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Havelland Reich an Bäumen und Geschichte
Lokales Havelland Reich an Bäumen und Geschichte
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07:00 26.11.2015
Entlang der Dorfstraße stehen Birken, dahinter liegen idyllische Grundstücke. Quelle: Norbert Stein
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Haage

Schon viele schöne Stunden und heiße Diskussionen hat Ortsvorsteher Matthias Rehder im Dorfgemeinschaftshaus erlebt. Sein neuer Lieblingsplatz liegt jedoch unter dem Veranstaltungsraum, im Ungeordneten und vielen Einwohnern unbekannten. Es ist der Keller, dessen nächtige Gewölbe versteinernde Zeugen Haager Geschichte sind.

Das Anwesen am Birkenweg gehörte einst der Familie von Bredow und war mit einem Gutshaus und einem Inspektorenhaus bebaut. Das Inspektorenhaus wurde in den 1980er Jahren von der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) abgerissen und das Gutshaus zu einer Gemeinschaftseinrichtung umgebaut. Übrig geblieben ist vom eigentlichen Gutshaus nur noch der Keller. Ihn wieder herzurichten fällt für den Ortsvorsteher in die Rubrik Zukunftsträume.

Das Dorfgemeinschaftshaus selbst ist für das gesellschaftliche Leben von Haage unersetzlich geworden. Die Senioren kommen regelmäßig hierher zu Kaffeenachmittagen, Einwohnerversammlungen und Gemeindevertretersitzungen finden in dem vom Baustil schlicht wirkenden Haus statt und an dessen Grundstückszaum ein Schild „Rat der Gemeinde Haage“ an längst vergangene Zeiten erinnert. „Haage ist ein lebenswertes Ort mit guter Entwicklung“, sagt Matthias Rehder bei einem an der Kirche beginnenden Dorfrundgang. „Ein Schmuckstück ist sie geworden, unsere Kirche“, sagt er. Rund 240 000 Euro hat die Evangelische Kirchengemeinde mit Hilfe von Fördermitteln seit 2008 die Sanierung des Gotteshauses investiert. Spitze und Fassade vom Turm wurden erneuert. Das Kirchenschiff erhielt neue Dachziegel, der Putz einen neuen Anstrich und der Turm eine funkgesteuerte Uhr mit neuem Zifferblatt. Auch innen wurde die Kirche renoviert. Im alten Pfarrhaus findet heute wieder Konfirmandenunterricht statt.

Nur einige Meter von der Kirche entfernt hat die Ortsfeuerwehr ihr Domizil. Eigentlich nur noch teilweise, weil das Objekt als Gerätehaus ausgedient hat. Ihr Einsatzfahrzeug haben die Feuerwehrleute schon auf dem Grundstück des Dorfgemeinschaftshauses stationiert. Eine Skulptur des Sankt Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehrleute, wacht aber weiterhin vor dem alten Gerätehaus. Die Ortsfeuerwehr wird ihr ehrwürdiges Domizil weiter nutzen für Schulungen und Ausbildungen. Das Gerätehaus selbst soll ein Feuerwehrmuseum werden.

Die sanierte Kirche ist ein Schmuckstück Quelle: Norbert Stein

Vom Gerätehaus , vorbei an der Bushaltestelle und dem Dorfteich geht es auf der gut ausgebauten Ortsdurchfahrt zum Birkenweg und damit zu der weit über das Havelland hinaus bekannten Gaststätte „Deutsches Haus“. Noch drei Kilometer sind es von hier aus bis zum Landiner See, einem bei Einwohnern und Gästen gleichermaßen beliebten Ausflugsziel mitten in der Natur. Die Wanderung führt vorbei am alten Forsthaus, vor dem eine über 260 Jahre alten Stieleiche mit über fünf Meter Umfang steht und einer „Baum des Jahres“-Allee.

Warum der See hinterm Dorf Landiner See genannt wird, weiß in Haage niemand genau. Auch eine von Generationen überlieferte Erzählung lässt wohl nur einen wagen Aufschluss zu. Danach sind Landvermesser früher von Haage nach Landin gewandert, wo man sie köstlich und ausgiebig bewirtet haben soll. Aus Dank, so die Überlieferung, sollen die Landvermesser dem Gewässer den Namen Landiner See gegeben haben.

Die Gaststätte „Deutsches Haus“ ist weit übers Havelland hinaus bekannt. Quelle: Norbert Stein

Haage war früher ein Dorf mit Landwirtschaft. „Und ist es heute immer noch“, sagt Ortsvorsteher Rehder mit dem Verweis auf drei gut wirtschaftende Betriebe. Zudem haben sich im Dorf aber auch Kunst und Kleinunternehmen mit moderner Technik angesiedelt. In Haage gefertigte Reitsättel sind in ganz Europa bekannt. Die Sattlerei Hennig hat hier seit 1996 ihren Sitz. Anfang des Jahres wurde sie mit dem Wirtschaftsförderpreis des Landkreises ausgezeichnet. Die 20 Mitarbeiter fertigen hochwertige Sättel, darunter eine Weltneuheit: ein Sattel, der sich der Bewegung des Pferdes anpasst.

Haage ist aber auch ein Dorf mit vielen Bäumen, vor allem aber einer über 700-jährigen Geschichte mitten im Havelländischen Luch. Laub harken gehörte deshalb für viele Einwohner in den letzten Tagen zur festen Freizeitbeschäftigung

Von Norbert Stein

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