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Havelland Schlechtes Zeugnis für Havelländer Wirtschaft
Lokales Havelland Schlechtes Zeugnis für Havelländer Wirtschaft
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02:17 31.10.2015
Montage von Waschmaschinen im BSH Hausgerätewerk in Nauen. Quelle: Konrad Radon
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Havelland

Das Havelland sieht sich selbst ja gerne als Wachstumsregion, der Osten des Kreises wirbt sogar mit dem Leitspruch „Die stärkste Seite Berlins“ um Investoren, mit der Logistikbranche in den beiden Güterverkehrszentren in Brieselang und Wustermark als Aushängeschild. Dagegen hat der aktuelle Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit dem Landkreis kein gutes Zeugnis ausgestellt: Gemessen an der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) pro Einwohner ist das Havelland zusammen mit Barnim und Märkisch-Oderland einer der drei schwächsten Kreise – nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Ostdeutschland.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres in einer Region produziert werden. Im Havelland betrug dieser 2012 – neuere Daten gibt es nicht – umgerechnet 16 625 Euro pro Kopf. In den Spitzenregionen im Osten, Jena in Thüringen, Potsdam und Frankfurt/Oder, liegt die Wirtschaftsleistung mehr als doppelt so hoch.

Andreas Ernst, der Wirtschaftsdezernent des Landkreis Havelland, hält das Bruttoinlandsprodukt als alleiniges Maß für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit allerdings als zu kurz gegriffen. „Neben diesem Indikator gibt es mit der Anzahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze, der Arbeitslosenquote – hier war das Havelland im Juni 2015 der viertbeste Landkreis in Brandenburg – und auch der Bevölkerungsentwicklung weitere Indikatoren, die Ausdruck der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sind“, so der Dezernent. „Auch die subjektive Wahrnehmung eines jeden Einzelnen sollte deutlich machen, dass sich die Region in den vergangenen 25 Jahren wirtschaftlich sogar überdurchschnittlich gut entwickelt hat.“ Die Wirtschaftspolitik des Landkreises könne keinesfalls als gescheitert bewertet werden, meint Ernst.

Aber wie kommt es, dass das Havelland beim BIP derart schlecht abschneidet? Andreas Ernst erklärt: „Das Havelland ist ein bevorzugter Wohnstandort, insbesondere mit Zuzug aus Berlin mit hoher Wachstumsdynamik der Siedlungsgemeinden. Viele Havelländer leben insofern zwar in berlinnahen Kommunen wie Falkensee oder Dallgow-Döberitz, haben oder behalten ihren Arbeitsplatz jedoch in Berlin und erwirtschaften ,ihren’ Anteil am BIP dort.“ Anders ausgedrückt: Die Arbeitskraft der Pendler lässt die Wirtschaftskraft Berlins stärker erscheinen als sie tatsächlich ist. Das gleiche Phänomen trifft auch auf Barnim und Märkisch-Oderland zu, von wo aus ebenfalls viele Menschen in die Hauptstadt pendeln.

Anders als andere Landkreise war gerade das Osthavelland bis zur Wiedervereinigung überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Große Industriebetriebe gab es kaum. Nach der Wende siedelten sich die für die Wirtschaftsentwicklung einer Region wichtigen Großunternehmen dann zunächst dort an, wo bereits Industrie vorhanden war: Riva und Bombardier in Hennigsdorf (Oberhavel), Mercedes-Benz in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), BASF in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz). „Die inzwischen dennoch gute Entwicklung des Osthavellands begründet sich im überwiegenden Maße auf den Anstrengungen nach der Wende, die auch dem Landkreis zuzurechnen sind“, sagt Andreas Ernst.

So seien etwa mit dem Ausbau der Infrastruktur die Gegebenheiten vor Ort geschaffen worden, „um die Lagegunst unmittelbar vor der Hauptstadt mittelfristig bestens zu nutzen“, so der Dezernent. „Hier haben mit Bund, Land, Landkreis, den einzelnen Kommunen und natürlich den Unternehmen viele Akteure einen Anteil an der guten Entwicklung.“ Ernst geht davon aus, dass sich das Bruttoinlandsprodukt noch verbessern wird, da der Landkreis durch die Ansiedlungen von Amazon (2013) sowie BLG, Rossmann und Karls (2014) noch einmal deutlich an Stärke dazugewonnen habe. Diese Daten sind im aktuellen Einheitsbericht noch nicht berücksichtigt. Gleichzeitig werde das Gefälle zwischen Ost- und Westhavelland wohl bestehen bleiben: „Trotz der in Teilen guten Entwicklung in den vergangenen 15 Jahren ist davon auszugehen, dass die wirtschaftliche Dynamik im berlinnahen Raum auch weiterhin ungleich größer sein wird.“

Von Philip Häfner

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