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Havelland Schöne und bedrohte Insektenvielfalt
Lokales Havelland Schöne und bedrohte Insektenvielfalt
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17:55 02.08.2017
Hört sich ungemütlich an, ist aber stark bedroht: Borstige Dolchwespe (Scolia hirta) Quelle: Hannes Petrischak
Elstal

In der Döberitzer Heide ist erstmal alles groß: die Weite der Landschaft, die Größe der Wildniskernzone und der Tiere, die darin leben. Viele Besucher kommen wahrscheinlich, weil sie die Wisent- oder Pferdeherden sehen wollen oder das große Rudel Hirsche oder wenigstens eine Rotte Wildschweine. Die Chancen dafür stehen ziemlich gut. Und trotzdem lohnt es sich, zwischendurch den Fokus neu zu justieren und auf Miniaturformat scharf zu stellen. Der beste Fachmann, den man sich dafür an seiner Seite wünschen kann ist Hannes Petrischak, der für die Sielmann-Stiftung die Naturlandschaften in Brandenburg bereut.

Hannes Petrischak schaut genau hin. Quelle: Ralf Stork

Petrischak ist gelernter Biologe, hat im Studium zu Schmetterlingen geforscht. Seine Begeisterung für Insekten und andere Wirbellose merkt man gleich, als er den Wagen in Höhe der Sitzbänke an der ehemaligen Eingewöhnungszone zum Halten bringt. Links hat man gute Sicht auf den kleineren Teil der Wildniskernzone. Wisente oder Wildpferde sind zwar nicht zu sehen, dafür eine Rotte Wildschweine mit Frischlingen. Die würdigt Petrischak kaum eines Blickes, sondern kniet sich stattdessen auf den sandigen Boden, um zu sehen, was dort kreucht und fleucht. Und springt und fliegt?! Wenn man über die trockene Wiese läuft, scheucht man immer wieder Heuschrecken auf. Einige von ihnen suchen in mächtigen Flug-Sprüngen das Weite. Dabei leuchten für einen kurzen Moment ihre pastellblauen Hinterflügel auf. „Das ist die Blauflügelige Ödlandschrecke“, weiß Hannes Petrischak. Die Tiere bevorzugen trockenwarme Ödlandflächen, sind auf den mageren Böden der Döberitzer Heide also bestens aufgehoben. „Es gibt viele Arten, für die die Döberitzer Heide und andere ehemalige Truppenübungsplätze ein wichtiges Rückzugsgebiet sind“, sagt Petrischak. Das ehemalige militärische Sperrgebiet wurde nie intensiv landwirtschaftlich genutzt und somit nicht gedüngt. Auf den mageren Flächen können sich somit konkurrenzschwache Pflanzen behaupten – und viele Insekten, die Licht und Sonne brauchen.

Die Borstige Dolchwespe zum Beispiel kommt im Mittelmeerraum häufig vor. In Deutschland ist sie vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Rund um den kleinen Aussichtsplatz an der Großen Wüste findet man auf Anhieb gleich mehrere Exemplare. Der Körper der etwa zwei Zentimeter langen Wespe ist glänzend schwarz mit zwei leuchtend gelben Binden am Hinterleib. Die ausgewachsenen Tiere sind friedliche Nektarsauger. Damit ihre Brut nach dem Schlüpfen genügend Nahrung hat, legen sie einen lebenden Vorrat an: Das Weibchen gräbt sich durch den Boden zu einer Käferlarve vor, die dann betäubt wird. Die Wespenlarven saugen zunächst nur an der Haut des Engerlings, fressen diesen im Laufe ihrer Entwicklung schließlich völlig leer.

Nach kurzem Suchen entdeckt Hannes Petrischak in einem Gespinst an der Spitze eines Grashalms den Dornfinger – immerhin die giftigste Spinne Deutschlands. Man sieht die winzigen Hügel, die Stierkäfer aufgeworfen haben, um Dung in denen von ihnen angelegten Gängen zu deponieren.

Argus-Bläulinge, Warzenbeißer, Kreiselwespen, Schillerfalter, Hosenbienen, Dukatenfeuerfalter – so viele fabelhafte Namen, so viele seltene Arten, für die Heide ein besonderer Rückzugsort ist. Wie viele es genau sind, kann niemand mit Sicherheit sagen.

„Es gibt ein paar ältere Monitoringberichte, in denen gefundene Arten aufgelistet sind“, sagt Petrischak. Ab 2018 will er zumindest für Wildbienen und Grabwespen ein regelmäßiges Monitoring etablieren. So lassen sich Veränderungen im Artenspektrum am leichtesten feststellen. Wählt man eine Fläche aus, die durch Beweidung von Wisent und Wildpferd allmählich lichter und offener wird, dürfte man eine deutliche Zunahme der seltenen Insektenarten beobachten – und so den Beweis antreten, dass das Offenhalten großer Flächen in der Döberitzer Heide ökologisch sinnvoll ist.

Das geht aber auch, wenn man nicht jede einzelne Heuschrecke und jede einzelne Wildbiene erfasst. „Es gibt bestimmte Charakterarten, die besondere Ansprüche an ihren Lebensraum stellen“, sagt Petrischak. Geeignete Kandidaten dafür wären die Kreiselwespe und die Sägehornbiene, die beide auf offene Böden und extensive Flächen angewiesen sind. Geht es den beiden Arten gut, fühlen sich auch andere Offenland liebende Arten wohl.

Auf der Rückfahrt zeigen sich dann noch zwei Charakterarten, die allerdings die Dimension der Wirbellosen schon wieder deutlich sprengen: Ein junger Steinschmätzer sitzt mitten auf dem sandigen Weg. Der Vogel, der offene, felsige Landschaften liebt, ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Kurze Zeit später sitzt ein Neuntöter auf einem Zaunpfahl. Auch diese Vogelart braucht sonnige offene Landschaften mit vielen Großinsekten.

Die Sielmann-Stiftung bietet am Sonntag, 27. August, eine Insektenführung durch die Döberitzer Heide an. Treffpunkt um 11 Uhr ist der Kreisel vor dem Eingang zur Döberitzer Heide in Elstal. Der Eintritt zu der Führung ist frei.

Von Ralf Stork

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