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Rentnerpaar rettet die Bibliothek

Stadtbibliothek Premnitz Rentnerpaar rettet die Bibliothek

Vor zwei Jahren musste die Premnitzer Stadtbibliothek immer schließen, wenn deren Leiterin Petra Hagemann in Urlaub ging. Sie ist die einzige Beschäftigte dort. Jetzt schon zum dritten Mal übernehmen die Rentner Renate und Rolf Schultze ihre Vertretung. So kann die Einrichtung offen bleiben und alle Bücher kommen pünktlich an.

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Bibliotheksleiterin Petra Hagemann (links) mit Renate und Rolf Schultze.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. In der Premnitzer Stadtbibliothek gibt es nur eine Arbeitskraft. Allein deren Leiterin Petra Hagemann ist dort seit Jahresbeginn 2013 noch tätig, weil die Stadt die zweite Beschäftigte auf eine Stelle in der Kernverwaltung umgesetzt hat. Bibliotheken fallen unter die freiwilligen Aufgaben der Kommunen. Deshalb hat die Stadt Premnitz ihre Einrichtung der Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz (AFP) übertragen, als sie vor drei Jahren ein Haushaltsdefizit von 662 000 Euro bekämpfen musste. So kam es 2013 einige Male zur unerfreulichen Situation, dass die Bibliothek schließen musste, wenn Petra Hagemann ihren wohlverdienten Urlaub nahm.

Wäre die Bibliothek zu, könnten Abgabetermine nicht gehalten werden

Seit 2014 allerdings ist das kein Problem mehr, weil die Rentner Renate und Rolf Schultze ehrenamtlich und unentgeltlich die Urlaubsvertretung übernehmen. Am Donnerstagabend hat Petra Hagemann ihnen mal wieder die Schlüssel übergeben und ist sorgenfrei zu einer Sonneninsel in den Urlaub geflogen. „Das ist für mich eine große Erleichterung, dass Herr und Frau Schultze meine Vertretung übernehmen“, gesteht sie. Wäre die Bibliothek geschlossen, erklärt sie dann, könnten die Abgabetermine der ausgeliehenen Medien nicht eingehalten werden. Das sprenge das ganze System. Außerdem wäre es sicher auch für die rund 350 Nutzer gar nicht schön, wenn sie zu ihrer geliebten Einrichtung keinen Zugang hätten.

Die Schultzes sind erst 2009 von Stendal nach Premnitz umgezogen. Bücher haben in ihrem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Da war es vor allem für Ehefrau Renate eine besondere Freude, in ihrer neuen Heimatstadt eine Bibliothek vorzufinden. „Ich gehe sehr gern hier her“, berichtet sie, „Frau Hagemann sorgt für eine gute Auswahl und ich bekomme die Bestseller ziemlich schnell.“ Sie bevorzugt Psycho-Thriller, in denen die Mordfälle mit Köpfchen verübt und hoffentlich gelöst werden. Zur Abwechslung konsumiert sie Biografien, meist von bekannten Frauen. Noch gut kann sie sich an das tieftraurige Gefühl erinnern, als sie 2013 wegen Urlaubs der Leiterin plötzlich vor verschlossener Türe stand.

Es war ihr Ehemann Rolf Schultze gewesen, der vermutlich gleich beim ersten Besuch mit seiner Frau bei Petra Hagemann seine Hilfe anbot – allerdings auf einem anderen Fachgebiet. In der Bibo gibt es nämlich auch einen Computerarbeitsplatz, mit dem die Nutzer ins Internet gehen können. „Wenn Sie mal Hilfe mit dem PC brauchen“, hatte Rolf Schultze versprochen, „dann sagen Sie Bescheid.“ Rund vier Jahre später kam Petra Hagemann dann tatsächlich auf sein Angebot zurück – und hat die Schultzes um Urlaubsvertretung gebeten. Die konnten und wollten nicht nein sagen.

Bei den Öffnungszeiten werden keine Abstriche zugelassen

So kommt es, dass ein Mann und eine Frau, die 80 bzw. 78 Jahre alt sind, von Zeit zu Zeit in der Premnitzer Bibliothek den Laden wuppen. Bei den Öffnungszeiten lassen sie keine Abstriche zu. Montag von 14 bis 16 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr sind Nutzer gern gesehen. Für AFP-Geschäftsführer Mathias Hohmann ist das ein Grund zur Freude. „Es ist toll, dass es Menschen gibt, die sich so für die Bibliothek einbringen“, schwärmt er und berichtet, dass die Stadt durch die beschriebene Übertragung der Einrichtung an die AFP eine Kostenreduzierung von einst mehr als 90 000 Euro auf 47 000 Euro im Jahr verwirklicht hat. Was die Schultzes machen, nennt Mathias Hohmann „schön“, „sensationell“ und „wundervoll“.

Die Bestandspflege der 19 500 Medien verlangt ihnen Petra Hagemann natürlich nicht ab. Aber wenn Renate und Rolf Schultze die ausgeliehenen Medien zurück nehmen, in den Unterlagen austragen und wieder in die Regale sortieren sowie in neu ausgeliehene Exemplare den Abgabetermin stempeln und die dazu gehörigen Zettel in die Leserkartei heften, dann haben sie wirklich genug getan. Renate Schultze genießt es zudem, in aller Ruhe durch die Bestände zu schlendern – wenn gerade kein Nutzer zu versorgen ist. Rolf Schultze ist der Spezialist fürs Wiedereinsortieren. Zwischendurch schaut er sich gerne die Bildbände an und ihm liegt die Kinderbibliothek sehr am Herzen. „Schade, dass nicht mehr Leute hierher kommen“, seufzt er, „dabei gibt es hier ein so tolles Angebot.“

Von Bernd Geske

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