Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Weinberg-Brücke auf dem Prüfstand
Lokales Havelland Rathenow Weinberg-Brücke auf dem Prüfstand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:03 10.08.2018
Brückenprüfer Roger Rüdiger testet die Stärke des Korrosionsschutzes am kleinen Bogen. Quelle: Fotos: Markus Kniebeler
Rathenow

Dem Blick von Roger Rüdiger entgeht nichts. Die Anschlusslasche für ein Tragseil am Scheitel des kleinen Brückenbogens etwa, vom Boden mit bloßem Auge nicht zu sehen, hat schon den Weg ins Protokoll gefunden. Weil sie rostet. „Hier wurde beim Korrosionsschutz schludrig gearbeitet“, sagt Rüdiger. Ein Foto und eine Beschreibung im Messprotokoll werden den Mangel dokumentieren. „250 bis 300 Seiten werden bei der Dokumentation bestimmt zusammenkommen“, sagt der Mann, der seit Jahren die Rathenower Brücken im Auftrag der Stadt prüft.

Seit vier Wochen nimmt der Ingenieur Roger Rüdiger die Rathenower Weinberg-Brücke unter die Lupe. Es ist die erste große Prüfung des 340 Meter langen Bauwerks. Der Prüfbericht wird hunderte Seiten stark.

Jeden Quadratzentimeter der 340 Meter langen Weinberg-Brücke wird Rüdiger bis zum Ende der Prüfung Anfang September in Augenschein nehmen. Wird Schweißnähte, Aufhängungen, Verschraubungen, Blechkanten kontrollieren und den Zustand des Korrosionsschutzes überprüfen.

Improvisationstalent gefragt

Vor vier Wochen hat der aus Neuenhagen bei Berlin stammende Mann mit der minutiösen Arbeit begonnen. Und er hat dabei viel improvisieren müssen. „Idealerweise würde man am einen Ende der Brücke anfangen und sich systematisch bis zum anderen Ende vorarbeiten“, sagt er. Leider ist er von diesem Ideal weit entfernt.

Florian Gertig bringt den Ingenieur per Hebebühne zu den höher gelegenen Brückenteilen. Quelle: Markus Kniebeler

Das hat vor allem mit der Technik zu tun. Um an die über dem Wasser liegenden Brückenteile heranzukommen, müssen schwere Kräne bestellt werden. Der große Bogen etwa ist nur mithilfe eines 100-Tonnen-Krans zu erreichen. Und dessen Einsatz will geplant sein. Zum einen, weil die Verleihfirmen diese Geräte nicht auf Abruf zur Verfügung stellen können. Zum anderen muss das Wetter stimmen. Bei Regen ist ein Einsatz sinnlos. Und stürmisch sollte es auch nicht sein.

Technikprobleme wegen Hitze

Zwei Mal schon war der bestellte Kran vor Ort – und musste diesen unverrichteter Dinge wieder verlassen. Die sensible Technik der Hightech-Maschinen habe bei den tropischen Temperaturen gestreikt, sagt Rüdiger.

Solche Ausfälle bringen den Idealplan natürlich komplett durcheinander. Weil der Kran nicht wie geplant zur Verfügung stand, hat Rüdiger die leichter zugänglichen Bereiche vorgezogen. Wie bei einem Puzzle werden sich am Ende die zum Teil weit auseinander liegenden geprüften Abschnitte zu einem Ganzen zusammenfügen.

Jeder Quadratzentimeter der Brücke wird in Augenschein genommen. Quelle: Markus Kniebeler

Mit rund 150 000 Euro schlägt die Prüfung zu Buche. Zu zahlen von der Stadt, der die Brücke gehört. Sparen kann diese sich das Geld nicht. „Weil die Brücken-Hauptprüfung nach DIN 1076 gesetzlich vorgeschrieben ist“, erklärt der Prüfingenieur. Alle sechs Jahre sei diese Hauptprüfung durchzuführen.

Die erste große Prüfung, die inklusive der Dokumentation Anfang Oktober abgeschlossen werden soll, hat noch eine besondere Bedeutung. Am 24. November läuft die Gewährleistung ab. Es ist also die letzte Möglichkeit, Ansprüche gegenüber den Baubetrieben geltend zu machen. Und das geht nur, wenn etwaige Mängel festgestellt und protokolliert sind.

Vandalismus-Schaden an der Weinberg-Brücke Rathenow. Quelle: Christin Schmidt

Und Mängel, das kann Roger Rüdiger jetzt schon sagen, gibt es genug. Vor allem der Rost setzt dem stählernen Bauwerk mächtig zu. „Überall, wo beim Korrosionsschutz geschludert wurde, sind bereits Schäden erkennbar“, sagt der Experte. Vor allem beim großen Bogen, an den am höchsten gelegenen Bauteilen, gebe es Rostschäden. Wahrscheinlich seien die Arbeiter bei der Installation schlecht an diese Bereiche herangekommen und hätten es deshalb mit dem Auftrag der Rostschutzfarbe nicht so genau genommen, vermutet Rüdiger.

Mutwillige Zerstörung

Hinzu kommen Mängel, deren Ursache Vandalismus ist. Nahezu alle Spots der Brückenbeleuchtung wurden mutwillig zerschlagen oder verbogen. Die meisten Erdungskabel der Pfeiler sind zertrennt, Schmierereien verunzieren Sitzbänke, Pfeiler und Bodenbelag. Im Netzgeländer prangen große Löcher, die irgendwelche Idioten mit Gewalt in das Stahlgewebe hineingeschnitten haben.

Gerade diese Mängel, die zulasten der Sicherheit gehen, werden die Zustandsnote bei der Gesamtbewertung negativ beeinflussen. „Es ist schon traurig, wie mit einem so wertvollen Bauwerk umgegangen wird“, sagt Roger Rüdiger. Und wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Bis Anfang September ist schließlich noch jede Menge zu tun.

Von Markus Kniebeler

Trotz der gegenwärtigen Trockenheit warnt die Bürgerinitiative Grundwasser davor, die Grabenpflege zu vernachlässigen. Man dürfe nicht nachlässig werden, der nächste Regen komme bestimmt.

09.08.2018

Anfang Juli versagte der Brunnen auf dem Friedhof in Rathenow-West seinen Dienst. Am Mittwoch bauten Fachleute aus Döberitz einen neuen Brunnen. Die Generalprobe glückte. Aber im Alltagsbetrieb gibt es Probleme.

09.08.2018

Mit Hochdruck wird an einem Plan zur Beseitigung des städtebaulichen Schandflecks gearbeitet. Der Abriss des Casinos wird dabei nicht mehr ausgeschlossen. Im September soll eine Lösung präsentiert werden.

08.08.2018