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Rathenower übernimmt Patenschaft für Flüchtlinge

Familie aus Afghanistan im Havelland Rathenower übernimmt Patenschaft für Flüchtlinge

In Rathenow begleiten vom Kompetenzzentrum Havelland vermittelte Paten Flüchtlinge. Walter Thomas ist einer der ersten, der sich für das Ehrenamt gemeldet hat. Er steht einer afghanischen Familie als verlässlicher Pate zur Seite.

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Kavita (l.), Nandani und Navid (r.) sind froh, dass sie Walter Thomas an ihrer Seite haben.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. Nandani ist sechs Jahre alt und besucht die Kita der Kleine Philosophen. In wenigen Wochen kommt ihr kleiner Bruder auf die Welt, worauf sich das Mädchen mit den funkelnden grünen Augen schon besonders freut. Und im August darf Nandani dann endlich zur Schule gehen.

Ihren Namen kann sie sogar schon schreiben. Noch spielt sie aber lieber, als das ABC zu üben. All das klingt nach dem Leben eines ganz normalen sechsjährigen Mädchens, und doch ist die Welt, in der Nandani heute lebt, für sie alles andere als normal. Erst vor einem halben Jahr kam sie mit ihrer Mutter Kavita und ihrem Vater Navid in Rathenow an. Die Familie floh aus ihrer Heimatstadt Kabul, wo die Taliban Angst und Schrecken verbreiten. Für die gläubige Hindu-Familie bedeutet das tägliche Gefahr ums eigene Leben. „Ich konnte nicht auf die Straße gehen, meine Tochter durfte nicht zur Schule. Die Taliban kontrollieren alles. Meine Schwester haben sie gekidnappt, mein neugeborenes Baby nahmen sie mir nach der Geburt im Krankenhaus weg“, erzählt die 27-jährige Kavita.

In Rathenow fühlen sie sich wohl. „Unser Leben ist hier sicher und das ist ein gutes Gefühl“, erklärt Navid erleichtert. Dass sie sich in kürzester Zeit so gut eingelebt haben und sich inzwischen auch in der Stadt sehr gut zurecht finden, ist vor allem Walter Thomas zu verdanken. Seit März begleitet er die Familie als ehrenamtlicher Pate. Nachdem er in der Zeitung las, dass das Kompetenzzentrum Havelland Ehrenamtler sucht, die Flüchtlingen zur Seite stehen, ihnen im Alltag helfen und mit ihnen deutsch üben, meldete sich Thomas als einer der Ersten, denn für ihn klang das Projekt nach einer sehr guten Idee.

Mittlerweile stattet er Nandani und ihren Eltern jeden Mittwoch einen Besuch ab. Er hat ihnen den Wolzensee gezeigt, half ihnen bei Arztbesuchen und nahm das Mädchen zum ersten Mal in ihrem Leben mit auf einen Spielplatz. An diesen Augenblick kann sich Walter Thomas besonders gut erinnern, diese große Freude in den Kinderaugen. Auch das Willkommensfest für Asylbewerber haben sie zu viert besucht und Radfahren hat der dreifache Opa mit seinem Patenkind geübt. „Nur drei Tage hat sie gebraucht um perfekt zu fahren“, erzählt Thomas stolz.

Dass er den Neuankömmlingen helfen kann, scheint auch ihm gut zu tun. Er weiß aber, dass längst nicht jeder zu so etwas bereit ist. „Machen wir uns nichts vor, viele Menschen haben noch immer Angst vor Fremden. Sie wollen nichts mit ihnen zu tun haben“, sagt Walter Thomas. Er kennt die Bedenken, hat sie im Bekanntenkreis oft genug gehört. Dennoch teilt er diese Ängste nicht. Im Gegenteil: „Es hat mich neugierig gemacht zu erleben, wie es ist, wenn man heute als Flüchtling in Deutschland ankommt“, erklärt der aufgeschlossene Mann.

Seine Eltern waren selbst Flüchtlinge. „Meine Mutter kam aus Russland, sie war fast ihr ganzes Leben auf der Flucht“, berichtet Thomas. Oft haben seine Eltern von ihren Erlebnissen berichtet, genau wie Kavita und Navid. „Das Erzählen ist wichtig um zu verarbeiten und ich höre gern zu“, sagt Thomas. Außerdem könnten die beiden so ihr Deutsch verbessern, denn die Sprache sei das A und O.

Walter Thomas ist einer von derzeit 15 Paten, die sich um mehr als 20 Flüchtlinge in Rathenow kümmern. Drei weitere Paten werden demnächst vermittelt. „Der Bedarf ist in jedem Fall da“, weiß Ingeborg Höhnemann, Leiterin des Kompetenzzentrum .

Info: Wer sich ebenfalls als Pate engagieren möchte, wendet sich an das Kompetenzzentrum Havelland, Tel. 0 33 85/57 01 49, E-Mail: info@kompetenzzentrum-havelland.de

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