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Regionaler Fisch gehört nicht in die Tonne

Verschwendung von Lebensmitteln Regionaler Fisch gehört nicht in die Tonne

Fischer Wolfgang Schröder aus Strodehne vermarktet mit viel Kreativität und Engagement regionalen Fisch. Dass Karpfen aus brandenburgischen Gewässern in Biogasanlagen landen und der Staat zudem für die Vernichtung der Fische bezahlt, ärgert den leidenschaftlichen Fischer.

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Fischer Wolfgang Schröder präsentiert seinen Fang am idyllischen Rhin-Ufer.

Quelle: Christin Schmidt

Strodehne. Brassenburger, Karpfen geräuchert, Aalsuppe, Hechtklöschen und gedünstete Wollhandkrabben – bei Fischer Wolfgang Schröder kommt auf den Tisch, was die Havel hergibt. Auch in einigen Restaurants in der Umgebung mit denen Schröder kooperiert, wird Fisch aus heimischen Gewässern serviert. Dennoch haben Brassen, Plötze und Co. keinen leichten Stand bei den Verbrauchern. Zu viele Gräten, sagen die einen, Lachs und Dorsch schmecken besser, sagen die anderen. In den Tiefkühltruhen der Supermärkte sucht man heimischen Fisch vergebens, auch an den Fischtheken fehlt er. Stattdessen landeten in den vergangenen drei Jahren rund 2300 Tonnen Fisch aus Brandenburgs Gewässern in Biogasanlagen oder wurden an Zootiere verfüttert.

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Karpfen, Brasse und Hecht sind schmackhafte Fische, sagt Wolfgang Schröder. Er plädiert für die gezielte Vermarktung von heimischem Fisch. Ginge es nach ihm, würden auch in den Kühltheken der Supermärkte Welse und Hechte landen.

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Regionaler Fisch lässt sich nur schwer vermarkten, das weiß auch Fischer Schröder, der in Strodehne einen Traditionsbetrieb führt, Gründungsjahr 1904. Dennoch sträubt er sich dagegen, seinen Fang zu vernichten. „Ich kann es nicht leiden, wenn etwas in die Tonne fliegt, das gegessen werden kann“, sagt Schröder. Statt 30 Cent pro Kilogramm Fisch zu kassieren, dass er in die Biogasanlage gibt, versucht er mit viel Kreativität seinen Fisch in die Kochtöpfe und auf die Teller der Konsumenten zu bringen – und das nicht ohne Erfolg.

Schröder räuchert Karpfen und Schlei, Plötzen legt er ähnlich wie Brathering sauer ein, Hecht wird zu Buletten verarbeitet und natürlich kocht er auch Fischsuppe. Süßwasserfisch riecht nicht so stark wie Fische aus dem Meer. Zudem sind die heimischen Exemplare weniger Fett, dafür ist allerdings auch ihr Gehalt an Omega-3-Fettsäuren geringer, erklärt Schröder.

Touristen essen Havel-Fische

Bis Mitte der 1990er Jahre war Fisch aus der Havel recht beliebt. Das hat stark nachgelassen. Nun sind es vor allem Touristen, die Fisch aus der Havel essen wollen. Umso stärker engagiert sich Schröder für seine Produkte. Während der Buga stieg er in Havelberg ins Wasser und brachte den Besuchern seinen Beruf näher. Er ist auf Messen vertreten und Mitbegründer des Netzwerks „HavelArt“, das sich für die Vermarktung kulinarischer Leckerbissen aus regionalen Produkten stark macht. Natürlich würde er seinen Fisch auch gern in Supermärkten verkaufen, allerdings wird regionaler Fisch dort gar nicht gelistet. Angeblich gibt es keinen Bedarf. Also muss Schröder seinen Kunden die Frage beantworten, warum sie Brassen nicht im Supermarkt um die Ecke kaufen können.

„Es kann doch nicht sein, dass man von Überfischung spricht, in Aquakulturen Tiere züchtet und unseren regionalen Fisch in die Tonne haut“, empört sich Schröder. „Nimmt man nur Raubfische wie Hecht und Wels raus, vermehren sich Friedfische wie Karpfen zu stark. Das Ergebnis: Der Staat zahlt für die Vernichtung der Fische.“

Chinesen interessieren sich für die Fische

So einfach will es sich Schrödern nicht machen. 80 Prozent seiner Fangmenge machen Brassen und Plötze aus. Dass Argument, die Fische hätten zu viele Gräten, lässt Schröder nicht gelten. Vor fünf Jahren hat er sich ein Gerät angeschafft, mit dem er die Tiere entgrätet, seither verkauft er grätenlose Filets. Auch Wollhandkrabben weiß der Strodehner an den Mann zu bringen. Das chinesische Importprodukt lasse sich sogar besser verkaufen als Fisch. Vor allem Chinesen und Vietnamesen kaufen die Tiere, bei Deutschen kommen Krabben äußerst selten auf den Teller. Sie bevorzugen fertig gepulte Meerestiere.

10 bis 15 Prozent seines Fangs liefert Schröder an Gastronomen in der Region. Der Anteil sei in den letzten Jahren gestiegen, ist aber noch ausbaufähig. Das Geschäft ist aber nicht einfach. Der Brassenburger zum Beispiel, lasse sich nicht kostendeckend verkaufen, erklärt der Fischer.

Von Christin Schmidt

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