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Schiffbarkeit auf allen Kanälen gefordert

Infoveranstaltung zur Situation am Ketziner Brückenkopf Schiffbarkeit auf allen Kanälen gefordert

Die Bürgerinitiative Brückenkopf bleibt bei ihrem Ziel: Alle Kanäle und kleineren Gewässer in dem Ketziner Ortsbereich sollen wie eh und je schiffbar bleiben. Ketzins Bürgermeister Bernd Lück (FDP) machte einen neuen Vorschlag.

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Idylle am Ziegeleikanal.

Quelle: Wolfgang Balzer

Ketzin/Havel. Offiziell besteht seit 1994 auf allen Kanälen und kleineren Gewässern im Ketziner Ortsbereich Brückenkopf ein Fahrverbot für Motorboote, was allerdings nie praktiziert wurde. Seitdem das im vergangenen Jahr auf Empfehlung des Landkreises von der Stadt durchgesetzt werden sollte – entsprechende Schilder wurden aufgestellt – wehren sich die 253 Mitglieder einer Bürgerinitiative (BI) und weitere Betroffene mit allen Mitteln gegen dieses Fahrverbot. Auf einer Informationsveranstaltung am Sonnabend forderten fast 150 Betroffene die Aufhebung des Verbotes, und zwar für alle betroffenen Gewässer. Nach einer gemeinsamen Befahrung dieser Gewässer mit Vertretern der zuständigen Behörden gebe es für den Ziegeleikanal, die Kanäle an der Schumacherstraße und am Pappelhain berechtigte Chancen für die Aufhebung des Fahrverbotes, sagte Bürgermeister Bernd Lück (FDP). Probleme sehe er aber für die Anlieger am Deich und in der Kliemsiedlung. Dies ergeben sich aus den für eine Schiffbarkeit gemessenen unzureichenden Wassertiefen von stellenweise nur 30 Zentimetern und aus naturschutzrechtlichen Gründen. Die dortigen Anlieger könnten eine Ausnahmegenehmigung beim Landkreis beantragen, erklärte Lück.

Damit dürften etwa 300 Anlieger ihre Grundstücke ohne diese Genehmigung nicht mehr mit dem Boot erreichen, das werde die BI auf keinen Fall mittragen, argumentierte Herbert Mosch, BI-Vorstandsmitglied und lehnte den Vorschlag rigoros ab. „Wir wollen die Schiffbarkeit für alle, so wie sie seit 100 Jahren praktiziert wird“, forderte er. Außerdem zweifelte BI-Sprecher Thomas Witkowski gleich aus mehreren Gründen die Messergebnisse der Wassertiefen an und forderte eine Messung durch ein Ingenieurbüro. Kontrollen mit dem Messstab hätten exaktere Ergebnisse gebracht als der Einsatz des Echolots. Wenn der Antrag auf Schiffbarkeit für alle Gewässer gestellt werde, sei die Gefahr der Ablehnung durch den Landkreis als Genehmigungsbehörde groß, warnte Lück. Dementsprechend schlug Mosch vor, in den Seitenarmen das Befahren nur für Anlieger zu gestatten. Erst an dieser Stelle rückte Lück noch mit einem offensichtlich schon von ihm geprüften Vorschlag raus. Gemeinsam sollte angestrebt werden, dass die Gewässer zu Landesgewässern erklärt werden. Dann wäre die Kommune zuständig und die Einstufung „Für Anlieger frei“ kein Problem. Der Wasser- und Bodenverband habe bereits zugesagt, die Gewässer in Ordnung zu halten und dafür ein akzeptables finanzielles Angebot unterbreitet.

„Die Anlieger haben die Gewässer auch bisher in Ordnung gehalten. Wie würden sie wohl sonst aussehen“, warf Chris Thielbier ein. Regelrecht sprachlos waren die Anwesenden, als Günter Schmidt erläuterte, wie die Bearbeitung eines Antrages auf Sondergenehmigung zur Befahrung mit Motorboten abläuft. Seit 2009 gehe der Schriftverkehr zwischen ihm, der Stadt und dem Landkreis hin und her, unzählige Unterlagen mussten eingereicht werden. Eine Ausnahmegenehmigung habe er noch immer nicht. Ganz pragmatisch sah Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Tschirch (SPD) das Anliegen der BI. Bisher hätten jahrzehntelang weder Fisch noch Frosch gelitten. Was in der Vergangenheit nicht zu Schaden geführt habe, könne es auch in der Zukunft nicht. Er unterstützte uneingeschränkt das Anliegen der BI ebenso wie die Fraktionsvorsitzenden der Linken/Grüne, Evelin Sens, und der CDU/FDP, Roman Lange. „Wir sollten weiter zusammenarbeiten“, betonte auch Bürgermeister Lück nach Meinungsverschiedenheiten im Vorfeld der Informationsveranstaltung.

Von Wolfgang Balzer

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