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100 Kraniche sterben in Hochspannungsleitung

Tod in der Hochspannungsleitung 100 Kraniche sterben in Hochspannungsleitung

Naturschützern des Fördervereins Großtrappenschutz und des Nabu bot sich ein trauriges Bild nahe einer Hochspannungsleitung bei Möthlow im Havelland. Die Überreste von 50 Kranichen und drei Schwänen lagen unter der Freileitung. Insgesamt sind wohl rund 100 Tiere ums Leben gekommen.

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Tote Kraniche bei Möthlow.

Quelle: foto: privat

Möthlow. Die Mitarbeiter der staatlichen Vogelschutzwarte bei Nennhausen waren entsetzt. Vor gut einer Woche wurden sie zu einer Stromfreileitung bei Möthlow gerufen, um den Fund von toten Kranichen zu dokumentieren. Das passiert immer wieder mal, in diesem Fall waren es aber etwa 100 Kraniche, die tot auf der Wiese lagen.

Wie sich dann herausstellte, hatte eine Reiterin die Tiere bereits am 18. Dezember vergangenen Jahres gesichtet und das gemeldet. Die Vögel lagen unmittelbar an der 220-kV-Freileitung. Das schließe eine andere Todesursache aus, lässt der Nabu wissen. Eine nur 350 Meter entfernte Grünlandsenke diente den Vögeln als Schlafgewässer, das sie täglich anflogen. „Dieser Fall bei Möthlow belegt auf eindrucksvolle Weise die Gefahren, die von Höchstspannungsfreileitungen ausgehen, selbst wenn diese durch Marker gekennzeichnet sind“ sagt Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des Nabu im Land Brandenburg.

So war die Freileitung zwar mit roten Spiral-Markierungen zum Vogelschutz versehen worden, dennoch sind die Kraniche in die Freileitung geflogen. „Vögel sehen Farben anders als Menschen, und in der Nacht oder bei Nebel helfen selbst die empfohlenen und deutlich wirksameren schwarz-weiß-Markierungen wenig“ sagt Eric Neuling, Referent für Stromnetze und Naturschutz beim Nabu-Bundesverband. Und ein Blick auf die Wetterhistorie zeigt, dass die Tage um den 18. Dezember 2015 neblig waren.

Ein toter Kranich

Ein toter Kranich.

Quelle: Privat

Nach Informationen des Fördervereins Großtrappenschutz, der sich unter anderem um das Trappenschutzgebiet im Havelländischen Luch kümmert, ist die Leitung bereits seit Jahren für regelmäßige Vogelkollisionen bekannt. Neben diversen Kleinvögeln, Tauben, Gänsen, Schwänen und Kranichen wurden an dieser Leitung in den letzten Jahren auch zwei, im Laufe der letzten 30 Jahre sogar mehr als zehn tödlich verunglückte Großtrappen gefunden. Diese Großvögel sind in Mitteleuropa extrem stark gefährdet und konnten in Deutschland nur durch ein sehr aufwändiges Schutzprogramm mit hohem Personal- und Finanzeinsatz vor dem Aussterben bewahrt werden.

Das Havelländische Luch ist nur eines von drei Gebieten in Deutschland, wo die majestätischen Trappen überlebt haben. Das aktuelle Beispiel sei ein Beleg für die berechtigte Forderung von Vogelschützern, Freileitungen durch Erdkabel zu ersetzen. Dann können solche Unfälle nicht mehr passieren, sagen die Experten des Nabu.

Von Joachim Wilisch

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