Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Ein kostenloses Frühstück mit Mehrwert
Lokales Havelland Rathenow Ein kostenloses Frühstück mit Mehrwert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:34 07.12.2018
Was darf’s denn sein? Weinbergschüler haben an dem liebevoll gestalteten Frühstücksbüffet die Qual der Wahl. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Die Weinbergschule befindet sich um 6 Uhr morgens noch im Nachtmodus. Alles dunkel, alles still, die Türen verschlossen. Nur im Frühhort und in der Lehrküche brennt schon Licht.

Weinbergschülern wird seit dem Sommer ein kostenloses, gesundes Frühstück geboten. Vor dem Unterricht können sie ganz entspannt essen und klönen. Und sind damit bestens für den Schultag präpariert.

Es ist Freitag. „Süßer Freitag“, wie Marlis Jung und Anke Sievert erklären. Die beiden Frauen haben alle Hände voll zu tun. In der Küche bereiten sie das Frühstück für rund 40 Schüler vor. Und weil es am Freitag auch Süßes gibt, schmiert Marlis Junge gerade Marmelade und Schokocreme auf Brötchenhälften.

Selbstgemachte Erdbeer- und Bananenmilch

Anke Sievert schneidet derweil Obst und Gemüse in mundgerechte Happen: Paprika, Möhren, Tomaten, Äpfel. Das appetitliche Büffet wird nach und nach ergänzt. Brote mit Käse und Wurst kommen hinzu, eine Kanne mit Kakao steht bereit, und an diesem Freitag gibt es sogar selbst gemachte Erdbeer- und Bananenmilch „Wir lassen und immer was einfallen“, sagt Marlis Jung. „Abwechslung muss sein.“

Das Frühstücksteam der Weinbergschule: Anke Sievert, Christian Brätsch und Marlis Jung. (v.li.) Quelle: Markus Kniebeler

Angeboten wird das kostenlose Frühstück in der Weinbergschule seit dem Sommer. „Spirellibande“ lautet der Titel des Projekts, das von der Awo-Potsdam organisiert wird. An jedem Morgen zwischen 6.45 und 7.15 Uhr können Kinder sich an dem liebevoll zubereiteten Büffet bedienen.

Jeder darf mitessen, bezahlt werden muss nichts. Finanziert wird das Vorhaben mit Sach- und Geldspenden sowie Zuwendungen von Vereinen und öffentlichen Institutionen. Und auch die MAZ bittet im Rahmen ihrer Sterntaler-Aktion um Spenden für das Projekt.

Spenden für ein gesundes Frühstück

Kinder bekommen in der Dachsberg-Grundschule Premnitz und der Grundschule am Weinberg in Rathenow ein kostenloses Frühstück, um gestärkt in den Schultag zu starten.

Darum hat die MAZ ihre Advents-Spendenaktion „Sterntaler“ für Ketchup-Club und Spirelli-Bande aufgelegt. Bis Ende des Jahres ist das Sterntaler-Konto, beim Rotary Sozialfonds Havelland offen.

Spendenkonto: Verein Rotary Sozialfonds IBAN DE 51 1609 1994 0001 0204 20 bei der Volksbank Rathenow, BIC GENODEF1R1. Bei der Überweisung unbedingt das Kennwort „Sterntaler“ im Verwendungszweck angeben. Wichtig sind ebenso der Name und die Anschrift.

Potsdamer Projekt entdeckt

Der Anstoß für die Initiative kam von der Mutter eines Schülers, die mitbekommen hatte, dass ein Klassenkamerad morgens hungrig in den Schulalltag startete. Diese Beobachtung deckte sich mit den Erkenntnissen der Lehrer. „Pro Klasse haben wir zwei bis vier Schüler, die – aus welchen Gründen auch immer – ohne Frühstück in den Tag starten“, sagt Schulleiterin Kerstin Pollak. „Dagegen wollten wir was tun.“

Nach einiger Recherche sei man auf das Projekt Spirellibande der Awo Potsdam gestoßen, das vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, um Schülern ein gesundes und kostenfreies Frühstück zu ermöglichen.

