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Havelland Rettungsassistent hatte riesiges Glück
Lokales Havelland Rettungsassistent hatte riesiges Glück
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16:38 06.03.2018
Dieser Notarztwagen wurde bei einem Einsatz in der Nauener Waldsiedlung unter einem umgestürzten Baum begraben. Quelle: Julian Stähle
Havelland

„Ich hatte mehr Glück als Verstand“, sagte Rettungsassistent Dorian Tübel. Viel hätte nicht gefehlt und er wäre bei einem Einsatz während des schweren Sturms am Donnerstag zumindest schwer verletzt worden. Gegen 17 Uhr wurde der 28-Jährige gemeinsam mit dem Notarzt zu einem Patienten in der Nauener Waldsiedlung gerufen. Kurz nach der Ankunft kam er wieder aus dem Haus, wollte per Digitalfunk Kontakt mit Rettungswagen in der Gegend aufnehmen und setzte sich dazu hinters Lenkrad. „Da hörte ich es plötzlich knacken.“ Tübel drehte sich um, sah im Augenwinkel einen Schatten. „Ich warf mich sofort mit dem Oberkörper auf den Beifahrersitz.“ Keine Sekunde zu früh. Mit lautem Krachen stürzte ein Baum aufs Auto, presste das Dach bis aufs Lenkrad. Reflexmäßig drückte der Rettungsassistent den Notfallknopf und weiß immer noch nicht so recht, wie er danach über die Beifahrerseite aus dem Fahrzeug gekommen ist. „Ich hätte nicht gedacht, dass eine so große Eiche entwurzelt werden könnte“, meinte er. Außer ein, zwei Kratzern trug er keine Verletzungen davon und konnte am Freitag auch schon ein wenig darüber lachen.

Nicht lachen kann Bernd Becker. Der 52-Jährige steht kurz vor dem Umzug

Bernd Becker vor seinem nagelneuen Haus in Brieselang, auf das ein Baum gefallen ist. Quelle: Julian Stähle

mit seiner Familie von Berlin nach Brieselang. Das neu gebaute Einfamilienhaus in der Langen Straße ist fertig. „Am Donnerstagabend erreichte mich der Anruf einer Nachbarin. Da ahnte ich schon, was passiert ist“, sagte er gegenüber der MAZ. Ein großer Alleebaum war entwurzelt worden und seitlich auf sein Haus gekippt. „Noch weiß ich nicht genau, wie groß der Schaden ist. Die Baumkrone liegt auf dem Dach.“ Die Brieselanger Feuerwehr wollte noch am Freitagabend den Baum absägen.

In Brieselang waren vom Sturm besonders der Forstweg zum Friedhof, die Lange Straße, die Pappelallee und die Finkenkruger Straße betroffen. Dabei wurden nicht nur ältere Bäume entwurzelt, sondern auch junge. Selbst Eichen haben dem Sturm, der teilweise mit bis zu 131 km/h unterwegs war, nicht standgehalten. Eine Firma begann noch am Donnerstagabend mit der Beseitigung der umgestürzten Bäume. Bis der letzte Baum weggeräumt ist, wird es wahrscheinlich bis zu 14 Tagen dauern, schätzt Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU). „Der Bauhof hat am heutigen Tage begonnen, das Geäst auf den Straßen und den Nebenanlagen zu beseitigen“, so Garn. Ab Montag werden die Mitarbeiter dabei von einer Firma unterstützt.

In Brieselang wurden etliche Bäume entwurzelt. Quelle: Julian Stähle

Im Bereich der Stadt Ketzin/Havel waren Freitag die Aufräumarbeiten in vollem Gange. „Der Radweg zwischen Ketzin und Zachow ist noch mit großer Vorsicht zu befahren, weil viele Äste herunterhängen“, sagt Ortswehrführer Steffen Vogeler.

Rund 100 Einsätze verzeichnete die Nauener Feuerwehr allein am Donnerstag. Einsatzschwerpunkt war die B 273 zwischen der Bahnbrücke und der Autobahnauffahrt. Dort lagen 49 Bäume quer über der Straße – nicht gezählt jene, die auf den Radweg fielen oder aufs Feld. Die Kettensägen heulten ohne Pause. „Allein zwischen Kanalbrücke und dem Weinberg waren es 16 Bäume. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Stadtwehrführer Jörg Meyer. Mehrere Autos wurden unter Stämmen begraben und dabei zwei Menschen leicht verletzt. Zudem lagen etliche Bäume in den Ortsteilen auf der Straße.

Deutliche Spuren hat der Sturm in der Döberitzer Heide hinterlassen.

Auch in der Döberitzer Heide wird es noch eine Weile dauern, bis alle Schäden beseitigt sind. Quelle: Tanja M. Marotzke

Hunderte Bäume seien umgekippt oder beschädigt worden, sagte die Sprecherin der Sielmann-Stiftung Elisabeth Fleisch. „Es wurde aber kein Wanderer und auch niemand vom Personal verletzt.“ Ebenso unbeschadet haben die Wisente und Wildpferde in der Heide den Orkan überstanden. „Wir sind froh, dass alle Zäune gehalten haben, also auch keine Tiere ausbrechen konnten“, sagte Elisabeth Fleisch. Um die Wanderwege wieder komplett freizubekommen, wird seit Freitagvormittag ein Harvester eingesetzt. Es könne deshalb noch zu kurzzeitigen Sperrungen einiger Wege kommen. Grundsätzlich aber ist der Besucherverkehr nicht eingeschränkt.

34 eigene Einsätze zählte die Dallgow-Döberitzer Wehr, ganze 120 Einsätze

Umgestürzte Bäume in Brieselang. Quelle: Julian Stähle

hat die Falkenseer Feuerwehr im Stadtgebiet bis Freitagmorgen um 3 Uhr bestritten, teils mit Unterstützung von Ketziner und Dallgower Kameraden. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, Äste und Baumkronen abgeknickt. Manche fielen auf Gebäude und Autos. „Um 16.01 Uhr wurde die Feuerwehr Falkensee erstmals zu einem Unwettereinsatz alarmiert“, sagte Stadtbrandmeister Daniel Brose. Wegen der Orkanböen bleibt der Sportpark Rosenstraße in Falkensee bis einschließlich Montag gesperrt, teilte die Stadtverwaltung mit.

„Das Ausmaß der Zerstörungen im gesamten Landkreis war enorm. Alle Wehren des Landkreises Havelland waren daher gestern bis in die Nachtstunden im Einsatz und sind es auch heute noch, um Sturmschäden zu beseitigen“, sagte am Freitag Kreisbrandmeister Lothar Schneider. Bis 9.15 Uhr wurden bis zu 300 Einsätze für den Landkreis Havelland gemeldet, teilte er mit. Vor allem Rathenow, Nauen, Brieselang, Falkensee und das Amt Friesack seien betroffen gewesen.

Von Andreas Kaatz und Jens Wegener

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