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Rehe lieben die oberste Knospe

Verbissschäden im Nauener Stadtwald Rehe lieben die oberste Knospe

Mit einem Monitoring prüft Nauens Stadtförster Thomas Meyer seit 2010, wie groß die Schäden durch Wildverbiss im Stadtwald sind. Dabei schaut er sich immer die gleichen 15 Stellen an, an denen sich selbst ausgesäte Bäumchen befinden. Momentan ist er mit dem Verbiss recht zufrieden.

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Förster Thomas Meyer verschafft sich einen Überblick über die Verbissschäden.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Wenn Rehe äsend durch den Nauener Stadtwald ziehen, dann finden sie in der Regel einen gedeckten Tisch vor. Selbst im Winter und Frühjahr gibt es dort eine Menge zu fressen. Vor allem die oberste Knospe des heranwachsenden Bäumchens – die so genannte Terminalknospe – hat es den Tieren angetan.

Einer, der diesen Verbiss nicht so gern sieht, ist Nauens Stadtförster Thomas Meyer. Er hat naturgemäß großes Interesse daran, dass die Bäumchen groß werden und irgendwann Gewinn abwerfen, der in den Haushalt der Kommune fließt. Doch als schlimm empfindet er die Situation momentan nicht, im Gegenteil. „Wir können recht zufrieden sein. Der Verbiss scheint im Griff zu sein“, sagt er. Und das, obwohl die Tiere immerhin an etwa der Hälfte der selbst ausgesäten Pflanzen geknabbert haben.

Wie es um die nachwachsenden Bäume bestellt ist, weiß Meyer aus dem Verbissmonitoring. Seit 2010 überprüft er jedes Jahr an immer den gleichen 15 Probepunkten im Stadtwald, wie es mit dem Bäumchennachwuchs aussieht. „Damit wollen wir sehen, ob der Wildbestand durch die Jagd ausreichend reguliert wird oder ob er überhöht ist“, so Meyer. Sollte der Bestand nämlich zu hoch sein, dann müsse mit den zwölf Jägern zu den Abschusszahlen nachverhandelt werden, so wie 2011. Dies ist im Moment aber kein Thema.

Regelmäßig misst Thomas Meyer Mitte des Jahres die Höhe der Bäumchen und prüft, ob ein Verbiss zu erkennen ist und wie viele Pflanzen es auf einer bestimmten Fläche sind, um dann hochrechnen zu können. Zudem werden die Baumarten erfasst, die sich selbst ausgesät haben. Größtenteils handelt es sich um die Buche – nämlich zu 24 Prozent. Danach folgen der Ahorn (20 Prozent) und die Eiche (13 Prozent). Bei 1,20 Meter Höhe fallen die Bäume aus der Erfassung heraus. Dann nämlich kommen die Rehe nicht mehr an die oberste Knospe heran.

Zählte Meyer 2010 noch rund 800 Jungpflanzen pro Hektar, sind es mittlerweile 14 600. Bei 50 Prozent Verbiss bleiben immerhin noch 7300 Pflanzen übrig. „Damit sind noch genug unverbissene Pflanzen vorhanden“, so der Stadtförster. Selbst auf den Neubau von Zäunen zum Schutz der Bäume kann seit 2013 verzichtet werden. Neben der so genannten Naturverjüngung pflanzt Meyer aber auch jedes Jahr auf vier bis acht Hektar gezielt Bäume an.

Allerdings wird es in Zukunft möglicherweise schwieriger, die Bäumchen vor hungrigen Mäulern zu schützen. Denn neben den ortsansässigen Rehen kommt nicht nur Damwild hin und wieder in den Stadtforst, selbst Rotwild wird seit zwei Jahren immer mal wieder dort gesichtet, wie Thomas Meyer berichtet. Was den Jäger freut, weil es nun eine Wildart mehr gibt, macht dem Förster indes Sorgen. „Das Rotwild kommt auch an höhere Knospen heran“, sagt er. Außerdem befürchtet er Schälschäden. Dabei trennen die Tiere die Rinde vom Stamm ab und schädigen dadurch den Baum.

Aber auch ein anderer Zuwanderer könnte laut Meyer Einfluss auf den Verbiss ausüben: der Wolf. „Wir haben mindestens zwei verschiedene Wölfe, die hier durchziehen“, sagt der Förster. Seit einem Jahr verewigen sie sich auf den Wildkameras. Der Wolf könnte nach Ansicht des Försters das Verhalten der Rehe ändern. „Es kommt dann eher zur Rudelbildung.“ Somit besteht die Gefahr, dass die Rehe manche Bereiche ganz abfressen und andere wiederum gar nicht.

Nicht zuletzt labt sich auch der Biber, der sein Zuhause im Leitsakgraben hat, an den Bäumen im Stadtwald. „Dort stehen etliche dicke Buchen, die er kahlgemacht hat“, so der Förster, der von etwa 20 betroffenen Bäumen ausgeht.

Von Andreas Kaatz

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