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Havelland Schätze, Liebesklärungen und Geisterjäger
Lokales Havelland Schätze, Liebesklärungen und Geisterjäger
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06:35 03.05.2016
Der Verein Wasserfreunde mit 75 Stellplätzen und 80 Mitgliedern hat sein Domizil am Havelkanal. Früher befand sich dort das Schwimmbad. Heute baden die Brieselanger im Nymphensee. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Brieselang

Wie ein Schatz hütet Gabriele Wegener die Urkunde, die ihre Mutter einst ihrem Vater zum Geburtstag geschenkt hatte. Aufgelistet ist darauf die Ernte, die die Berliner Familie 1946 auf ihrer kleinen Scholle mit knapp 700 Quadratmeter in Brieselang eingefahren hat. Erdbeeren, Tomaten, Kohlrabi, Gurken, Kohlrüben und vieles mehr. „Mit so mancher Mahlzeit hat der Garten die Familie in der Hungerzeit über Wasser gehalten“, sagt Gabriele Wegener. Viele andere Berliner überstanden auf die gleiche Art die schwere Zeit.

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Am Havelkanal

Nur eine Episode aus der Geschichte Brieselangs, das immer Zuzugsgebiet war. Viele kamen nur am Wochenende, andere siedelten sich an. Besonders entwickelte sich der Ort nach der politischen Wende 1989. Von damals rund 4500 Menschen stieg die Bevölkerungszahl auf jetzt rund 11 800. Immer noch sind viele Berliner darunter, die es ins Grüne vor den Toren der Hauptstadt zieht. Sie schätzen die Nähe zu Berlin. Mit der Bahn ist man ruckzuck im Zentrum, auf der anderen Seite aber auch wiederum scheinbar weit weg, hat seine Ruhe. Die ersten Siedler kamen nach dem
1.  Weltkrieg – auf der Flucht vor den Mietskasernen. Eine riesiges Areal wurde damals parzelliert, wodurch Brieselang die noch heute sichtbare Struktur erhalten hat. So lebten dort 1925 – mit der Gründung als selbstständige Landgemeinde – bereits rund 900 Menschen in etwa 300 Häusern. Von Anfang an mussten die Brieselanger auf die Entwässerung des einstmals riesigen Feuchtgebietes achten, das auch Fontane aus eigener Anschauung kannte. Ein Thema, das die Brieselanger bis heute beschäftigt.

Die Zahl der Zugezogenen überschreitet die der „Ur-Brieselanger“, die schon zu DDR-Zeiten dort gelebt haben, deutlich. „Von den alten Brieselangern gibt es nicht mehr allzu viele“, sagt Horst Gomoll. Er und seine Frau Doris leben am Bahnhofsvorplatz Nord. 1953 kam er in den Ort, leitete viele Jahre das Fleischerei- und Lebensmittelgeschäft in dem Haus, in dem sie bis heute wohnen. Von dort aus haben sie die Entwicklung Brieselangs miterlebt, wie es woanders kaum möglich gewesen wäre.

„Wir haben zu DDR-Zeiten in der City gewohnt. Hier war ständig Bewegung“, sagt Horst Gomoll schmunzelnd – mit Blick auf den heute eher beschaulichen Platz. Früher gab’s da eine Schranke, ging der ganze Verkehr über die Gleise in Richtung Süd, wo das Gummiwerk stand. „Hier war das Einkaufszentrum für Brieselang“, sagt Gomoll. Drogerie, Apotheke, Fisch- und Schuhladen oder auch Friseur konnte man dort finden. Wo heute der Künstlerhof ist, war früher ein Kaufhaus. Mittlerweile hat sich alles verlagert. Wer einkaufen will, fährt nach Süd. Mitte der 90er-Jahre entstand dort unter anderem der Marktplatz mit vielen Geschäften, nebenan die Supermärkte. „Der Südteil hat sich mächtig verändert“, sagt Gomoll, der mit seinem Geschäft, das er bis 1998 betrieben hat, aber nicht umziehen mochte.

