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Havelland Rathenower Pfarrer bringt Gott ins Pflegeheim
Lokales Havelland Rathenower Pfarrer bringt Gott ins Pflegeheim
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17:43 06.06.2016
Im zweiten Teil seines Besuchs streift Wolf Schöne den Talar ab und greift zur Gitarre, um mit den Bewohnern zu singen. Quelle: Foto: Ch. Schmidt
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Rathenow

Donnerstagvormittag im „Seniorenpark Stadtforst“ in Rathenow. Nach und nach füllt sich der große Saal im Erdgeschoss. An Krücken, mit Rollstuhl oder Rollator und sogar im Bett kommen die Bewohner herein. Sie nehmen im Halbkreis Platz und schauen auf Pfarrer Wolf Schöne, der sich bereits seinen Talar übergeworfen und eine Kerze angezündet hat. Eigentlich ist offenes Feuer im Haus verboten, aber für besondere Anlässe wird eine Ausnahme gemacht. Immerhin soll die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert werden. Dass Pfingsten schon ein paar Tage her ist, stört hier niemanden. Im Gegenteil, die Bewohner sind dankbar, dass sie überhaupt zum Gottesdienst gehen können – oder besser gesagt, dass der Gottesdienst zu ihnen kommt.

Einmal im Monat besucht Wolf Schöne das Pflegeheim, immer dabei sind nicht nur Bibel, Kerze, Kreuz und Talar, auch die Gitarre muss mit. Denn mit Musik, dass weiß der 54-Jährige aus Erfahrung, lassen sich Herzen öffnen. Alle 18 Gäste begrüßt er mit Handschlag und lieben Worten, viele kennt er inzwischen mit Namen. Dann läutet er das kleine Glöckchen, das er mitgebracht hat – ein Ersatz für die Kirchenglocken, die hier draußen am Stadtrand nicht zu hören sind – und singt mit kräftiger Stimme das „Kyrie eleison“. Der Saal wird zum Gottesraum.

Ein Lächeln tut Wunder

„Eure Alten sollen Träume haben“, zitiert Schöne und liest seinen Zuhörern die Geschichte vom Pfingstwunder vor. Die Liturgie ist wichtig, denn die können sie hier fast alle auswendig, so der Pfarrer. Er geht auf die Bewohner zu, fordert sie mit Fragen, scherzt mit ihnen. „Hören, sehen, Blickkontakt, schenken sie ihrem Gegenüber ein Lächeln, das tut schon Wunder“, sagt Schöne und tritt an das Bett einer alten Dame, um ihr die Hand zu streicheln. „Das tut Wunder“, freut sie sich.

Pfarrer Wolf Schöne begrüßt jeden einzelnen Bewohner persönlich. Viele von ihnen kennt er inzwischen mit Namen. Quelle: Ch. Schmidt

Ebenso wichtig wie die Liturgie ist der Gesang, der im zweiten Teil nach dem Gebet und dem gemeinsamen Vaterunser folgt. Schöne streift den Talar ab, nimmt die Gitarre in die Hand und schlägt das Liederbuch auf. Was dann passiert, ist für den Pfarrer immer wieder aufs Neue ein Wunder: Die Augen der Bewohner fangen an zu strahlen, viele singen mit, sie kennen die Texte noch auswendig und blühen förmlich auf beim Singen. „Das zu sehen, macht mich jedes Mal glücklich“, sagt Schöne.

Lieder aus der eigenen Jugend

„Am Brunnen vor dem Tore“, „Horch was kommt von draußen rein“, „Hoch auf dem gelben Wagen“ – ein Lied nach dem anderen klingt durch den Saal. Mal macht Schöne einen Vorschlag, mal suchen sich die Bewohner ein Lied aus. Wer den Text nicht kennt oder nicht singen kann, brummt einfach mit. Inzwischen wippt so mancher Fuß im Takt mit und die Stimmen werden kräftiger. „Wir könnten eigentlich einen Chor aufmachen“, sagt Wolf Schöne und einige nicken ihm eifrig zu. Mit seiner Gitarre läuft er durch den Raum und dreht dabei um den „Tanz um die Linde“ nachzuahmen.

Nach einer Stunde, vielen Liedern und guten Wünschen gehen die Bewohner mit Gottes Segen. Bei vielen ist noch immer das Strahlen im Gesicht zu sehen. In einem Monat werden sie wieder kommen, wenn es die Kraft erlaubt, und gemeinsam singen und beten.

Gottesdienste in Rathenower Pflegeheimen

Einmal im Monat besucht Pfarrer Wolf Schöne oder ein Vertreter das Seniorenhilfezentrum, den „Seniorenpark Stadtforst“, das Seniorenheim „Lebensherbst“ und das Wohn- und Pflegezentrum am Fontanepark.

Schöne kommt zu den Menschen, die selbst nicht mehr zur Kirche gehen können, um auch ihnen die Möglichkeit zu bieten, regelmäßig einen Gottesdienst zu feiern.

Seit 1991 ist Wolf Schöne Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde St.-Marien-Andreas in Rathenow, wo er unter anderem als Gemeindepädagoge tätig ist.

Die Gottesdienste in verschiedenen Pflegeheimen gehören seit vielen Jahren zu seiner Arbeit dazu.

Von Christin Schmidt

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