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Havelland Nächste Runde im Kampf gegen Sprayer
Lokales Havelland Nächste Runde im Kampf gegen Sprayer
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02:16 26.11.2015
Einsatz am Stromkasten: Horst Schwenzer beim Übermalen eines Graffito. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Illegale Schmierereien im öffentlichen Raum sind seit Jahren ein Ärgernis in Rathenow. Aber derzeit hat es den Anschein, als hätten die Sprayer ihre Aktivitäten noch intensiviert. Der ehemalige Lidl-Markt in Rathenow-West etwa ist ein einziges großes Wandgemälde. Auf Stromkästen im Stadtgebiet prangen fast täglich neue Werke. Und sogar die frisch renovierte Friedensbrücke ist von den fragwürdigen Verzierungen nicht verschont geblieben.

Letztere sind besonders ärgerlich, weil das Baudenkmal von der aufwändigen Instandsetzung im vergangenen Jahr nicht nur baulich, sondern auch ästhetisch profitierte. Doch der Eindruck ist nun getrübt. Auf allen vier Endstreben des Brückenfachwerks haben Sprayer ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen. „Wir haben das verärgert zur Kenntnis genommen“, sagt Sven Brückner vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg (WSA). Dem ersten Impuls, die großformatigen Buchstaben auf den Stahlstreben sofort zu entfernen, sei man aus gutem Grund nicht gefolgt. Denn durch den notwendigen Einsatz von Lösungsmitteln laufe man Gefahr, den Korrosionsschutz zu beschädigen. Also lasse man die Graffiti erst einmal unangetastet.

Was nicht heißt, dass sie dort ewig bleiben werden. „Wir denken über eine tragfähige Lösung nach“, so Brückner, In diesem Jahr habe das WSA Brandenburg rund 12 000 Euro zur Graffitibeseitigung auf seinen Brücken ausgegeben. Im kommenden Jahr werden man diesen Betrag verdreifachen (müssen). „Wir sind nicht untätig“, so der Ingenieur. Nur müsse jede Maßnahme genau abgewägt werden.

Privater Einsatz an den Stromkästen

Horst Schwenzer muss nichts abwägen. Seit Jahren ist der Stadtverordnete mit drei Mitstreitern unterwegs, um beschmierte Stromkästen in der Rathenower Innenstadt zu überpinseln. Bei seiner letzten Tour hat er rund 15 Kästen von Graffiti befreit. Und wenn er sich demnächst wieder auf den Weg macht, dürfte die Quote ähnlich hoch sein. „Während der Gartenschau haben sich die Schmierer ein bisschen zurückgehalten“, meint Schwenzer. Aber seit ein paar Wochen entdecke er fast täglich ein neues Machwerk.

Horst Schwenzer, Enrico Brüggemann, Karl-Reinhold Granzow und Jürgen Albrecht wollen ihre Stromkasten-Initiative forsetzen – auch wenn auf einem gerade übermalten Kasten manchmal schon am nächsten Tag ein neues Graffiti prangt. „Wir wollen diesem Unwesen nicht tatenlos zusehen“, sagt Schwenzer. „Wir müssen gegenhalten.“

Das war bis vor einiger Zeit auch die Devise der Ordnungpartnerschaft Graffiti, in der sich die unterschiedlichsten Institutionen zusammengeschlossen haben, um das Graffiti-Problem gemeinsam anzugehen. Vertreter von Schulen, Wohnungsgesellschaften, Polizei, Justiz und der Verwaltung kamen regelmäßig zusammen, um sich über Möglichkeiten der Prävention und Ahndung auszutauschen.

Stadtsprecher Jörg Zietemann, bei dem die organisatorischen Fäden der Ordnungspartnerschaft Graffiti zusammenlaufen, gibt zu, dass es schon seit einer Weile keine Zusammenkunft mehr gegeben habe. Während der Buga sei es erfreulich ruhig an der Sprayer-Front gewesen, so Zietemanns Erklärung. Aber es sei jederzeit möglich, das Netzwerk wieder zu aktivieren. Wenn übrigens, wie von der Stadt und den Rathenower Wohnungsbaugesellschaften praktiziert, jede Schmiererei unverzüglich beseitigt werde, dann sei im Kampf gegen die Verwahrlosung ein wichtiger Schritt getan.

Partner für Ordnung

Die Ordnungspartnerschaft Graffiti trat auf Beschluss der Stadtverordneten im Sommer 2009 ins Leben. Prävention und effektive Bekämpfung von Graffiti sind die erklärten Ziele des Netzwerks.

Folgende Institutionen und Vereinigungen waren bei der Gründung in der Ordnungspartnerschaft Graffiti mit von der Partie: Die Polizei, das Amtsgericht, die Stadtverordnetenversammlung, das Kinder- und Jugendparlament, die Stadtverwaltung, die Kommunale Wohnungsbaugeselschaft Rathenow, die Streetworker der Diakonie und die Malerinnung. Die Deutsche Bahn AG trat dem Netzwerk später bei.

Von Markus Kniebeler

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