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Rhinows Ehrenbürgerin wird 90

Rhinow Rhinows Ehrenbürgerin wird 90

Ruth Fleischmann, seit 2006 Ehrenbürgerin von Rhinow, feiert am 11. September ihren 90. Geburtstag und blickt dabei zurück auf ein erfülltes Leben. Viele kennen sie als Lehrerin, Mitglied des Heimatvereins und Ortschronistin. Geboren und aufgewachsen ist Ruth Fleischmann aber fernab des Havellandes.

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Ruth Fleischmann feiert am 11. September ihren 90. Geburtstag.

Quelle: Foto: Ch. Schmidt

Rhinow. Die meisten Menschen, über die man viel spricht oder schreibt, sind bekannt, weil sie öffentlichkeitswirksam Großes geleistet haben – im positiven wie im negativen Sinne. Die stillen Guten, die sich durch ihre herzliche Art und uneigennütziges Engagement auszeichnen, bleiben viel zu oft im Hintergrund. Auch Ruth Fleischmann gehört zu jenen, die nicht viel Aufhebens um ihre Person machen und dennoch dürfte sie sehr vielen Rhinowern bekannt sein.

Zum einen weil sie als Lehrerin über 30 Jahre den Rhinower Nachwuchs auf das Leben vorbereitet hat, zum anderen weil sie als fleißige Ortchronistin der Kleinstadt zahlreiche Broschüren und Texte schenkte, in der die Geschichte Rhinows für die Nachwelt festgehalten ist. Für dieses Engagement wurde Ruth Fleischmann vor zehn Jahren zur Ehrenbürgerin der Stadt ernannt – eine Auszeichnung, die ihr sehr viel bedeutet. Am 11. September feiert sie ihren 90. Geburtstag. Höchste Zeit also einmal öffentlichkeitswirksam von Ruth Fleischmann zu erzählen – wenngleich ihr so viel Rummel um die eigene Person äußerst unangenehm ist.

Von Polen ins Havelland

Zurückhaltend, bescheiden, warmherzig – all das sind Eigenschaften, die Ruth Fleischmann recht gut beschreiben. Eine zierliche Frau mit lieben Augen, zarter Stimme und wachem Verstand, die glücklich ist, wenn sie andere glücklich machen kann. Geboren wurde sie 1926 in Lodz, die drittgrößte Stadt Polens. Wenn sie von ihrer Kindheit in Lodz erzählt, dann verraten ihre Augen, es war eine glückliche Zeit. Ihr Vater arbeitete als Buchhalter und Kassierer, die Mutter war Hausfrau und Ruth Einzelkind.

Mit einem Lächeln erinnert sie sich an das moderne Deutsche Gymnasium, das sie besuchte, an ihre Eltern und unbeschwerte Tage, die mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges jäh endeten. Die Familie mussten die Heimat verlassen und fanden in Rathenow ein neues Zuhause, wo sie eine Wohnung in der Friedrich-Engels-Straße bezog. Ruth ließ sich zur Lehrerin ausbilden. „Eigentlich wusste ich bis zuletzt nicht, was ich werden wollte. Der Lehrerberuf ergab sich dann kriegsbedingt, aber ich habe es nie bereut,“ sagt die 90-Jährige.

Eine Lehrerin mit Leib und Seele

Nach ihrer Ausbildung wurde sie zur Dorfschule nach Spaatz delegiert, wo sie sich anfangs allein um 120 Schüler kümmern musste, darunter viele Flüchtlinge, die Ähnliches erlebt hatten wie die junge Frau aus Lodz. „Die ersten Jahre waren sehr hart“, sagt Ruth Fleischmann und denkt dabei nicht nur an die neuen Lebensumstände. Es gab kein Lehrmaterial, nur einen Raum, zu wenig Personal. Unterrichtet wurde im Schichtsystem vormittags und nachmittags, um allen Schülern Bildung zu ermöglichen. Trotz widriger Umstände belegte sie neben der Arbeit ein Fernstudium in Biologie und Deutsch und war damit war bald für die Dorfschule überqualifiziert.

1956 wurde sie nach Rhinow versetzt, wo sie sechs Jahre später mit Mutter und Tante hinzog – ihr Vater war bereits 1946 gestorben. Bis 1988 unterrichtete Ruth Fleischmann und wer mit ihren ehemaligen Schülern spricht, weiß, sie war als Lehrerin sehr beliebt und geschätzt. Eigene Kinder hat sie nicht. „Ich hatte ja immer ganz viele Kinder“, erklärt sie mit einem Lächeln.

„Man staunt ja, dass man so alt geworden ist“

In Rhinow fühlt sie sich noch immer wohl, wenngleich sie hier keine Verwandten hat. Umso so wichtiger sind ihr Freunde. Sie ist froh, trotz ihres hohen Alters noch in den eigenen vier Wänden zu leben. Ihre Heimatstadt Lodz besuchte Ruth Fleischmann nach dem Krieg nur ein einziges Mal, für weitere Besuche waren die Erinnerungen zu schmerzlich. Stattdessen reiste sie durch Europa. „Norwegen hat mir besonders gut gefallen“, schwärmt die Jubilarin. Auch die Normandie, Italien, Spanien und Moskau hat sie gesehen. Was sie sich nun noch wünscht, ist „Gesundheit – und noch ein bisschen schöne Zeit“.

Etwa 40 Gäste werden mit ihr feiern. Ein wenig nervös sei sie schon. „Man staunt ja, dass man so alt geworden ist“, gesteht Ruth Fleischmann. Bis auf die letzten zwei Jahre ging es ihr gesundheitlich auch immer gut. „Ich bin glücklich, dass mein Kopf so gut funktioniert, auch die Beine wollen noch.“

Von Christin Schmidt

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