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Rettungsdienst braucht oft länger

Havelland Rettungsdienst braucht oft länger

Der Rettungsdienst im Havelland erreicht derzeit nur in 88 Prozent der Fälle innerhalb der gesetzlich vorgeschrieben Hilfsfrist von 15 Minuten den Patienten. Grund für die Verspätungen ist zum einen die gestiegene Zahl an Einsätzen. Zum anderen erfolgt wegen der „Nächste-Fahrzeug-Strategie“ ein Teil der Einsätze außerhalb des Landkreises.

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Rushhour an der Nauener Rettungswache.

Quelle: Andreas Kaatz

Havelland. Noch im Jahre 2014 lag der Rettungsdienst des Landkreises Havelland bei der Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfristen in der Spitzengruppe der Landkreise und kreisfreien Städte. In knapp 96 Prozent der Fälle waren die Helfer innerhalb von 15 Minuten beim Patienten. Momentan jedoch ist diese Quote auf 88 Prozent gesunken, teilte der Kreis-Beigeordnete Henning Kellner im Kreisausschuss für öffentliche Sicherheit mit.

Dafür sieht er neben einer stark gestiegenen Zahl an Einsätzen unter anderem einen Grund: „Das Problem ist, dass die Fahrzeuge aus dem Kreis herausfahren.“ So werde der Friesacker Rettungswagen sehr häufig zu Einsätzen in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin (OPR) beordert. Die Retter führen dann dort die Erstversorgung durch. So weit, so gut. Laut Kellner komme es aber anschließend häufig vor, dass der Notarzt verfügt, dass der Patient von den Friesackern etwa ins Krankenhaus nach Neuruppin transportiert wird. Und auf der Rückfahrt schickt ihn möglicherweise die Leitstelle gleich weiter zu einem anderen Einsatz im Nachbarkreis, weil der Rettungswagen gerade in der Nähe ist.

Tritt in dieser Zeit aber ein Notfall im Raum Friesack auf, muss der Rettungswagen aus Nauen sich auf den Weg machen. Der aber benötigt rund eine halbe Stunde, bis er am Einsatzort ist. „Es kommt im Jahr etwa 100 Mal vor, dass der Rettungswagen fünf bis sechs Stunden außerhalb des Kreises unterwegs ist“, sagt Kellner, der keinesfalls falsch verstanden werden will. „Der Ersteinsatz ist unbedingt notwendig, der Mensch steht im Mittelpunkt“, betonte er. Allerdings müsste danach ein Rettungswagen aus dem Nachbarkreis den Transport nach Neuruppin übernehmen. Darüber hinaus werden immer wieder Havelländer Rettungswagen nach Berlin gerufen.

Das Grundproblem sieht Kellner derzeit in der Auslegung der so genannten „Nächstgelegene Fahrzeug-Strategie“, die etwa seit zwei Jahren gelte und für die das Land zuständig sei. Hierbei müsse sich etwas ändern. Allein im Vorjahr wurden die Rettungswagen zu 433 Einsätzen nach OPR gerufen, in der Gegenrichtung waren es lediglich rund 130 Einsätze.

„Fest steht: Wir wollen wieder zu den 96 Prozent hin“, sagt Kellner. Und so ist jetzt geplant, in den nächsten drei Jahren fünf neue Rettungswagen anzuschaffen, um die Hilfsfristen besser einhalten zu können. Kurzfristig wird in der neu geschaffenen Rettungswache in Falkensee in der Schönwalder Straße ab 1. Oktober ein Reservefahrzeug stationiert, das erst einmal am Tage zum Einsatz kommt, ab 1. Januar 2018 dann rund um die Uhr. Jeweils ein weiteres Fahrzeug soll später noch in Nauen und Rathenow den Rettungsdienst verstärken sowie in Brieselang und Premnitz. Die Beschaffung der Fahrzeuge sei laut Kellner nicht das große Problem. Schwieriger sei es, qualifiziertes Personal zu bekommen. So wären etwa 35 neue Mitarbeiter nötig.

Mit den Investitionen will der Landkreis auch der gegenüber 2014 um etwa 50 Prozent gestiegenen Zahl an Einsätzen Rechnung tragen. Dies resultiert unter anderem aus der zuletzt stark gestiegenen Einwohnerzahl.

Von Andreas Kaatz

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