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Schaum auf der Havel ist ein Naturschauspiel

Stadthavel Rathenow Schaum auf der Havel ist ein Naturschauspiel

Einen dicken Schaumteppich auf der Stadthavel konnten die Rathenower vor wenigen Tagen bestaunen. Anwohner haben unerlaubtes Einleiten von Abwässern vermutet, doch die Wasserbehörde des Landkreises gibt Entwarnung: Es handele sich um aufschäumende Eiweiße aus natürlicher Zersetzung von Wasserpflanzen.

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Auf der Stadthavel schwamm zeitweise eine geschlossene Schaumschicht.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Bei bestimmten Witterungsbedingungen waren in den zurückliegenden Jahren unterhalb des Rathenower Mühlenwehrs auf der Havel immer wieder mal schwimmende Schauminseln zu beobachten. Vor wenigen Tagen allerdings bot sich ein noch nie dagewesenes Schauspiel dar: Die Stadthavel von einem geschlossenen dicken Schaumteppich bedeckt. Paddler in Booten hätten dazwischen wie Enten auf dem Eis gewirkt, hat der Anwohner Klaus Kersten gesagt. Die Schaumschicht sei streckenweise bis zu 20 Zentimeter stark gewesen, berichtet er und vermutet: „Da fließt irgend etwas rein, was nicht in die Havel gehört!“ Er könne nicht glauben, dass eine so starke Schaumbildung nur natürliche Ursachen habe und für die Gesundheit völlig ungefährlich sei.

Auch an anderen Wehren Schaumbildung beobachtet

Joachim Karp, Rathenower Niederlassungsleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA), ergänzt, an anderen Wehren in der unteren Havel gebe es die Erscheinung auch, aber nicht so stark. Am Mühlenwehr in Rathenow, erklärt er, sei der Flussquerschnitt am geringsten – die Fließgeschwindigkeit durch das Wehr also am größten. Nach seinem Kenntnisstand, sagt Joachim Karp, solle die Schaumbildung völlig ungefährlich sein. Er sei aber kein Biologe und das WSA sei für den Schiffsverkehr und nicht für die Qualität des Wassers zuständig, teilt er mit. Trotzdem sei er aber sehr an einer Erklärung der Erscheinung interessiert.

Zuständig für den Wasserzustand ist die untere Wasserbehörde des Landkreises. Dessen Pressesprecher Oliver Kratzsch teilt nach Rücksprache mit dem Fachamt mit, dass es im Frühjahr schon einmal auf der Havel unterhalb des Mühlenwehrs eine starke Schaumbildung gegeben hat. Der Schaum sei auf einer Länge von 300 Metern erkennbar gewesen. Als mögliche Ursache in Frage kämen, so Oliver Kratzsch, „hauptsächlich aufschäumende Eiweiße aus natürlichen Zersetzungsprozessen von Wasserpflanzen“. In den vergangenen Jahren sei durch verbesserte Wasserqualität ein verstärktes Wachstum von Wasserpflanzen festzustellen gewesen. Und beim Abbau der Pflanzensubstanz würden natürliche Tenside freigesetzt, die schaumbildend wirken.

Gesundheitsgefährdung hat nicht bestanden

Eine weitere Ursache könne ein „diffuser Eintrag aus der Landwirtschaft“ sein, zitiert Oliver Kratzsch die Wasserbehörde, denn Tenside seien auch Bestandteile von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln. Das Erscheinungsbild des Schaumes spreche aber für eine „jahreszeitlich erhöhte Eiweißfreisetzung durch Abbau von Wasserpflanzen“. Der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln sei wegen der geringen Niederschläge eher unwahrscheinlich. Eine bewusste punktuelle Einleitung – wie es der Anwohner vermutet – könne „mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden“, teilt Oliver Kratzsch mit. Die untere Wasserbehörde habe im Frühjahr den Schaum und das direkt darunter befindliche Wasser beproben lassen. Neben dem erwartungsgemäß hohen Anteil von Tensiden habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Eine Gesundheitsgefährdung habe nicht bestanden.

Von Bernd Geske

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