Gern erinnern sich beide auch an das Heimatfest, das heute – wie in der Anfangszeit in den 20er-Jahren – wieder Kirmes heißt, für ihren Geschmack aber ein wenig zu viel Rummel ist. Zudem bedauern sie, dass es den „Rosengarten“ nicht mehr gibt, wo sie auf Bällen auch so manche flotte Sohle aufs Parkett gelegt haben. Doch unterm Strich glauben sie, dass sich viel in Brieselang zum Positiven entwickelt hat. „Alle, die wir kennen, finden Brieselang toll.“ Für die 78-jährige Doris Gomoll, die im Ort geboren ist, wäre es aber auch früher nie in Frage gekommen, ihn zu verlassen: „Ich liebe mein Brieselang. Würde ich wegziehen, hätte ich sofort Heimweh.“

Gern lebt auch Christiane Gstaltmayr in Brieselang, und das seit 15 Jahren. Sie betreibt das traditionsreiche Landhotel „Zum ersten Siedler“, das es bereits seit 1920 gibt. Es ist eines der ältesten Häuser im Ort. „Wer die Natur liebt, ist hier richtig“, sagt die Frau, die bekennender Florida-Fan ist und der Liebe wegen nach Brieselang kam. Schnell sei man im Wald, es gibt Einkaufseinrichtungen, und Berlin sei auch nicht weit entfernt. „Man hat hier alles, was man braucht“, sagt sie.

Brieselang hat auch viele Vereine. Dazu zählen unter anderem der Brieselanger Sportverein oder der SV Grün Weiß. Einer der jüngsten Vereine ist Agora, den es erst seit 2014 gibt, der aber immerhin schon 200 Mitglieder hat. Darauf ist die 1. Vorsitzende Corine ’t Hart auch stolz: „Ich dachte nicht, dass es so gut ankommt.“ So besteht unter anderem die Möglichkeit, Yoga- und Breakdance-Kurse zu besuchen. Im Angebot sind auch Qi Gong, Fitgym, Zumba oder Selbstverteidigung für Kinder, aber auch Malen und Handarbeit. „Wir versuchen ein Ort zu sein, wo wir sein können, wie wir sind“, sagt die Vereinsgründerin. Weniger das Wetteifern, mehr das Gemeinsame soll im Mittelpunkt dieses „etwas anderen Sportvereins“ stehen. Vor mehr als 30 Jahren kam die Holländerin nach Deutschland, 2003 dann von Berlin nach Brieselang. „Wir haben eines der ältesten Häuser von Brieselang saniert“, sagt die Naturliebhaberin, die hin und wieder auch Ost-West-Befindlichkeiten ausmacht.

Seit 2007 ist der Bürgerbus aus Brieselang nicht mehr wegzudenken, der erste im Havelland. Ehrenamtliche Fahrer helfen dabei, dass auch die älteren Brieselanger ohne Auto mobil bleiben. Die jüngste Fahrerin und zudem 1. Vorsitzende des Vereins ist Marlen Jurkovske. „Das ist wie ein rollender Frisör. Man erfährt bei den Fahrten viel, es ist sehr unterhaltsam“, sagt die 27-Jährige, die auf große Autos steht. Die Fahrgäste seien sehr nett und bedanken sich auch mal.

Aber auch wenn Brieselang noch recht jung ist: Mystisch und geheimnisvoll geht es dort trotzdem zu. Das unerklärliche „Brieselanger Licht“ im Forst ist weit über die Region hinaus bekannt. So treibt es auch Geisterjäger in den Wald. Der Neu-Brieselanger Günter F. Janßen griff das Thema auf und schrieb das Buch „Lieschens Wald“, in dem es um die Ermordung der kleinen Elisabeth Wieja im Jahre 1945 und um das mysteriöse Waldlicht geht.

Von Andreas Kaatz

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