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Havelland Ribbecker Regenwurmwelt
Lokales Havelland Ribbecker Regenwurmwelt
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00:30 27.11.2015
Peter Kaim (l.) und Johannes Funke vom Kreisbauernverband kontrollieren die Bodenbeschaffenheit.
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Ribbeck


„Nitratbelastetes Brunnenwasser im Raum Falkensee. Und wer ist wieder schuld – die Bauern.“ Der Ribbecker  Landwirt Peter Kaim ist sauer, weil es sich die Umweltschützer aus seiner Sicht zu einfach machen, wenn sie  die zu hohen Nitratwerte nur auf Düngemittel zurückführen. „Der Boden ist das Kostbarste, der wichtigste Produktionsfaktor, den landwirtschaftliche Betriebe haben. Außerdem sind die Düngemittel heute so teuer, dass niemand mehr einsetzt als unbedingt nötig. Das wäre ökonomisch sonst gar nicht durchzuhalten“, sagt der Geschäftsführer der Havellandhof Ribbeck GbR.     

 Nicht nur, weil  2015 das internationale Jahr des Bodens ist, sondern aus Überzeugung wendet Peter Kaim  für überwiegende Teile seiner 620 Hektar Ackerflächen bereits seit mehreren Jahren eine besondere Form der Bewirtschaftung an: Verzicht und grüne Brücke sind die Schlagworte. In der Fachsprache heißt das konservierende Bodenbearbeitung, die zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes durch die Landwirtschaft beiträgt. Einfach gesagt: Es wird nach einer Ernte nicht  umgepflügt. „Wir lassen zwischen den Fruchtfolgen möglichst immer etwas Grün oder organische Masse auf den Feldern stehen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Regenwürmer können sich so besser ernähren und sorgen dafür, dass Humus aufgebaut wird“, erklärt Kaim.

Solch eine Regenwurmwelt, wie er es nennt, ist beispielsweise auf einem Acker in der Nähe des Marienhofes in Ribbeck entstanden.  2000 Kilogramm Regenwurm pro Hektar leben dort, der Humusgehalt liegt  bei fünf Prozent, normal sind zwischen 1,5 und 4 Prozent. Mit dem Ergebnis, „dass die Flächen bei Trockenheit besser durchhalten und stabile Ernten bringen“, sagt Kaim.

 Diese Erfolge resultieren aus viel Innovationsmut und kommen nicht ohne finanzielles Risiko zustande.  Es bedarf intensiver Bodenuntersuchungen und Messungen, die kostenintensiv sind. Außerdem hänge diese Art der Bodenbewirtschaftung natürlich vom Standort und der Bodenbeschaffenheit ab. „Wir merken das ja schon, weil einige unserer Flächen im Havelländischen Luch liegen und fruchtbarer sind als die, die auf der südlichen Seite der B 5 liegen“, so der Experte.

 Zugute kommt den Landwirten bei der Düngung heute die moderne Technik. Das heißt, wenn die Böden vorher untersucht und eingestuft sind – der Fachmann nennt das Stickstoffbilanz –  kann der Landwirt der Maschine sagen, wie viel Körner an welcher Stelle eines Schlages in den Boden kommen. Deshalb ist Peter Kaim sicher, dass die Bauern nicht allein für die zu hohen Nitratwerte verantwortlich sind. „Wer seine Flächen völlig überdüngt, sind die privaten Gartenbesitzer. Nach dem Motto ’viel hilft viel’ streuen sie in den Kleingartenanlagen oft alles aus, was im Gartenmarkt zu kaufen ist.“ Auf 90 bis 95 Prozent der Gartenböden liege  zu viel Dünger.

 Bei den Landwirten sei so etwas  gar nicht möglich. „Wer EU-Fördermittel –  also umweltorientierte Hektarprämien –   bekommt, müsse sich pro Jahr mehreren Kontrollen unterziehen“, weiß der Ribbecker.  Unter anderem werde dann die jährliche Düngemittelbilanz unter die Lupe genommen.

Von Jens Wegener

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