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Rathenower Ortsteil Semlin wird 575 Jahre alt

Einst drei Ziegeleien Rathenower Ortsteil Semlin wird 575 Jahre alt

Semlin ist der einzige Ort im Westhavelland, der dieses Jahr zwei Jubiläen feiern kann. Als Ortsteil von Rathenow kann die 800-Jahr-Feier der Stadt begleitet werden, außerdem ist Semlin selbst vor 575 Jahren erstmals urkundlich erwähnt worden. Der Ort war von Landwirtschaft geprägt. Als 1817 eine Ziegelei entstand, bot das erstmals Arbeit außerhalb der Landwirtschaft.

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Ein Foto aus dem Jahr 1891 von der Ziegelei Lötze. Sie entstand in Semlin als erste und schloss als letzte.

Quelle: foto: privat

Semlin. Der Rathenower Ortsteil Semlin kann in diesem Jahr zwei runde Jubiläen feiern. Die Einwohner können sich beteiligen an den 800-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt, die das ganze Jahr 2016 über laufen. Die Semliner können aber auch nur ihr ganz eigenes Dorfjubiläum feiern, denn der Ort ist genau 575 Jahre alt. Am 17. September wird es dazu eine Veranstaltung in der Festscheune geben, anschließend ist Dorfball.

Der Ort wurde lange Zeit nur von der Landwirtschaft geprägt. Als dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Semlin eine Ziegelei die Produktion aufnahm, gab das den örtlichen Tagelöhnern und Arbeitsmänner erstmals die Gelegenheit, auch außerhalb der Landwirtschaft ihr Geld zu verdienen. Wie die aus Semlin stammende Heike Brett berichtet, hatte Carl Bochmann, Rittergutsbesitzer von Curland bei Rathenow, im Jahr 1817 die erste Semliner Ziegelei errichtet.

Sie wurde gebaut auf dem Lötzberg, heute nur noch Lötze genannt. Dieser Betrieb hielt sich auch am längsten. Die Ziegelei Lötze war zudem die größte der insgesamt drei Semliner Ziegeleien. Bislang sind Ziegelstempel auch nur von diesem Betrieb bekannt. Der Berliner Kaufmann Eloehser übernahm sie 1888 von Max Löschke aus Hohennauen. Die Ziegelei brannte im Jahr 1891 ab. Eloehser ließ sie danach wieder aufbauen, stellte dann aber im Jahr 1906 die Produktion endgültig ein.

Um das Jahr 1863 entstanden die beiden anderen Semliner Ziegeleien. Das waren die Bauernziegelei von Hoppe und Ide, die gegenüber der Ziegelei Lötze lag, und die Ziegelei von Albert Schmidt in Semlin-Ausbau, heute „Schneidemühle“ genannt. Die Bauern Hoppe und Ide produzierten die Steine vorrangig für ihren Eigenbedarf. Sie verkauften ihren Betrieb bereits 1867 an den Rathenower Kaufmann Carl Hübener. Der hatte 1828 auch die Ziegelei Lötze übernommen. Die Ziegelei von Albert Schmidt, zwischenzeitlich gekauft von Karl Lücke, existierte nur bis etwa 1895. Der Holzhändler Julius Repke aus Ferchesar kaufte sie, brach sie ab und errichtete dort ein Sägewerk, die Schneidemühle.

Erstmals erwähnt im Jahre 1441

Erstmals erwähnt wird Semlin in einer Urkunde aus dem Jahr 1441.

Der brandenburgische Kurfürst Friedrich II., genannt „Eisenzahn“, belehnte die Familie von der Hagen, die ihren Sitz in Hohennauen hatte, mit Semlin.

Genannt werden in der Urkunde auch die westhavelländischen Orte Gülpe, Kietz, Lochow, Prietzen, Rhinow, Schönholz, Spaatz, Stölln, Strodehne, Wassersuppe und Witzke.

Semlin feiert das Jubiläum mit einer Veranstaltung am 17. September in der Festscheune. Anschließend ist Dorfball.

Alle drei Semliner Ziegeleien waren Saisonbetriebe. Die Steine wurden dort im Handstrichverfahren hergestellt. Ein besonderer Dachziegel, ein „Feierabendstein“, ist vom Haus des Semliners Otto Kahlbau und seines Sohnes Heinz erhalten geblieben. Es stand am Reihenweg in Semlin-Ausbau, existiert aber heute nicht mehr. Feierabendsteine waren selten. Sie wurden zu unterschiedlichen Anlässen hergestellt, erklärt Heike Brett, etwa zum Abschluss eines bestimmten Objektes oder am Ende der Saison.

In den Kahlbau’schen Feierabendstein sind Sonnenmotive eingeprägt. Neben dem Herstellungsort, Ziegelei von Friedrich Schulze in Albertsheim, ist darauf auch das Herstellungsjahr 1860 zu lesen und der Name des damaligen Hausbesitzers Wilhelm Kahlbau, der 1834 bis 1870 lebte. Der genannte Feierabendstein wird auch Bestandteil der Ziegelsteinausstellung sein, die Heike Brett auf dem Semliner Sommerfest am 30. Juli zeigen wird.

Von Bernd Geske

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