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Schöne Grüße aus Tietzow

MAZ-Serie: Dorfporträt Schöne Grüße aus Tietzow

Rund 300 Menschen sind in dem Dorf Tietzow, einem Ortsteil von Nauen, zu Hause. In der neuen Serie „Schöne Grüße aus...“ stellt die MAZ Gemeinden vor, auf die nicht jeden Tag ein Schlaglicht fällt, die aber trotzdem liebens- und lebenswerte Orte sind. Den Anfang macht Tietzow, in dem außer den Kranichen am Himmel oft nichts zu hören ist.

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Willkommen in Tietzow!

Quelle: Christiane Flechtner

Tietzow. Es ist kühl geworden, und die Sonne kann die Erde mit ihren Strahlen nicht mehr so richtig erwärmen. Herbstzeit ist Kranichzeit. Auch im kleinen Örtchen Tietzow. Noch Kilometer entfernt sind sie bereits zu hören. Und dann sind die schwarzen Silhouetten am Himmel zu sehen. Am tiefblauen Himmel fliegen die Kraniche in V-Formation über die Häuser hinweg, um auf den Feldern eine Rast mit einem kleinen Snack einzulegen. Von den rund 300 Einwohnern ist an diesem Mittwochmittag niemand zu sehen. Doch der Ort ist keineswegs verlassen, wie Christoph Paschen, stellvertretender Ortsbeiratsvorsitzender und Vorstandsmitglied im Verein Tietzow e.V., erzählt.

„Im Gegenteil – Tietzow ist einer der wenigen Orte, die wachsen, anstatt zu schrumpfen. Es bleiben viele junge Familien hier oder ziehen sogar hierher“, sagt er. Schließlich befinde sich Tietzow nicht „JWD“, sondern im Drei-Kreis-Dreieck Oberhavel, Havelland und Ostprignitz-Ruppin. „Wir befinden uns hier also in einer guten Lage – ruhig und idyllisch, aber dennoch mit Anschluss an den Berliner Ring“, sagt er.

Der Spruch „Die Kirche im Dorf lassen“ zählt für Tietzow nicht, denn es gibt keine Kirche mehr. Wer heiraten möchte, muss sich entweder für Börnicke, Kremmen oder Nauen entscheiden. In der Dorfchronik ist auf Seite 215 vermerkt, wie 1963 ein Sturm in das Dach drang, ein riesiges Loch riss und später der Regen das Gebälk zerfraß. Baufällig geworden, wurde die Kirche schließlich gesprengt. Ein Zeichen des Gotteshauses ist allerdings auch heute noch vorhanden: Glocke und Taufbecken befinden sich noch immer am Dorfanger.

Zwar sind Schule, Bäckerei und Gaststätten verschwunden, aber dennoch sind die Tietzower aktiv – auch durch die drei gut funktionierenden Vereine Tietzow e. V., Freiwillige Feuerwehr und Heimatverein, die viele Veranstaltungen auf die Beine stellen. Einmal im Jahr steigt ein großes Erntefest am Dorfanger, und in den Wintermo-
naten werden Skatabende organisiert, um den Tietzower Skatmeister zu küren. „Da geht es aber nicht um Geld, sondern nach alter Tradition um Fleisch“, erklärt Paschen. „Die Gewinne
reichen vom einfachen Kotelett bis zum großen Braten. Und der
Verlierer darf ein Glas mit Rollmöpsen nach Hause nehmen“, fügt er hinzu.

Ein Seniorencafé gibt es auch, einmal im Monat von Vereinsmitglied Ramona Beckmann organisiert. „Es gibt Kaffee und Kuchen, und es wird von alten Zeiten erzählt“, sagt sie. In Tietzow wird auch produziert: Einerseits befindet sich hier der Milchviehbetrieb von Karin Beuster, die Luch Agrar GmbH, die sogar eine Milchtankstelle besitzt. Fast gegenüber
werden wöchentlich 130 Tonnen Champignons erzeugt. Vor 50 Jahren startete das Familienunternehmen Dohme mit ersten Champignon-Kulturen im Keller seines Bauernhofes. Heute ist das Unternehmen Weser Champignons einer der größten Champignon-Erzeuger Deutschlands.

Direkt am Eingang des Dorfangers begrüßt Maria Schuppan ihre Hotelgäste persönlich. Das Hotel „Helenenhof“ ist ihr eine Herzensangelegenheit, denn es ist eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verknüpft: „Mein Vater ist in diesem Haus geboren, das 1883 von meinen Urgroßeltern erbaut und nach deren Tod von meinen Großeltern Willy und Helene Schultz übernommen wurde“, sagt sie. Der „Gasthof Willy Schultz“ war damals weit über Tietzow hinaus bekannt. Sogar aus Berlin kamen Jagdpächter in Kutschen angereist. Nach dem Mauerfall baute Maria Schuppan das inzwischen verfallene Gebäude wieder auf und benannte es nach ihrer Großmutter Helene. 1993 wurde es mit zehn Einzelzimmern und elf Doppelzimmern sowie einem Restaurant eröffnet. Und Stammgäste mögen nicht nur die gute Küche von Wildgerichten bis hin zu Schmorgurken, sondern auch die familiäre Atmosphäre.

Von Christiane Flechtner

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