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Rathenower Frauen diskutieren mit Politikern

Frauentag Rathenower Frauen diskutieren mit Politikern

Am Vorabend des Frauentags lud die SPD Frauen aus dem Westhavelland in Rathenow zu einer Gesprächsrunde ein. Gut zwei Stunden wurde über gerechte Bezahlung, Kita-Öffnungszeiten, Chancengleichheit und Gleichberechtigung gesprochen. Dabei wurde vor allem ein Thema heftig diskutiert.

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Martin Gorholt im Gespräch mit rund 30 Frauen aus dem Westhavelland.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. Eigentlich wollte Landratskandidat Martin Gorholt seinen Parteifreund Matthias Platzeck am Montagabend mitbringen, um mit ihm und rund 30 Frauen aus der Region im Havelrestaurant Schwedendamm über aktuelle politischen Themen zu diskutieren. Doch Platzeck meldete sich krank. Er hatte sich bei seinen Enkelkindern angesteckt. Wäre er der Vater und würde nun zu Hause bleiben, um die Kleinen zu pflegen, müsste sich Platzeck mit 70 Prozent seines Gehalts zufrieden geben.

Da Männer aber nach wie vor in der Regel mehr verdienen als ihre Frauen, wird wohl doch wieder die Mutter zu Hause bleiben und auf 30 Prozent ihres Lohns verzichten. Eine Ungerechtigkeit, die Katja Poschmann nicht versteht. Unverblümt brachte die zweifache Mutter und Mitarbeiterin eines Premnitzer Familienunternehmens ihren Unmut am Montagabend zur Sprache.

Männer spielten keine Rolle

Mit ihr waren der Einladung der SPD zur Gesprächsrunde am Vorabend des Internationalen Frauentags Vertreterinnen aus Politik, Bildung, Wirtschaft, Kultur, Sport, Vereinsleben und Ehrenamt gefolgt. Ein Blick in die Runde verriet, im Westhavelland sind Frauen nicht nur in allen Bereichen vertreten, sie engagieren sich häufig in besonderer Weise und leisten vor allem im Ehrenamt einen sehr großen Teil der Arbeit. Am Rand hatten auch einige Herren Platz genommen, die aber „an diesem Abend keine Rolle spielten“, wie Dennis Granzow, SPD-Mitglied und Leiter des Jobcenters, zu Beginn klarstellte. Tatsächlich hielten die Männer sich weitestgehend zurück und überließen den Damen das Wort.

Ina Muhß, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik, Frauen- und Gleichstellungspolitik der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag, sprang für den erkrankten Matthias Platzeck ein und stellte sich gemeinsam mit Gorholt der Diskussion. Kitagebühren, Zugang zu Bildung, Lohnunterschiede, der Umgang mit Flüchtlingen, Gleichberechtigung und Sicherheit – diese Themen standen im Mittelpunkt und wurden bei Saft, Wasser, Cola Light und belegten Brötchen zum Teil energisch debattiert.

Es muss noch viel verändert werden

Frauen haben oft die besseren Bildungsabschlüsse, verdienen aber weniger als Männer, stellte Gorholt fest. Er ließ auch nicht unerwähnt, dass alle sechs Dezernenten-Posten des Landkreises mit Männern besetzt sind. „Das sollte dringend geändert werden.“ In Sachen Lohnunterschied würde Brandenburg aber den Durchschnitt nach oben reißen, warf Ina Muhß ein. Hier liege der Verdienst von Frauen „nur“ etwa sieben bis acht Prozent unter dem der Männer. „Das hat auch damit zu tun, dass unsere Männer weniger verdienen“, so Muhß. Dennoch sei es eine Ungerechtigkeit und die könne man natürlich nicht verstehen.

„Es gibt in dieser Hinsicht noch viele Dinge, die verändert werden müssen. Warum zum Beispiel, darf niemand wissen, was ich verdiene? Aber mit wem ich telefoniere, das kann jeder wissen“, bemerkte Muhß kritisch. Es sei auch Aufgabe der Frauen, die Männer heranzuführen. Auch Väter müssten in der Lage sein, den Haushalt zu schmeißen und sich um die Familie zu kümmern. „Ich gebe zu, auch mein Mann hat erst jenseits der 50 gelernt, die Waschmaschine selbst zu bedienen.“

Geringere Kita-Gebühren würden Attraktivität der Region steigern

Besonders intensiv wurde das Thema flexible Öffnungszeiten und Schließzeiten in Kitas debattiert. Die Einrichtungen in Rathenow könnten die Flexibilität, die Arbeitgeber verlangen, häufig nicht gewährleisten, hieß es. Arbeitszeiten bis 22 Uhr würden nicht mehr zu den Kita-Öffnungszeiten bis 18 Uhr passen. Einwände dagegen erhob Petra Herbrich, Gleichstellungsbeauftragte in der Rathenower Stadtverwaltung: „Eigentlich fangen Tagesmütter diesen Bedarf auf.“ Herbrich appellierte an die Unternehmen. Auch diese seien in der Pflicht und müssten mitwirken. Das Problem sei nicht allein auf die Kommunen abzuwälzen.

Wie Katja Poschmann ergänzte, würden die Schließzeiten in den Sommermonaten das Ganze zusätzlich erschweren. Als Mitglied des Kita- und Hortbeirats bedauert sie, dass so wenige Eltern bereit sind, sich zu engagieren. „Eltern glauben nicht daran, dass sie etwas bewegen können“, so ihre Einschätzung. Dabei würden flexiblere Öffnungszeiten und geringere Gebühren auch die Attraktivität der Region für Familien steigern und so dem Fachkräftemangel entgegen wirken.

Nach zwei Stunden war klar, es gibt noch viel zu bereden und noch mehr zu tun. „Wir dürfen nicht an uns zweifeln, müssen noch viel selbstbewusster werden und unseren Töchtern den Rücken stärken“, forderte Ina Muhß.

 

Von Christin Schmidt

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