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Rathenow Wenig Interesse an der Demokratie
Lokales Havelland Rathenow Wenig Interesse an der Demokratie
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16:40 29.11.2018
Nina Omilian (M.) trat zur Demokratiekonferenz gemeinsam mit Kassandra Knebel und Jörg Schweinbenz auf. Quelle: Foto: Christin Schmidt
Rathenow

Die Demokratie und die Kultur begegnen sich im Alltag nicht allzu häufig. Dabei kann ihr Zusammentreffen durchaus bereichernd, erfüllend, ja sogar ermutigend wirken. Das wurde am Mittwochabend im Rahmen einer Demokratiekonferenz deutlich, zu der das Aktionsbündnis „Unser Rathenow“ und die Partnerschaft für Demokratie Westhavelland und Nauen eingeladen hatten.

Im Saal der Musikschule in der Alten Mühle wurde den Gästen ein Bühnenstück von Nina Omilian und Juli Zeh geboten, dazu jede Menge Infomaterial, Snacks und erfrischende Gespräche in einer abschließenden Diskussionsrunde – und das alles bei freiem Eintritt.

Dennoch machten sich nur etwas mehr als 30 Menschen auf den Weg. Ob alle anderen meinen, eine Demokratiekonferenz sei unnötig, fragte sich so mancher Gast an diesem Abend. Darunter auch die Vorsitzende der Rathenower Stadtverordnetenversammlung, Diana Golze (Die Linke), die mit ihrem Mann Daniel Golze, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtparlament, gekommen war.

Eine Liebeserklärung ans Havelland

Bürgermeister Ronald Seeger ließ es sich nicht nehmen, die Künstler zu begrüßen. Zur Veranstaltung selbst konnte er aber nicht bleiben. Eine Sitzung erforderte seine Teilnahme, immerhin ein Einsatz für die Demokratie.

Gut eineinhalb Stunden tauchte das Publikum in die Gedankenwelt der Künstlerinnen Juli Zeh und Nina Omilian ein. Beide leben im Havelland und haben einen sehr persönlichen E-Mail-Wechsel in einem Bühnenstück verarbeitet.

Nina Omilian (r.) trat zur Demokratiekonferenz gemeinsam mit Kassandra Knebel und Jörg Schweinbenz auf. Quelle: Christin Schmidt

Dieses hat am Mittwoch Nina Omilian zusammen mit der Schauspielerin Kassandra Knebel vorgetragen. Der Pianist Jörg Schweinbenz begleitete sie am Klavier und lieferte die passenden Töne zu den berührenden und teils sehr aufwühlenden Texten.

Tod und Sterben, Liebe und Hass, Inspiration und Zufall – das Werk gewährt einen intimen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Autorinnen. Aufgelockert wird das Ganze durch Beschreibungen des Alltags im Havelland mit all seinen skurrilen Begleiterscheinungen.

Es ist eine Liebeserklärung an die Wahlheimat und zugleich ein Weckruf. Nina Omilian und Juli Zeh beschreiben schonungslos und authentisch, wie die hasserfüllten Parolen, die auf Rathenows Straßen gebrüllt wurden, ihren Blick auf die Region veränderten. Genau diese Gedanken waren Ausgangspunkt für die anschließenden Diskussion.

Es waren zwar nicht viele Gäste zur Demokratiekonferenz gekommen. Die, die da waren, brachten sich aber mit großem Interesse in die abschließende Diskussion ein. Quelle: Christin Schmidt

„Es sind bewegte Zeiten, man ist berührt und betroffen und will sich austauschen“, stellte Ute Arndt, Sprecherin des Aktionsbündnisses fest. „Aber es ist nicht einfach, jemanden zu treffen mit dem man reden kann“, bemerkte ein Gast. „Ich überlege immer, ob ich das, was ich denke, auch sagen kann. Es tun sich selbst in Familien und unter Freunden Fronten auf“, berichtete die Landtagskandidatin der SPD, Katja Poschmann.

Diese Problem kennt auch eine aktive Flüchtlingshelferin: „Freunde diskutierten plötzlich mit mir, weil ich den Menschen helfe. Ich war schockiert.“ Von Sprachlosigkeit und einem Gefühle der Ohnmacht berichteten viele.

Einige meinten, dass das Gefühl von „Die da oben und wir hier unten“ in der Region besonders stark ausgeprägt ist. „Die Menschen haben den Glauben, dass es etwas nützt sich einzubringen, verloren“, lautete ein Erklärungsversuch von Katja Poschmann.

Bühnenstück als Hörspiel am 24. Dezember im Radio

„Aber wie soll ich mit Menschen diskutieren, dir mir erklären: deine Infos sind alle falsch?“, fragte Nina Omilian. „Wir müssen Demokratie leben und dazu gehört es, miteinander zu sprechen“, betonte Felix Doepner (Grüne). Er ist Pfarrer im Ruhestand, sitzt für die Grünen seit vielen Jahren im havelländischen Kreistag, engagiert sich im Aktionsbündnis und in der Gruppe „Freunde für Europa“.

Doepner räumte auch ein, dass er in öffentlichen Debatten in den Parlamenten immer seltener demokratische Gespräche erlebe, dennoch müssen man insbesondere auf lokaler Ebene für die Demokratie einstehen und das bedeute auch, Frustration auszuhalten. Katja Poschmann mahnte: „Wir müssen mehr in die Gemeinschaft und den Zusammenhalt investieren.“

Wer bei der Demokratiekonferenz nicht dabei sein konnte, hat die Möglichkeit, den Gedankenaustausch von Nina Omilian und Juli Zeh als Hörspiel am 24. Dezember um 22 Uhr im Radio auf SWR2 zu hören.

Von Christin Schmidt

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