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Richart-Hof: Scheunenfassade wieder wie neu

Nauen Richart-Hof: Scheunenfassade wieder wie neu

Die Stadt Nauen saniert derzeit den denkmalgeschützten Richart-Hof in der Altstadt. Dort soll später eine Touristeninformation einziehen. Allerdings wird sich die Fertigstellung verzögern. Zwar erstrahlt die Fassade der einstigen Scheune wieder wie neu, jedoch musste das frühere Wohnhaus bis auf das Erdgeschoss abgerissen werden.

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Nachdem die Fassade am Stall- und Scheunengebäude gereinigt worden ist, muss sie jetzt neu verfugt werden.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. In einem völlig neuen Farbton präsentiert sich jetzt die Fassade des Richart-Hofes an der Gartenstraße in Nauen. Mit einem sanften Strahlreinigungsverfahren haben die Bauleute den jahrhundertealten Schmutz von den Ziegeln geholt, die nun deutlich heller wirken. Überrascht von dem Ergebnis ist auch Sigrid von der Heiden vom Sanierungsträger Stadtkontor: „Ich hätte auch nicht gedacht, dass letztlich so viel gelb dabei ist. Es ist gut gelungen. Jetzt wird die Fassade verfugt.“ Nur wenige gebrochene Steine mussten ausgetauscht werden.

Seit einigen Monaten saniert die Stadt den früheren Hof des letzten Nauener Ackerbürgers Hans-Joachim Richart. Ein Anlaufpunkt für Touristen, aber auch für die Vereine soll entstehen. Kleinere Veranstaltungen sind dort geplant. Ursprünglich war vorgesehen, dass das komplette Ensemble im September seiner Bestimmung übergeben werden kann. Daraus wird nun wohl nichts. Den Grund dafür entdeckt man am anderen Ende des Hofes – an der Neue Straße. Vom ehemaligen Wohnhaus – ein Fachwerkbau – existiert seit wenigen Wochen nur noch die Fassade im Erdgeschoss. Das war nicht geplant, kostet Zeit.„Wir werden jetzt bis Ende des Jahres brauchen“, sagt Sigrid von der Heiden.

Dass der Giebel des Wohnhauses zur Straße hin im Laufe der Zeit einen Linksdrall entwickelt hatte, war schon länger bekannt. Nach einigen Untersuchungen wurde aber auch deutlich, dass die vorherigen Besitzer irgendwann mit teils untauglichen Mitteln versucht hatten, das Fachwerkhaus zu stabilisieren. Selbst Eisenbahnschienen kamen zum Einsatz. „Das Haus war irgendwie zusammengezurrt.“

Holzgutachter und Statiker stellten zudem fest, dass der Dachstuhl wegen zahlreicher Schäden in der Konstruktion nicht zu halten ist. „Die Geschossdecke im Dachgeschoss können wir nicht retten, das war schnell klar. Das Herz hatte mir dann aber geblutet, als sich herausstellte, dass wir auch die Geschossdecke über dem Erdgeschoss nicht erhalten können“, sagt die Mitarbeiterin von Stadtkontor. Die Balken der Deckenkonstruktion waren falsch eingebaut, hätten die zu erwartenden Lasten nicht tragen können. Eine Sanierung im eingebauten Zustand ließ sich nicht bewerkstelligen. Außerdem erwiesen sich 70 bis 80 Prozent der Hölzer im Fachwerk des Obergeschosses als nicht mehr wiederverwendbar. Am Ende blieb laut Stadtkontor nur ein Baustopp und der geordnete Abriss.

Trotz dieser unangenehmen Überraschungen werden sich die Baukosten im vorgesehenen Rahmen bewegen, hofft Sigrid von der Heiden. „Die eigentlich geplante Sanierung wäre auch aufwendig gewesen. Nun müssen wir zwangsweise den leichteren Weg gehen und alles neu aufbauen“, sagt sie. Dazu war das Obergeschoss des Denkmals vor dem Rückbau genau dokumentiert worden. Die Fachwerkkonstruktion soll wieder so errichtet werden wie zur Entstehungszeit des Gebäudes. Zuvor hatte man alle originalen Fenster- und Türelemente aus dem Obergeschoss sichergestellt. Sie sollen nun vor dem erneuten Einbau überarbeitet werden. Auch die historischen Dachziegel kommen wieder auf die Gebäude.

Zudem hofft Sigrid von der Heiden, dass zumindest das ehemalige Stall- und Scheunengebäude an der Gartenstraße im September/Oktober fertig sein könnte. Möglicherweise kann die Touristeninformation dann schon eröffnet werden. „Das müssen wir aber erst prüfen“, sagt sie. Die Arbeiten an dem Gebäude schreiten indes voran, nicht nur an der Fassade. So ist beispielsweise auch schon der Fahrstuhl eingebaut. Zudem hat man auch die historischen Details im Blick. So konnten zwei Stahlstützen eingebaut werden, die nach dem Vorbild der verrosteten Originale neu angefertigt worden sind.

Der Richart-Hof ist der einzige noch erhaltene Vierseitenhof in der Nauener Altstadt. Der mittlerweile verstorbene Hans-Joachim Richart hatte dort noch bis vor wenigen Jahren gewohnt. Er trug im Laufe der Jahre eine Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte sowie hauswirtschaftlicher Dinge aus früheren Zeiten zusammen. Ein Teil davon soll künftig in den Nebengebäuden nach Fertigstellung des Hofes zu besichtigen sein. Die Stadt Nauen will im Richart-Hof außer der Touristeninformation und dem Ausstellungsbereich ein Museumscafé und -shop und einen kleinen Veranstaltungssaal mit 50 bis 70 Sitzplätzen einrichten. Im Wohnhaus findet das Heimatarchiv Platz.

Die Kosten für das Projekt betragen insgesamt knapp 1,4 Millionen Euro, davon sind 938 000 Euro Städtebaufördermittel. Der Eigenanteil der Stadt beläuft sich auf 447 000 Euro.

Von Andreas Kaatz

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