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Reicher Osten trifft auf armen Westen

Havelland Reicher Osten trifft auf armen Westen

Fast ein Jahr war Pause: Nun wird wieder am Kulturentwicklungsplan des Landkreises Havelland gearbeitet. Das Konzept muss auf eine zweigeteilte Entwicklung des Kreises reagieren: Der reiche Osten trifft auf den armen Westen.

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Gefragte und geförderte Musik: Die Havelländischen Musikfestspiele luden hier ins Nauener Funkamt.
 

Quelle: Marlies Schnaibel

Havelland.  Was ist uns die Kultur wert? Die Städte des Havellandes finden darauf unterschiedliche Antworten. Ein Vergleich der drei Mittelzentren zeigt: Nauen gibt pro Einwohner 8,04 Euro aus, Falkensee 27,76 Euro, Rathenow 47,70 Euro. Die Zahlen stammen von 2015, sie zeigen im Vergleich zu den Vorjahren auch: In Falkensee ist der Wert Stück für Stück gewachsen, in Nauen bewegt er sich seit Jahren auf annähernd gleich-tiefem Niveau, in Rathenow schwankte er. Vor 2015 waren es zwischen 78 und fast 83 Euro, im vergangenen Jahr sanken die Ausgaben, weil die Städtische Musikschule in Trägerschaft des Kreises übergeben wurde. Der Landkreis selbst gibt etwas mehr als 17 Euro pro Kopf der Bevölkerung für Kultur aus.

All die Zahlen sind Teil einer großen Materialsammlung, die dem Landkreis als Grundlage für seine Kulturentwicklungsplanung dient. Damit solle eine „zukunftsorientierte Kulturpolitik des Landkreises“ entworfen werden. Mit großem Aufwand und in Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Kulturberatung“ war im Januar 2015 damit angefangen worden. In zahlreichen Gesprächen, Treffen und Workshops waren Fakten, Meinungen und Vorstellungen eingesammelt worden. Nach dem Abschlussworkshop vor genau einem Jahr in Ribbeck passierte jedoch monatelang nichts. Erst jetzt konnte die Verwaltung das Material gesichtet und zu einer Konzeption verdichtet vorlegen. Im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Kultur des Kreises in Elstal wurde das Papier am Mittwochabend vorgestellt und zaghaft diskutiert.

Bruno Kämmerling, Referatsleiter Kultur des Landkreises, nannte Eckdaten des Papiers. Aus den vielen Anregungen und Wünschen sei eine Art Arbeitsauftrag für die Verwaltung erwachsen. Dabei sehe er vier Schwerpunkte: So soll eine Plattform geschaffen werden, auf der sich Künstler, Kulturschaffende und kulturell Interessierte besser informieren und austauschen können, gedacht ist an ein interaktives Internetportal.

Zweiter Schwerpunkt: Unter dem Stichwort „Kultur-Tandem“ soll der direkte Austausch zwischen Kulturschaffenden gefördert werden.

Dritter Schwerpunkt: Entwicklung einer tragfähigen und glaubwürdigen kulturhistorischen Markenstrategie für das Havelland. Bisher fehle es an „Narrativen, das heißt sinngebenden Erzählungen, mit denen Emotionen zu einzelnen Personen, Einrichtungen und Orten transportiert werden“.

Vierter Schwerpunkt: Gestaltung der Kulturarbeit und Kulturvermittlung, hier vor allem die Zusammenarbeit mit den Schulen stärken.

Insgesamt steht der Landkreis vor der Aufgabe, als metropolennaher Raum auf recht unterschiedliche Entwicklungen, was Einwohnerzahlen, Einkommensverhältnisse und Bildungsabschlüsse betrifft, zu reagieren. Die Prognosen sagen klar: Innerhalb des Autobahnrings werden die Orte wachsen, darüber hinaus wird die Bevölkerung sinken. „Die Gegensätze des Havellandes erfordern unterschiedliche kulturpolitische Herangehensweisen“, zitierte Kämmerling aus dem vorgelegten Entwurf.

Im metropolenfernen Raum muss eine kulturelle Grundversorgung gewährleistet sein, die soll vor allem durch das Kulturzentrum Rathenow geleistet werden. Im Berlinnahen Raum sollen die Hauptstadt-Kulturmöglichkeiten durch Vor-Ort-Angebote ergänzt werden. Diese Orientierung rief den westhavelländischen SPD-Abgeordneten Rocco Buchta auf den Plan: Er fragte, warum im Westen nur die Grundversorgung möglich sei, man aber im reichen Osten, „da wo ein gutes Angebot ist“, noch mehr machen wolle. „Im Osten soll also die Vielfalt noch ausgebaut werden?“, fragt er skeptisch.

 Kämmerling verwies darauf, dass der Kreis für eine Fördergerechtigkeit eintrete. Falkensee und Rathenow sind durch die räumliche Entfernung nicht zu vernetzen, für beide Bereiche sollen Angebote unterbreitet werden. Und was das Fördern betrifft, so soll es künftig kein Gießkannenprinzip mehr geben, sondern die Konzentration auf konzept- und bedarfsorientierte Schwerpunkte. Dabei sei mitunter eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen sinnvoll, sagte Dezernent Andreas Ernst und nannte als Beispiel die künftige Nutzung des Blauen Hauses in Nauen.

Von Marlies Schnaibel

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