion gab es deshalb auch von Enrico Brüggemann: „Plastiktüten sollten verboten werden, in anderen Ländern ist das schon längst passiert. Am Ende liegt es natürlich an den Menschen selbst. Von allein kommt der Plastikmüll schließlich nicht ins Meer.“

Ein Plausch über Umweltschutz vor dem Bäckergeschäft. Ausnahmsweise gab es nicht nur Brot und Kuchen, sondern auch „Stinknormale Stoffbeutel“. Quelle: Christin Schmidt

Weil er vom Engagement der Stinknormalen Superhelden so begeistert ist, hat Ingo Möhring sogar einen Superhelden-Keks kreiert, um die Gruppe zu unterstützen. „Einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der Kekse kommt den Stinknormalen Superhelden für ihre künftigen Aktionen zu Gute“, so Möhring.

Auch das Unternehmen Auto-Technik Dähne findet den Einsatz allgemein und den Beutel-Tausch im Besonderen super und spendierte die ersten 1000 Superhelden-Taschen.

Regionale Akteure, die sich gemeinsam für die Region und eine gute Sache einsetzen, das ist ganz nach Katetschen Bernds Geschmack: „Uns ist es wichtig, dass wir als Stadt zusammenrücken und mit solchen Aktionen zeigen, dass wir gemeinsam etwas erreichen können“, erklärt der Held in den roten Strumpfhosen.

Weil das Ganze so gut funktioniert hat und die letzten Beutel am Mittwoch verteilt wurden, soll es weitere Aktionen geben.

„Wir wollen einen Mehrwegbecher für Rathenow aus Keramik kreieren. Unser Ziel ist es, andere Unternehmen in die Aktion einzubinden, so dass die Wegwerfbecher aus unserer Stadt verschwinden werden“, erklärt Ingo Möhring.

Plastik gegen Baumwolle

In vielen Geschäften gibt es Plastiktüten nur noch gegen Bares. Immer mehr Händler setzen auf wiederverwendbare Taschen aus Baumwolle.

Laut Nabu rentieren sich die Stoffbeutel ökologisch allerdings nur, wenn sie so oft wie möglich genutzt werden. Ansonsten hat sich die Produktion, bei der viel Wasser verbraucht wird, nicht gelohnt.

Plastiktüten brauchen meist mehrere hundert Jahre bis sie verrotten, oft werden sie vom Wind erfasst und landen in der freien Natur oder in Gewässern.

Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 500 Millionen Tonnen Plastik alleine im Mittelmeer treiben und in Fragmente zersetzte Teile in Mägen von Tieren landen.

Von Christin Schmidt

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