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Rosemarie Köhn soll Ehrenbürgerin werden

Debatte um Ex-Bischöfin Rosemarie Köhn soll Ehrenbürgerin werden

Die 1939 in Rathenow geborene Rosemarie Köhn, die von 1993 bis 2006 Bischöfin in der norwegischen Stadt Hamar war, soll Rathenower Ehrenbürgerin werden, sagt Heinz-Walter Knackmuß, der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. 2011 war er mit diesem Antrag erfolglos geblieben, jetzt will er einen zweiten Anlauf unternehmen.

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Bischöfin Rosemarie Köhn (2. von rechts) mit dem norwegischen König Harald V. und Königin Sonja.

Quelle: privat

Rathenow/Hamar. Heinz-Walter Knackmuß, der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, will einen neuen Anlauf unternehmen, damit Rosemarie Köhn doch noch zur Ehrenbürgerinen der Stadt Rathenow wird. Vor fünf Jahren hatte er schon einmal einen ersten Anlauf gewagt, war aber erfolglos geblieben. „Bürgermeister Ronald Seeger hat damals meinen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) gar nicht zur Abstimmung gebracht“, blickt er zurück und betont: Aus seiner Sicht sei die 800-Jahr-Feier der Stadt genau der richtige Rahmen, jetzt endlich die aus seiner Sicht total überfällige Ehrung vorzunehmen.

„Rosemarie Köhn ist weltweit die zweite Frau der evangelischen Kirche gewesen, die Bischöfin wurde“, erklärt Heinz-Walter Knackmuß, „noch dazu wurde sie in Rathenow geboren und eingeschult.“ Bereits bei seinem ersten Anlauf 2011 hatte er ihre Biografie und den beruflichen Werdegang der Stadt zugeleitet. Ihr Vater, der Rathenower Optiker Karl Max Willy Köhn, hatte ihre Mutter Eva Mathilde Sörlle bei einem Besuch in Norwegen kennen gelernt.

Weltweit die zweite Frau in der evangelischen Kirche

Beide heirateten im März 1939 im Nidarosdom von Trondheim, danach zogen sie nach Rathenow. Hier kam Rosemarie Köhn am 20. Oktober 1939 auf die Welt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Vater in amerikanischer Gefangenschaft saß, ging ihre Mutter mit ihr nach Norwegen zurück. Sie erhielt nur eine Einreiseerlaubnis, nachdem sie sich von ihrem deutschen Ehemann losgesagt hatte.

Von 1993 bis 2006 war Rosemarie Köhn als erste Frau in Norwegen Bischöfin von Hamar. Nach der Wende 1990 hat sie wiederholt Rathenow als Stadt ihrer Geburt besucht und ist Mitglied des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche geworden. „Es ist schön zu erleben“, hat sie hier 2011 bei einem Besuch ins Gästebuch geschrieben, „dass die Kirche wieder aufgebaut worden ist. Ich kann mich noch erinnern, wie damals die Kirche brannte.“ Ihre Mutter habe immer gesagt, dass damit die Hoffnung verschwand. Nun sei das Zeichen der Hoffnung wieder zurück.

13 Jahre lang Bischöfin in Norwegen

Als Bischöfin sei Rosemarie Köhn bekannt für ihre Toleranz gewesen, berichtet Heinz-Walter Knackmuß. Als 1999 eine Pastorin ihre Partnerin geheiratet habe, hatte die Synode ihr das Recht zu predigen entzogen. Gegen alle Widerstände habe Rosemarie Köhn ihr doch dieses Recht gewährt. 2002 habe sie zum ersten Mal in der Landeskirche Norwegens einen homophilen Pfarrer ins Amt eingesetzt. Sie trage die Verantwortung für die liberalen Traditionen der Toleranz im Bistum Hamar „mit liebevoller Würde“. 2004 erhielt Rosemarie Köhn vom norwegischen König den Sankt-Olav-Orden.

„Wenn es um die Ehrenbürgerschaft der Stadt geht“, findet Heinz-Walter Knackmuß, „wird immer gefragt, was hat dieser Mensch für Rathenow getan?“ Wenn er sich die Liste der ihm bekannten Ehrenbürger ansehe, könne er nicht bei allen auf den ersten Blick erkennen, was diese Gutes für Rathenow geleistet haben. Es gebe bisher mit Erika Guthjahr nur eine Frau unter den Ehrenbürgern, merkt er an. Es würde eine Ehre für die Stadt sein, die weltberühmte Bischöfin von Hamar als Ehrenbürgerin zu haben.

Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) habe den Antrag auf Ehrenbürgerschaft 2011 nicht als Antrag in die SVV eingebracht, erklärt der Rathenower Pressesprecher Jörg Zietemann, weil er im Vorfeld bei Gesprächen mit den Fraktionen den Eindruck gewonnen hatte, es würde dafür keine Mehrheit geben. Es stehe Herrn Dr. Knackmuß aber auch jetzt auf jeden Fall die Möglichkeit offen, für Frau Köhn noch einmal einen Antrag zu stellen.

Seeger stellte den Antrag 2011 nicht

Die gesetzliche Basis für die Rathenower Ehrenbürgerschaft, teilt Jörg Zietemann mit, sei Paragraf 26 der Kommunalverfassung des Landes. Erforderlich sei dafür eine Zweidrittelmehrheit aller Abgeordneten. „Unsere Prämisse ist“, so der Pressesprecher, „dass der vorgeschlagene Mensch sich in einem hohen, besonderen Maß um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben muss.“ Es sollte sich um jemanden handeln, der in der Bürgerschaft bekannt ist.

Heinz-Walter Knackmuß ist fest entschlossen, im Rathenower Jubiläumsjahr noch einmal einen Antrag auf Ehrenbürgerschaft für Rosemarie Köhn zu stellen und auf einer Abstimmung in der SVV zu bestehen. Er würde selbst nach Hamar in Norwegen fahren, bietet er an, um der nun mit 75 Jahren nicht mehr so reisefähigen Frau die Urkunde zu überbringen. Sollten es die Stadtverordneten tatsächlich ablehnen, sie zur Ehrenbürgerin zu erklären, findet Heinz-Walter Knackmuß, dann sei das „eigentlich ein Skandal“.

Von Bernd Geske

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