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Havelland Rathenower Lehrerin erhält Europaurkunde
Lokales Havelland Rathenower Lehrerin erhält Europaurkunde
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02:15 08.05.2017
Anett Rostalski mit zwei ihrer Schützlinge im kreativen Prozess - Malen mit Fingerfarben. Quelle: privat
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Rathenow

Drei Jahre ist es her, dass in Rathenows Partnerstadt Zlotow in Polen die Partnerschaft zwischen der Grundschule „Friedrich Ludwig Jahn“ in Rathenow und der Grundschule Nummer 1 in Zlotow feierlich unterzeichnet wurde. Seither besuchen sich Mädchen und Jungen aus beiden Städten gegenseitig, nehmen gemeinsam an Projekten teil und stehen in engem Kontakt miteinander.

Dafür, dass dieser Austausch regelmäßig stattfinden kann, sorgt in Polen Marina Kamillie und in Rathenow Anett Rostalski. Die Grundschullehrerin, die in Brandenburg an der Havel lebt und seit 2011 in Rathenow unterrichtet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Schülern die Möglichkeit zu geben, ihren Horizont zu erweitern – und das über die Grenzen des eigenen Landes hinaus im Rahmen einer internationalen Partnerschaft. Dass Anett Rostalski mit Herzblut bei der Sache ist und sich auch in ihrer Freizeit für diese Kooperation einsetzt, hat sich mittlerweile bis in die politischen Kreise der Landeshauptstadt herumgesprochen.

Die Kinder aus dem polnischen Zlotow und aus Rathenow verstehen sich blendend. Quelle: privat

„Vor einigen Wochen klingelte mein Telefon und eine Dame des Ministeriums der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz erklärte mir, dass ich für mein Engagement im Rahmen des deutsch-polnischen Schüleraustauschs die Europaurkunde bekommen soll“, erinnert sich Rostalski. Die Aufregung ist ihr noch immer anzumerken. Vorgeschlagen für die Auszeichnung hatte sie Finanzminister Christian Görke (Die Linke). „Nehmen sie die Auszeichnung an?“, wollte die Frau aus dem Ministerium wissen.

„Ich glaube, ich brauchte einige Augenblicke, um zu verstehen, was mir da gerade verkündet wurde“, erzählt die Pädagogin. Nachdem sie sich gefangen und vergewissert hatte, dass tatsächlich sie gemeint war, erklärte sie, dass sie die Ehrung gern annimmt. „Eine solche Einladung bekommt man schließlich nicht alle Tage. Wenngleich ich nicht allein zum Erfolg des Projekts beitrage“, betont die 52-Jährige immer wieder.

Die Europaurkunde für besondere Verdienste

Die Europäische Union begeht jährlich am 9. Mai den „Europatag“ aus Anlass der „Schuman-Erklärung“ vom 9. Mai 1950.

Der damalige französische Außenminister schlug die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vor, die sich zur Europäischen Union entwickelte.

Im Rahmen der jährlich stattfindenden Europawoche werden auch jedes Jahr Europaurkunden verliehen.

Die Auszeichnung erfolgt in Brandenburg durch den Minister der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz.

Er verleiht die Urkunden im Namen des Landes Brandenburg für besondere Verdienste um die europäische Integration.

Geehrt wird, wer sich ehrenamtlich oder weit über das normale Maß der beruflichen Anforderung hinaus engagiert und sich zum Wohle eines gemeinsamen grenzüberschreitenden Miteinanders einsetzt. Am Dienstag bekommen 15 Märker die Europaurkunde.

Wenn sie am Dienstag in der Staatskanzlei in Potsdam die Urkunde entgegennimmt, wird Anett Rostalski sicher auch an all die Treffen zurückdenken, die seit 2014 zusammen mit Marina Kamillie und weiteren Helfern organisiert hat. Jedes Jahr im Juni reisen Schüler der 4. bis 6. Klasse nach Polen, im Herbst kommen die Zlotower nach Deutschland. Theater ohne Worte, gemeinsames Kochen, sogar eine Kunstausstellung haben sie im polnischen Mikoszewo zusammen auf die Beine gestellt.

Im Rahmen eines Pilotprojekts durften sie fotografieren, malen und Skulpturen erschaffen, die sie später den Dorfbewohnern präsentierten. Sie haben sich gegenseitig in ihren Schulen besucht, am Unterricht teilgenommen und ihre Heimatstädte erkundet. „Es geht darum, den Kindern außerhalb des Unterrichts die Möglichkeit zu geben, etwas zu lernen und andere Kulturen zu erleben“, sagt Rostalski. Kommuniziert wird meist auf Englisch, die Schüler aus Zlotow lernen zudem Deutsch. „Ich verstehe inzwischen einiges, aber die Sprache sprechen kann ich nicht“, gesteht die engagierte Pädagogin.

Im Juni steht der nächste Austausch an. Dann treffen sich 16 Schüler aus Rathenow mit 15 Schülern aus Zlotow in Danzig. Hinzu kommen dieses Mal sogar fünf ukrainische Schüler.

Gemeinsames Gruppenbild mit den Freunden aus Polen vor der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Quelle: privat

Von Christin Schmidt

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