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Rathenower Pfarrer vernetzt Helfer

Flüchtlingshilfe Rathenower Pfarrer vernetzt Helfer

Wenn es darum geht, geflüchteten Menschen die im Havelland ankommen zu helfen, ist Pfarrer Wolf Schöne der Mann, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Seit Anfang September widmet er sich der Flüchtlingshilfe. Viele schöne Momente habe er in den letzten Monaten erlebt, aber auch Bedrückendes.

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Musik verbindet: Auch der internationale Gitarrenkurs entstand im Rahmen der Flüchtlingsarbeit die Wolf Schöne (7.v.r.) leistet.

Quelle: Privat

Rathenow. Etwa ein Drittel der Arbeitszeit von Wolf Schöne, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Rathenow, ist für die Flüchtlingshilfe vorgesehen, so hat es der Kreiskirchenrat im Juli beschlossen. Eine Entscheidung, die wesentlich zum Erfolg der Flüchtlingsarbeit in der Region beigetragen hat. Schöne ist es gelungen, ein engmaschiges Hilfsnetzwerk zu stricken – Willkommensinitiativen, Vereine und Institutionen, Ämter und Behörden arbeiten inzwischen mit ihm zusammen. Er weiß, wo es drückt, was gebraucht wird und vermittelt oft in wenigen Minuten Hilfe.

Rund 300 Akteure vernetzt Wolf Schöne per Smartphone und Whatsapp miteinander, noch einmal so viele informiert er per E-Mail. „Die Hilfsbereitschaft ist wirklich sehr groß“, lobt der Pfarrer das Engagement der Bürger.

Der Erfolg wird in der Gruppe geteilt

Die Bereitschaft geht sogar soweit, dass sich einige ältere Menschen ein Smartphone zugelegt haben, um aktiv helfen zu können und informiert zu werden. Fast täglich sendet Schöne kurze Nachrichten. Mal werden Schulrucksäcke oder Fußbälle gebraucht oder eine Familie benötigt dringend eine Waschmaschinen oder einen großen Topf. Innerhalb weniger Minuten trudeln die Angebote ein. Wenig später lässt Koordinator Schöne alle Helfer am Erfolg teilhaben, indem er Fotos mit glücklichen Gesichtern und Dankesbekunden verschickt.

Der perfekte Startschuss für seine Arbeit sei der Aufruf zur Gewaltlosigkeit Anfang September gewesen, erinnert sich der Pfarrer. Damals hatten sich hunderte Menschen an der Sankt-Marien-Andreas-Kirche versammelt. Sie wollten nicht nur ein Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen, sondern auch ihre Bereitschaft zu helfen kundtun. Wolf Schöne sammelte die Kontakte und baute ein unabhängiges Hilfsnetzwerk für die Region auf.

Flüchtlinge werden zu Helfern

„Die meisten Probleme lösen sich innerhalb von fünf Minuten“, erzählt der Pfarrer. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Hilfesuchende und Helfer zusammenzubringen, vieles sei schlichtweg Koordinierung. Dabei konzentriert sich die Hilfe längst nicht mehr nur auf Flüchtlinge. Alle Hilfsbedürftigen sollen bedacht werden. Zudem sind auch zahlreiche Flüchtlinge inzwischen selbst Helfer geworden. Etwa 40 sind im Netzwerk eingebunden. Sie springen mal als Dolmetscher ein oder packen anderweitig mit an.

Viele Schöne Momente habe ihm diese Arbeit beschert, sagt Wolf Schöne. Zum Beispiel das Weihnachtsfest in der Notunterkunft am Hasenweg. Dafür wurde in kurzer Zeit so viel Geld gespendet, dass mehr als 100 Menschen – Erwachsene wie Kinder – mit einer Kleinigkeit beschenkt werden konnten. Nebenbei lernten die Flüchtlinge noch deutsche Sitten und Gebräuche kennen. Eine Erfolgsgeschichte ist auch der internationale Gitarrenkurs, den Schöne im Rahmen der Flüchtlingsarbeit ins Leben rief. Alle zwei Wochen treffen sich rund 25 Musiker aus Syrien, dem Iran, Pakistan und Afghanistan um gemeinsam zu üben. Die Gitarren dafür wurden gespendet. Einen ersten Auftritt hat die Gruppe bereits absolviert. Am 3. Juni werden sie im Rahmen des Festes „Mit Musik um die Welt“ wieder öffentlich spielen.

Einzelschicksale die betroffen machen

„Man stellt sich manches so schwierig vor, dass es Konflikte zwischen den Religionen und Kulturen geben könnte, dabei ist alles sehr unkompliziert“, erzählt der Pfarrer. Was ihn aber bedrückt sind die Einzelschicksale. Zuzuschauen, wie Menschen, die sich integriert haben, die sich hier wohlfühlen, wieder gehen müssen, berührt ihn. Mut machen ihm dann die vielen dankbaren und fröhlichen Kinderaugen, die Herzlichkeit und die große Gastfreundschaft der geflüchteten Menschen. Wolf Schöne hofft, dass die Rathenower ihre Warmherzigkeit bewahren und sich weiterhin mit Herzblut einbringen, spenden und auf die Menschen, die bei uns ankommen, zu gehen.

Von Christin Schmidt

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