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Rohrbeck: Ein Dorf der starken Frauen

MAZ-Serie Rohrbeck: Ein Dorf der starken Frauen

Rohrbeck – ein kinderreicher Ortsteil mit einer 700-jährigen Geschichte, einer starken Kirchengemeinde, Sinn für Kultur und einem Verkehrsproblem. MAZ war in dem Dallgower Ortsteil unterwegs und hat sich umgehört, wie das Leben hier so spielt und was die Bewohner bewegt.

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Elisabeth Fleisch und Christel Waeder (v.l.) vor dem Rohrbecker Gemeindehaus.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Rohrbeck. Sonnenstrahlen schieben sich vereinzelt durch die dichten Wolken und erleuchten die Dorfkirche, die auf dem kleinen Hügel in Rohrbecks Mitte thront. Beim Durchfahren des historischen Ortsteils am Rande von Dallgow-Döberitz fallen liebevoll restaurierte Altbauten und Gehöfte auf, der Alte Olympischen Dorfkrug ist nur noch an den fünf olympischen Ringen zu erkennen, die über der Eingangstür angebracht sind. Schon vor Jahren wurde er, nachdem er als Gaststätte, Konsum oder Kindergarten genutzt wurde, zu einem Wohnhaus umfunktioniert.

Konzerte für die Kirche

Vor der ehemaligen Schule, die heute als Gemeindehaus dient, unterhalten sich Elisabeth Fleisch und Christel Waeder angeregt über die neue Farbgestaltung im Innenraum der denkmalgeschützten Kirche „Seit 2009 ist hier viel passiert“, so Fleisch, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. „Damals haben wir begonnen, Spenden für die Sanierung der Kirche zu sammeln, denn viele Sanierungsarbeiten hatte die Kirche aus eigenen Mitteln und mit ehrenamtlichen Einsatz bewältigt. Das Budget war erschöpft“, erinnert sich Fleisch, die 2005 mit ihrer Familie nach Rohrbeck kam. Der 2009 gegründete gemeinnützige Förderkreis veranstaltet seither mehrere Konzerte im Jahr, deren Einnahmen in die Sanierung der Kirche fließen und konnte bis heute über 30 000 Euro an Spendengeldern sammeln. „Die Kirche ist Rohrbecks Mittelpunkt und ein verbindendes Element. Hier finden alle Veranstaltungen statt und selbst Leute, die nicht unbedingt gläubig sind, kommen regelmäßig, um Teil der Dorfgemeinschaft zu sein“, so Christel Waeder, die seit ihrer Geburt in Rohrbeck Zuhause ist. „2013 haben wir anlässlich des 700-jährigen Dorfbestehens ein riesiges Fest veranstaltet. Das gesamte Dorf war auf den Beinen, hat mitgeholfen und gemeinsam gefeiert“, so Waeder.

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Der kleine Ortsteil Rohrbeck liegt am Rande von Dallgow-Döberitz. Das kinderreiche Pferdedorf hat eine 700-jährige Geschichte, eine denkmalgeschützte, größtenteils sanierte Dorfkirche sowie eine starke Kirchengemeinde. Nur die eigene B5-Ausfahrt und der Verbindungsweg zwischen Rohrbeck und Elstal bringen Probleme mit sich.

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Neben der Rohrbecker Kirche ist auch das Gemeindehaus ein Ort, an dem die Dorfgemeinschaft zusammenkommt. „Regelmäßig trifft sich hier der Posaunenchor. Kinovorführungen für Kinder- und Jugendliche werden ebenfalls angeboten“, so Fleisch. Der Handarbeitskreis ist seit zwei Jahren ebenfalls eine feste Institution. Ins Leben gerufen wurde er von Heike Buckenauer aus Dallgow. „Wir treffen uns jeden Montag von 16 bis 18 Uhr zum gemeinsamen Stricken, Häkeln, Nähen, Filzen oder Basteln. In der Gruppe macht das einfach viel mehr Spaß“, so Buckenauer. Jeder hat eigene kleine Projekte und gibt sein Wissen gerne weiter. „Von uns wohnt zwar keiner direkt in Rohrbeck, aber ganz in der Nähe in Dallgow oder Falkensee. Interessierte sind jederzeit willkommen – egal ob aus Rohrbeck, Dallgow oder Falkensee.“

