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Havelland Schafe „bewirtschaften“ die Deponie Bölkershof
Lokales Havelland Schafe „bewirtschaften“ die Deponie Bölkershof
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19:15 05.10.2016
Auf der begrünten Deponie weiden Schafe, hinten die St.-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow.  Quelle: Bernd Geske
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Rathenow

 Um die Deponie Bölkershof bei Rathenow naturnah bewirtschaften zu können, hat die Abfallbehandlungsgesellschaft Havelland (abh) 40 vierbeinige Zeitarbeiter unter Vertrag genommen. Im Frühjahr ist nämlich einer Herde von Schafen die Aufgabe übertragen worden, das Gras auf dem Berg der begrünten Deponie zu „mähen“. Die entsprechende Verordnung verlange, erklärt André Braatz, Technischer Leiter der abh, das auf der Deponie gewachsene Grün einmal im Jahr abzumähen. Das habe sich als eine sehr mühselige Tätigkeit heraus gestellt. Schließlich sei die Entscheidung gefallen, das Gras künftig von Schafen kurz halten zu lassen.

Auf der Rekultivierungsschicht ist weiträumig Gras angesät worden

Die Deponie Bölkershof ist schon vor Jahren geschlossen worden. Im Laufe der Zeit war ein Berg entstanden, der aus rund einer Million Kubikmetern Müll besteht. Beginnend 2011, wurde dessen Oberfläche mit Kunststoffbahnen abgedichtet. So kann kein Deponiegas mehr entweichen, deren Hauptbestandteil Methan ist. Das Gas wird nun mit extra verlegten Drainageleitungen unter der Abdichtung aufgefangen und gleich am Ort schadlos verbrannt. Oben auf die Abdichtung drauf kam eine rund einen Meter dicke Rekultivierungsschicht, auf der neben ein paar wenigen Wegen weiträumig Gras angesät worden ist.

Auf der geschlossenen Deponie Rohrbeck bei Nauen werde das Gras schon seit einiger Zeit von Schafen kurz gehalten, berichtet André Braatz. So sei die Idee entstanden, das nun auch in Bölkershof zu tun. Die gesamte, sieben Hektar große Fläche mit dem Berg und seinem nahen Umfeld dort sei ringsherum solide mit einem hohen Zaun umgeben, teilt er mit. Die Tiere könnten nirgendwo ins Umland entweichen. Für sie sei ein Unterstand gebaut worden und täglich würden sie mit frischem Wasser versorgt. Ansonsten falle durch sie für das Personal des angrenzenden Wertstoffhofes keine Arbeit an. „Das ist alles naturnah“, resümiert André Braatz. „Es läuft sehr gut und viele von unseren Kunden finden es schön, dass hier Schafe weiden.“ Es gebe sogar einige, die ihnen Futter mitbringen.

Von April bis November/Dezember bleiben die Schafe draußen

Die abh indes hat sich die Schafe nicht selbst angeschafft. Sie hat einen Vertrag abschlossen mit Henry Hofmann, einem Landwirt im Nebenerwerb in Gränigen, der seine Herde nun auf der Deponie weiden lassen kann. „Mein Vorteil ist“, erklärt er, „dass ich für meine Schafe nun keine andere Koppel mehr brauche.“ Zu gegebener Zeit füttere er bei Bedarf etwas Heu dazu, mehr sei grundsätzlich nicht nötig. So etwa von April bis November/Dezember lasse er die Tiere draußen, nur über Winter hole er sie in den Stall.

Wie Henry Hofmann sagt, sind es zwei verschiedene Arten von Schafen, die er in Bölkershof weiden lässt: Nolana und Barbados. Es ist für ihn gegenwärtig nicht wirtschaftlich, mit den Schafen eine Wollproduktion zu betreiben. Geld verdiene er durch den Verkauf von Mastlämmern. Die Art Nolana sei zwar ein Wollschaf. Doch wachse ihm zum Winter nur eine vergleichsweise dünne Schicht Wolle, die es später von allein wieder verliere.

Barbados und Nolana

Zur Schafherde auf der geschlossenen Deponie Bölkershof gehören insgesamt 40 Tiere der Arten Barbados und Nolana.

Es sind derzeit Muttertiere mit ihren Lämmern vom Frühjahr und ein Bock.

Schäfer Henry Hofmann kann durch den Wollertrag nicht wirtschaftlich arbeiten. Er verkauft deshalb Mastlämmer, deren Lebendgewicht liegt dann bei 40 bis 45 Kilogramm.

Nolana ist ein Wollschaf. Es hat aber nur wenig Wolle, die im Frühjahr von selbst abfällt.

Barbados ist ein Haarschaf ohne Wolle, das in Bölkershof an seiner braunen Farbe zu erkennen ist.

Für Laien gar nicht unbedingt wie ein Schaf aussehend ist die zweite Art namens Barbados. Hierbei handelt es sich um ein Haarschaf (ohne Wolle), das auf der Deponie Bölkershof an seiner braunen Farbe von den eher weißen Wollschafen zu unterscheiden ist. Danach befragt, warum er seine Schafe auf einer begrünten Deponie weiden lässt, erinnert Henry Hofmann daran, dass gerade die Bewirtschaftung von Deichen ursprünglich mit Schafen ausgeführt worden ist. Sie halten das Gras schön kurz und haben im Bezug auf Maulwürfe und Wühlmäuse noch einen wichtigen Effekt. Durch ihre kleinen Hufe treten sie die Löcher von Wühlmäusen zu und durch ihr beständiges Herumlaufen beunruhigen sie auch möglicherweise vorhandene Maulwürfe. Beide Arten dieser im Erdboden lebenden Wühltiere werden durch die Anwesenheit von Schafen vergrämt. Was für die Deponie ebenfalls positiv ist.

Von Bernd Geske

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