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Rathenow Strodehne: Wenn der Deich plötzlich absackt
Lokales Havelland Rathenow Strodehne: Wenn der Deich plötzlich absackt
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02:15 02.09.2015
THW-Helfer und Soldaten sichern am Twerl- eich gemeinsam eine Sickerstelle – die es natürlich gar nicht gab.. Quelle: Norbert Stein
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Klietz

Das Hochwasser der Elbe im Juni 2013 überflutete Häuser und riss Straßen weg. Deiche mussten aufgeschüttet und Hilfsdeiche gezogen werden. Zur Entlastung der Katastrophensituation an der Elbe wurden in der Unteren Havelniederung die Polder geöffnet. Auch das Polder Twerl wurde unter Wasser gesetzt, die Ernte vernichtet. Viele Helfer waren im Juni 2013 Tag und Nacht im Einsatz und halfen Schlimmeres zu verhindern. Damit solche Einsatzsätze in einer immer wieder möglichen Katastrophensituation noch besser funktionieren, hatte der Landkreis Havelland am Wochenende zwischen Rhinow und Strodehne eine Deichverteidigungsübung organisiert. Geübt wurde im Polder Twerl, an einem Deich in der Nähe des Schöpfwerkes.

Aus dem Havelland und den Nachbarregionen waren in den letzten Jahrzehnten des öfteren Helfer im Hochwassereinsatz an Oder, Elbe oder Havel. Viele dieser ehrenamtlichen Helfer sind inzwischen aus dem Dienst ausgeschieden. Besonders jungen Kräften fehlen praktische Kenntnisse, nennt Lothar Schneider, Kreisbrandmeister im Landkreis Havelland, am Samstagnachmittag auf dem Twerl-Deich eine wichtige Erfahrung aus dem Hochwassereinsatz im Juni 2013. „Wir nutzen deshalb

Lothar Schneider leitete die Übung. Er ist der havelländische Kreisbrandmeister. Quelle: Norbert Stein

die Wochenendübung für die Ausbildung von Multiplikatoren für den Schutz von Deichen.“, erklärt Schneider weiter.

Auf dem Twerl-Deich gab es erste Anweisungen

Sie sollen dann im Falle eines Hochwassers ihr Wissen an die Einsatzkräfte weiter geben und diese anleiten. Zu „Multiplikatoren“ ausbilden ließen sich auf dem Twerl-Deich 110 Einsatzkräfte von den Ortsverbänden des Technischen Hilfwerkes (THW) Rathenow Potsdam und Brandenburg an der Havel. Von Hochwasserschutzexperten des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) ausbilden ließen sich weiterhin jeweils zwei aktive Mitglieder der Amts- und Stadtfeuerwehren im Landkreis Havelland, Soldaten des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr und Mitarbeiter der Landkreise Havelland und Ostprignitz-Ruppin. Dabei waren auch zwei Helfer aus Bayern.

Ausbildung und Erfahrungsautausch erfolgten an fünf Stationen. Eckhardt Schulz vom LUGV war schon bei vielen Hochwassersituationen im Einsatz. Auf dem Twerl-Deich zeigte er den „Multiplikatoren“, wie Sandsäcken richtig aufgebaut werden. Angelegt werden Ringe aus Sandsäcken, wenn auf einem Deich Wasser aussickert. Das Wasser in den Ringen erzeuge einen Gegendruck und verhindere so den Austritt von Sand aus den offenen Stellen, erläuterte Schulz . „Aufhalten wird man das Wasser aber nicht gänzlich“, fügte Schulz hinzu. An weiteren Stationen wurde die Sicherung von abgesackten Deichstellen geübt. Sandsäcke, Faschinen und Vliesstoffe wurden dafür verwendet. „Solche Übungen sind richtig und wichtig“, sagte Jörn Obermeier vom THW Ortsverband Rathenow. „Wir müssen für den Hochwasserschutz gewappnet sein“, fügte Rayk Sommer von der Ortsfeuerwehr Rathenow hinzu. Zuvor hatte ihnen Lothar Schneider erklärt, dass der Landkreis Havelland beabsichtige 2016 in weitere Technik zur Deichsicherung zu investieren.

Arbeit mit einer Maschine zum Befüllen von Sandsäcken. Quelle: Norbert Stein

So füllt man Sandsäcke richtig ab

In Strodehne wurden die Helfer in eine Maschine zum Abfüllen von Sandsäcken eingewiesen. Mitgebracht hatte diese Maschine, mit der 1000 Sandsäcke in einer Stunde gefüllt werden können, das THW aus der Ostprignitz. Von der Sandbefüllung bis zum Abnehmen der mit 16 Kilogramm Sand gefüllten Säcke sind insgesamt 17 Helfer notwendig. Kameraden der Feuerwehr Friesack hatten am Abend zuvor in Strodehne mit Schippen 2000 Säcke mit Sand gefüllt für die Übung zur Deichverteidigung, die am Samstagvormittag mit einer theoretischen Einweisung auf dem Truppenübungsplatz in Klietz begann.

Das Hochwasser im Jahr 2013

Im Jahr 2013 führte die Elbe Hochwasser. Zwar war der Schaden, der dabei durch zusätzliches Wasser in der Havel entstand, überschaubar. Aber Rathenow wurde der Sammelpunkt für die Helfer, die im Elb-Havel-Winkel versuchten, das Hochwasser aufzuhalten.

Rund um die Havellandhalle waren die Helfer zusammengezogen. Sie wurden in Rathenow in den Einsatzpausen versorgt und bekamen hier ihre nächsten Einsatzbefehle.

Gefährlich war es im Jahr 2013 vor allem für die Gemeinde Milower Land. Hier wurden mehrere Zusatzdeiche errichtet, weil die Gefahr bestand, dass das Elbehochwasser das Milower Land überrollt.

In den Jahren zuvor hatte es auch an der Havel mehrfach Hochwasseralarm gegeben. Die Polderflächen hier dienen dazu, die Elbe bei Hochwasser zu entlasten.

Von Norbert Stein

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