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Schimpfwörter sind in der Küche tabu

MAZ-Sterntaler Schimpfwörter sind in der Küche tabu

Kathrin Schüler hat als Küchenchefin auf dem Jugendhof Brandenburg in Berge ihren Traumjob gefunden. Die 41-Jährige kam vor etwa anderthalb Jahren dorthin, sie arbeitet gerne mit jungen Leuten zusammen. Und sie hat auch immer tolle Ideen: Die Weihnachtsfeier wurde zur Beachparty im Winter mit alkoholfreien Cocktails.

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Kathrin Schüler gibt in der Küche des Jugendhofes Berge den Ton und den Takt an.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Berge. „Manchmal denke ich, es sind alles meine Kinder“, sagt Kathrin Schüler und lacht. „Es geht bei uns zu wie in einer Familie“. Die 41-Jährige ist Küchenchefin auf dem Jugendhof Brandenburg. Vor gut anderthalb Jahren kam sie in die Einrichtung nach Berge – mehr oder weniger zufällig – und hat diesen Schritt nie bereut: „Mit den jungen Leuten zusammen zu arbeiten, mit ihnen zu kochen, ist ein Traumjob. Bei uns sind Schimpfwörter tabu. Ansonsten gibt es keine großen Benimmregeln, jeder darf so sein, wie er will“, sagt Kathrin Schüler.

In der Akademie einer Firma in Potsdam hat die gelernte Köchin zuvor gearbeitet, sich auch dort als Ausbilderin um Jugendliche mit Förderbedarf gekümmert. Doch zuletzt machte ihr diese Arbeit keinen Spaß mehr, denn: „Es war nur noch Papierkram auszufüllen und ging nur noch um Abrechnungen. Das ist nicht mein Ding.“

Der Wechsel nach Berge begann mit einem Telefonat. „Ich suchte eine neue Herausforderung, meldete mich hier und war kurze Zeit später eingestellt als Tagesbetreuerin“, blickt die Retzowerin zurück. Abgesehen von der Arbeit selbst, kann sie nun sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren – jedenfalls in der warmen Jahreszeit

Kathrin Schüler gibt den Ton und den Takt an in der Küche. Jede Woche wechseln die Jugendlichen, die für die Küche eingeteilt werden. „Ich komme mit allen gut klar und freue mich, wenn alle mitmachen.“ Morgens, nach dem gemeinsamen Frühstück der Bewohner und Betreuer, muss das gesamte Geschirr abgewaschen werden. Oft sogar per Hand, wenn es die Spülmaschine nicht schafft. Dann wird für das Mittagessen geschnippelt. Kathrin ist ein spontaner Typ, wie sie sagt: „Wir entscheiden meistens aus dem Bauch heraus, was wir kochen.“ Dazu hat sie den Überblick über die Vorräte im Keller und in den Kühlschränken. Frische Kräuter, Gemüse, Kartoffeln aus eigenem Anbau auf dem Jugendhof zu verwenden, stehe für sie immer oben an. Deswegen werden viele Sachen im Sommer eingefroren und jetzt verarbeitet. „Wenn das Essen schmeckt, es Lob der anderen gibt, ist das für die Küchendienst-Jugendlichen eine wunderbare Bestätigung ihrer Arbeit.“

Im Umgang mit jugendlichen Hofbewohnern gelte es eine Sache besonders zu beachten, sagt sie: „Sie wollen nicht als Heimkinder gesehen werden, wollen nicht als solche abgestempelt werden. Sie wollen und brauchen kein Mitleid. Sie wollen als Person so wahrgenommen werden, wie sie sind.“ Aber Kathrin räumt ein, dass sie manchmal die Sorgen der Bewohner mit nach Hause nimmt. Dabei hat sie selbst zwei Töchter, eine 15 und eine 21 Jahre alt, wobei die ältere schon ausgezogen ist. Abschalten kann Kathrin Schüler in der Freizeit am besten beim Lesen. „Oder ich backe, und zwar Themen- oder Motivtorten.“ Die werden dann meist auf dem Jugendhof verspeist.

Welche tolle Ideen die 41-Jährige hat, davon konnten sich Bewohner und Betreuer bei der Weihnachtsfeier vor wenigen Tagen auf dem Jugendhof wieder mal überzeugen. Das Motto hieß „Sommer“. Eine Beachparty im Winter in der Reithalle mit alkoholfreien Cocktails. Das kam an.

Von Jens Wegener

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