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Schnitzkunst à la Schlüter

Haage Schnitzkunst à la Schlüter

Die MAZ-Sommerserie blickt auf und in Denkmale des Havellandes. Heute: Der Altar in Haage. Warum hat das kleine Dorf so einen prunkvollen Altar? Stammt sie möglicherweise vom berühmten Andreas Schlüter?

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Einer der menschengroßen Engel in der Altarwand in der Haager Kirche.

Quelle: Marlies Schnaibel

Haage. Der Haager Kirche fehlt es nicht an Dramatik in ihrer Geschichte. 1806 brannte sie völlig nieder. Wieder aufgebaut, zersprang 1861 beim Trauergeläut für Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. die Glocke. Als 1962 ein Kugelblitz ins Gotteshaus eindrang, verwüstete er das Gebäude stark: die Decke stürzte ein, die Kirchentür flog 100 Meter weit, nur die Bibel blieb auf dem Altar liegen. So können Mythen entstehen.

Dabei hat die Kirche noch einen anderen Mythos zu bieten, den von Andreas Schlüter. Der großartige Bildhauer, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des barocken Zeitalters, soll den Altar der Haager Kirche geschaffen haben. Ganz genau weiß man es nicht, aber wenigstens in seiner Werkstatt oder seinem künstlerisch nahen Umfeld muss das Prunkstück deutscher Altarkunst entstanden sein.

So lockt die Schnitzerei manchen Besucher an. Es sind keine Massen, aber immer mal wieder wird gezielt nach dem Altar gefragt, hat Karl-Heinz Lauenstein beobachtet. Er schließt die Kirche auf und zeigt den Besuchern das Haus, hat viel Material zusammengetragen und beantwortet die Fragen zu der wechselvollen Geschichte des Prunkstücks. „Manche fragen nach den Initialen, den verschlungenen Buchstaben“, zeigt er auf den Altar. C, V und K ranken da ineinander. Der erste preußische Justizminister Christian von Katsch hatte den Altar für die Dorfkirche Döberitz (dem heutigenDallgow-Döberitz) gestiftet, 1713 wurde er aufgestellt. Das ist genau belegt, aber eben nicht, woher genau der Altar kam.

Allerdings wurde das Dorf Döberitz 1895 für die Vergrößerung des Truppenübungsplatzes aufgegeben und der Altar kam ins benachbarte Ferbitz. Aber auch dieses Dorf musste, nun in den Dreißiger Jahren den militärischen Plänen der Regierung weichen. Das Dorf verschwand, der Altar kam gewissermaßen auf den Markt. Und weil in Haage die bestehende Fachwerkkirche ziemlich baufällig war und man über einen Neubau nachdachte, kam es zu einer Art Deal. Die Kirchengemeinde erhielt 1937 das Angebot, die Innenausstattung der Ferbitzer Kirche zu übernehmen und erhielt dafür von staatlicher Seite das notwendige Geld für den Kirchenneubau.

Schließlich kamen die Haager zu einer neuen Kirche und zu einem ungewöhnlich prunkvollen Altar. Der ist eigentlich zu groß für den Kirchenraum und konnte nicht komplett aufgestellt werden, außerdem waren viele Teile, zuvor in einer Scheune eingelagert, nach Kriegsende verschwunden. So fehlte fast die gesamte Orgelausstattung – Holz- und Buntmetall waren nach dem Krieg begehrt.

„Die Restauratorin Annett Xenia Schulz hatte die Kirche genau untersucht und uns eine umfangreiche Dokumentation hinterlassen“, freut sich Karl-Heinz Lauenstein, Besuchern detailliert Auskunft geben zu können. Dabei muss er manchmal gar nichts sagen. Manche der Besucher stehen einfach überrascht, stumm und beeindruckt vor der Altarwand. Vor allem die beiden menschengroß gehaltenen Engel links und rechts der Kanzel zeugen von der Kunst derer, die hier einst das Eichenholz schnitzten. „Außergewöhnlicher, großer Kanzelaltar.

Vorzügliche Arbeit in der Nachfolge von A. Schlüter“, urteilt der Dehio-Denkmalführer über die Altarwand. So schauen wir Heute-Menschen den 300 Jahre alten Engeln ins Antlitz. Es sind menschlich anmutende Gesichter, in denen sich Demut, Schmerz, Hingabe und Barmherzigkeit widerspiegelt.

Von Marlies Schnaibel

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