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S-Bahn im Havelland umstritten

Nahverkehr S-Bahn im Havelland umstritten

Die Nahverkehrsdebatte im Osthavelland ist durch neue S-Bahn-Pläne in Fahrt gekommen, bestätigt aber die unversöhnlichen Positionen der Parteien. Das Land Brandenburg will für seine „Mobilitätsstrategie 2030“ die S-Bahn-Variante bis Nauen prüfen.

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S-Bahn: in Berlin Realität, im Havelland Vision.

Quelle: dpa

Falkensee. Die Idee lebt. Die Idee ist tot. – So unterschiedlich sind die aktuellen Reaktionen auf das Thema „S-Bahn ins Havelland“. In Falkensee hatte S-Bahn-Chef Peter Buchner die Vision einer Express-S-Bahn bis Nauen entworfen. In der Mobilitätsstrategie 2030 des Landes Brandenburg soll die Variante zumindest geprüft werden.

„Die CDU hat auf’s falsche Pferd gesetzt“, erklärte Wolfgang Jähnichen, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Falkensee, dazu. Für den SPD-Mann ist klar: Die S-Bahn-Idee lebt. Die geplante Verdichtung des Fern- und Güterverkehrs würde nach seiner Auffassung den „schon jetzt erheblich störanfälligen Regionalverkehr noch weiter verschlechtern“.

Die CDU Falkensees sieht dagegen keinen Anlass zum Umsatteln. Die Christdemokraten hatten in Falkensee vehement einen Antrag unterstützt, die S-Bahn-Pläne nicht weiter zu prüfen und komplett auf den Ausbau der Regionalbahn zu setzen. Auch in Brieselang und Nauen hatten sich die Abgeordneten mehrheitlich gegen die S-Bahn ausgesprochen.„Ich sehe keinen Grund, dass die Kommunen ihre Beschlüsse ändern sollten“, sagte Hans-Peter Pohl (CDU), Vorsitzender des Falkenseer Stadtentwicklungsausschusses. „Im Havelland dürfen die vorhandenen Stärken der Regionalbahn nicht den Schwächen einer S-Bahn geopfert werden“, sagte er. Im neuen Bundesverkehrswegeplan sind in Hinblick auf 2030 keine Mittel für den Ausbau des Nahverkehrsschienennetzes vorgesehen, für das Havelland sieht der Plan nur unter „Weiterer Bedarf“ den sechsstreifigen Ausbau des westlichen Autobahnrings vor.

In der „Mobilitätsstrategie 2030“ des Landes Brandenburg hat man dagegen die S-Bahn noch nicht komplett abgehakt. Dort werden für das Osthavelland drei Varianten untersucht: S-Bahn bis Nauen, S-Bahn bis Finkenkrug oder Verbesserung Regionalverkehr. Denkbar wäre zudem der sogenannte „Nullfall: „Fortschreibung des bestehenden Angebots“.

Letzteren Fall, wonach alles so bleibt wie es ist, will im Osthavelland wohl kaum einer. „Mit der gegenwärtigen Situation kann niemand zufrieden sein“, sagte Gerd Gunkel, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen Falkensee. Er sieht eine große Einigkeit der Havelländer, dass die Infrastruktur nicht ausreiche, also ein Gleis fehle. „Wie das erreicht werden kann, darüber gehen die Meinungen auseinander“, sagte er. Die jetzt vorgestellten S-Bahn-Pläne überzeugten die Grünen nicht. „Wir glauben, dass Buchners Konzept im Vergleich zu einer Regionalbahnlösung sehr teuer käme“, so Gunkel. Die Grünen haben mit dem Deutschen Bahnkundenverband Havelland ein Konzept entwickelt, das den viergleisigen Ausbau von Spandau nach Nauen vorsieht. „Das zunächst sinnhaft erscheinenden Konzept der S-Bahn gerät ins Wanken“, meinte Marc-Oliver Wille von der Bürgerinitiative „Schönes Falkensee“. Als Gründe nennt er die Verschlechterung für die Pendler, die in den Norden Berlins müssten, daneben sei das Konzept der Fahrtenfolge für den Berliner Teil ab Westkreuz nicht klar, da würden sich die Bahnen gegenseitig ausbremsen. „Die Pendler ist die größte Nutzergruppe der Züge, ihr Anliegen ist deshalb besonders wichtig“, sagte Falkensees Bürgermeister Heiko Müller (SPD) zu der Diskussion. „Wir wollen das Bahnangebot verbessern“, beschrieb er das gemeinsame Anliegen vieler und plädierte noch einmal dafür, dabei als Option auch die S-Bahn-Variante zu prüfen. „Wir müssen erst untersuchen und dann entscheiden, nicht umgekehrt“, sagte er.

Von Marlies Schnaibel

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