Ein Hof der Generationen

Aus ihrem Heimatort wegzuziehen, darüber hat Christel Waeder nach der Wende zwar nachgedacht, den großelterlichen Hof aufzugeben hätte sie jedoch nicht übers Herz gebracht. „Meine Familie hat ihr Leben lang so viel Arbeit in den Hof gesteckt. Ich konnte mich nur fürs Bleiben entscheiden“, so die 60-Jährige, die den Hof von ihrer Mutter erbte. „Das war in Rohrbeck eigentlich schon immer so, dass die Töchter die Höfe bekamen. Männer haben eingeheiratet – ein Dorf der starken Frauen eben“, lacht Waeder.

Nachdem Rohrbeck im 19. Jahrhundert dank der neuen Bahnverbindung und der Errichtung des Truppenübungsplatzes einen Aufschwung erlebte, war es damit nach dem Zweiten Weltkrieg schlagartig vorbei. Die neu errichteten Höfe verfielen, viele Bauern verließen das Dorf. Graue Häuser, viel Leerstand und zerfahrene Panzerstraßen prägten Rohrbecks Straßenbild in der frühen Nachwendezeit. Der Zuzug in den 1990er Jahren brachte junge Familien in den Dallgower Ortsteil und bis heute bleibt Rohrbeck ein kinderreiches Dorf. Die drei florierenden Pferdehöfe und die neue Pferdeklinik ziehen Pferdebesitzer und Reitschüler an und bringen Leben nach Rohrbeck. „Wir sind ein richtiges Pferdedorf. Ich reite, wann immer ich Zeit habe“, so Elisabeth Fleisch. „Die Natur in und um Rohrbeck ist faszinierend. Die Sonnenuntergänge sind einmalig, Kraniche und Wildgänse lassen sich besonders gut beobachten.“

Der Storch bringt den Frühling

Sogar ein Storchenpaar sucht den Ortsteil seit Jahren heim und bezieht den Horst auf dem Schornstein der alten Schmiede, die zu DDR-Zeiten zur Kerzenfabrik umfunktioniert wurde. „Wenn der Storch nach Rohrbeck kommt, zieht mit ihm der Frühling ein“, so Christel Waeder. Dann beginnt wieder die Zeit, in der Familie Emmrich am Wochenende den kleinen Verkaufsstand in Rohrbecks Zentrum aufbaut und Kartoffeln, Saisongemüse sowie Blumen verkauft. „Meine Kinder machen das seit Jahren auf Vertrauensbasis. Ich habe aber immer ein Auge auf den Stand, den ich von meinem Fenster aus perfekt im Blick habe“, erzählt die gebürtige Rohrbeckerin Doris Emmrich und beobachtet über ihre Stiefmütterchen hinweg die Straße. „Und nicht nur Rohrbecker kaufen bei den Emmrichs. Viele Leute aus Dallgow und den umliegenden Gemeinden halten ebenfalls an“, sagt Christel Waeder.

Dass der Verkehr stark zugenommen hat, betrachten die Dorfbewohner mit Sorge. „Teilweise sind keine vernünftigen Fußgängerwege vorhanden. Das ist vor allem auf der neuen Straße zwischen Rohrbeck und Elstal ein Problem“, so Waeder. Die Straße, die 2014 eigentlich für den langsam fahrenden Verkehr, also Traktoren, Mopeds und langsame Autos, freigegeben worden ist, wurde seitdem als Abkürzung und Raserstrecke immer beliebter. Und auch die eigene B5-Auffahrt beschert dem Dorf mehr Durchgangsverkehr. „Immer noch sieht man Lastwagen über 7,5 Tonnen durch Rohrbeck brettern. Eigentlich ist das nicht mehr erlaubt“, sagt Elisabeth Fleisch. Mit der Bahnanbindung von Dallgow nach Berlin sind die beiden kulturbegeisterten Rohrbeckerinnen hingegen vollauf zufrieden.

Von Laura Sander

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