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Havelland Reizdarm – ein Thema, das viele Leute bewegt
Lokales Havelland Reizdarm – ein Thema, das viele Leute bewegt
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03:00 26.03.2017
Ein Operationsteam der Havelland-Kliniken bei der Arbeit. Quelle: Havelland-Kliniken
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Rathenow

„Was da im Darm alles unterwegs ist, welche Stoffe von was in welche Stoffe umgewandelt werden, wie die Zusammenwirkungen der einzelnen Bakterien oder Organismen sind...“. Stefan Lenz, Chefarzt für Chirurgie der Havelland-Kliniken, vollendet den Satz lächelnd: „Man weiß es nicht genau.“ Was die Mediziner in dem Zusammenhang aber genau wissen, teilt er mit, sei, dass das Interesse an dem Thema bei vielen Menschen groß ist. Andere Ärzte der Havelland-Kliniken und er haben schon eine Reihe von Vorträgen über gesundheitliche Themen gehalten, berichtet er. Als er selbst dann den Vortrag „Du und Dein Darm – Ein Organ wie ein Ozean“ angekündigt hatte, seien mehr als doppelt so viele Zuhörer wie sonst erschienen. Mehr als 50.

Stfan Lenz Quelle: Bernd Geske

Reizdarm sei ein spannendes Thema mit vielen Fragen, stellt der Mediziner fest. Kaum ein Betroffener rede in Gesellschaft gern drüber. Schließlich seien die Ausscheidungen im Laufe der Zivilisation in die unappetitliche Ecke verbannt worden. Nicht ganz sauber. An diversen alten Redewendungen sei indes zu erkennen, welch große Bedeutung das Geschehen im Magen-Darm-Bereich für die Menschen hat: Schiss haben, Schmetterlinge im Bauch oder Herz in die Hose gerutscht. „Nicht wenige Patienten denken, man glaube ihnen nicht, wenn sie mit Beschwerden zum Arzt kommen, aber längere Zeit nichts gefunden wird“, sagt Lenz.

Erwiesen sei, sagt der Arzt, dass die Psyche des Menschen den Darm beeinflusst. Der Darm beeinflusse aber auch die Psyche. „Dass der Darm ins Unbewusste hineinfunkt, muss man in unserer Gesellschaft, die mit Ausscheidungen nichts zu tun will, erst wieder ertragen lernen“, sagt Lenz. Er berichtet von einem Experiment: Mäusen, die auf ängstlich gezüchtet wurden, war der Darminhalt von Mäusen, die auf draufgängerisch gezüchtet waren, eingepflanzt worden. Siehe da, die ängstlichen Mäuse entwickelten Unternehmungsgeist.

„Wir haben den Darm noch nicht richtig verstanden“, resümiert Stefan Lenz, hat dann aber doch eine klare Botschaft für die interessierte Leserschaft. Frauen und Männer ab 50 sollten eine Darmspiegelung machen lassen, egal ob sie Beschwerden haben oder nicht. Bei so einer Untersuchung würden mögliche Polypen im Darm entdeckt, erklärt er. Sie könnten dann gleich entfernt werden und seien keine Gefahr mehr, sich bösartig zu entwickeln und eine Quelle von Darmkrebs zu werden. Bei den meisten Untersuchungen würden aber keine Polypen entdeckt, sagt der Chefarzt. Wenn aber doch, sei es wichtig, sie sofort abtragen zu können.

Weil gereizte Därme sehr viele Leute bewegen, hat das die Havelland-Kliniken zu einer Umgestaltung inspiriert. Wenn Menschen mit Darmbeschwerden in die Klinik kommen, berichtet Lenz, könne manchmal bis zu einer Lösung viel Zeit vergehen. Eine Diagnose sei oftmals nicht einfach.

So könne es geschehen, dass die Patienten vom Chirurgen zum Gastroenterologen, einem Spezialisten für den Magen-Darm-Trakt, geschickt werden. Wiederholte Untersuchungen und Befragungen könnten für die Patienten nicht selten zu einer Belastung werden. Deshalb wollen die Havelland-Kliniken ein Bauchzentrum gründen, in dem Chirurg und Gastroenterologe von Anfang an zusammen tätig werden und die Patienten es gleich und immer mit dem selben Team zu tun haben. „So können wir die Prozesse optimieren und eine wichtige Veränderung im Sinne unserer Patienten auf den Weg bringen“, sagt Lenz. Noch in diesem Jahr soll in der Rathenower Klinik eine solche Station eröffnet werden und 2018 werde in der Nauener Klinik ebenfalls eine Station eröffnet. So werde die Behandlungszeit verkürzt und Unsicherheit für die Patienten abgebaut.

„Die Enttabuisierung der Ausscheidungen hat aber schon begonnen“, hat der Chefarzt festgestellt. Menschen des öffentlichen Lebens sorgten dafür, dass das Wort „Arschloch“ salonfähig werde. Der SPD-Politiker Sigmar Gabriel habe „Arschloch“ auf Männer bezogen, die Frauen belästigen, und der Satiriker Jan Böhmermann bezeichne sich selbst als ein „Arschloch mit Herz“.

In Grimms Märchen „Tischlein deck dich“ scheiße der Esel Golddukaten, erinnert Stefan Lenz, das bedeute doch: Kot sei Gold. In vielen Mythen gelte die Kotausscheidung als schöpferische Kraft. Nicht nur entwickle sich neues Leben aus dem Kot, in der japanischen Mythologie entstünden sogar Götter daraus.

Von Bernd Geske

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