„Entspannter Start in den Schultag

Um eines klarzustellen: Der allmorgendliche Termin in der Lehrküche ist kein Treff der sozial Benachteiligten. Es kommen Kinder aus allen Schichten und Gruppierungen. „Das gemeinsame Frühstück ist einfach ein sehr entspannter Start in den Schultag“, sagt Pollak.

Es sei wie im Leben Erwachsener. „Beim Essen tauscht man sich ganz ungezwungen aus.“ Und weil jeder teilnehmen darf, lösen sich in jener halben Stunde am frühen Morgen Grenzen auf. Alter, Herkunft, Religion – beim Kauen und Klönen an der großen Tafel spielen diese Dinge keine Rolle.

Geburtstagsständchen für Allessandro

An diesem Freitag hat Alessandro Geburtstag. Und bekommt prompt ein Ständchen dargeboten. Der mit Inbrunst gesungene „Happy Birthday“-Gruß hallt durch das morgendlich stille Schulgebäude.

Keine Frage: Den Schülern schmeckt’s Quelle: Markus Kniebeler

Marlis Jung und Anke Sievert sorgen derweil für Nachschub. Sie füllen Kakao nach, schmieren Brote, schnippeln Gemüse. Am „süßen Freitag“ kommt neben Herzhaftem Marmelade und Schokocreme aufs Brot. An den anderen Tagen gibt es Wurst, Käse, Quark und andere gesunde Leckereien. Mittwoch ist Müsli-Tag. Und immer wieder gibt es Überraschungen. Smoothies, Milch-Shakes, sogar Waffeln wurden schon gebacken.

Schulsozialarbeiter Christian Brätsch ist ebenfalls dabei

Die beiden herzlichen Damen, die auch den Einkauf für das Frühstück besorgen, sind viel mehr als Servicepersonal. Sie kennen ihre „Würmchen“, schäkern mit ihnen und erheben auch mal die Stimme, wenn jemand sein Geschirr nicht abräumt.

Schulsozialarbeiter Christian Brätsch komplettiert die Morgenriege. In der entspannten Atmosphäre vor dem Unterricht fällt es den Schülern leichter, Probleme anzusprechen. Brätsch hat dafür immer ein offenes Ohr.

Alte Bekannte und neue Gesichter

Man muss die Schüler nicht lange fragen, wie ihnen das Angebot gefällt. Ein Blick in die entspannten Gesichter sagt mehr als tausend Worte. Die meisten kommen jeden Morgen in die Lehrküche. Und immer wieder tauchen neue Kinder auf. Es spricht sich rum, wie schön man in den Schultag starten kann.

„Wir sind absolut begeistert von dem Projekt“, sagt Kerstin Pollak. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen.“ Bis zum Sommer ist die Finanzierung erst einmal gesichert. Und danach soll es weiter gehen. „Dafür werden wir alles tun“, sagt die Schulleiterin. „Das soll, das darf keine Eintagsfliege bleiben.“

Von Markus Kniebeler

Weil es terminlich nicht passt, wird die Fielmann AG den Rathenower Bürgermeister nicht mehr im Dezember, sondern Ende Januar über ihre Pläne für das Grundstück hinter dem Rathenower Rathaus informieren.

06.12.2018

Rathenows CDU-Chef Andreas Gensicke hat in der SVV den Antrag auf Einrichtung einer wolfsfreien Zone zurückgezogen. Um eine parteiübergreifende Zustimmung zu erzielen, seien noch Details zu klären.

06.12.2018

Das Körcenter kann nach einem Beschluss der Stadtverordneten zu einem Betreuungszentrum umgebaut werden. Allerdings fehlt nach der Insolvenz des im Center ansässigen Pflegedienstes ein Betreiber, der die Pläne umsetzen könnte.

06.12.2018