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Schönwalde-Glien Wilfried Seiring sammelt königliche Erlässe
Lokales Havelland Schönwalde-Glien Wilfried Seiring sammelt königliche Erlässe
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09:03 11.08.2018
Eine kleine Auswahl seiner Sammlung hat Wilfried Seiring gerahmt und an die Wand gehängt. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Schönwalde-Glien

Mit Bedauern musste Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg im Jahr 1636 erfahren, dass sich, unter den Handwerksgesellen, der Montag zu einem Tag gemausert hat, an dem Alkohol der Arbeit vorgezogen wird. Tumulte, Schlägereien und Totschlag in den Gassen waren die Folge.

Mit dem „Blaumachen“ sollte endlich Schluss sein. In einem königlichen Erlass vom 29. August forderte Georg Wilhelm, dass „ein jeder ein nüchternes, stilles Leben“ führe und auch am Montag im Haus des Meisters bleiben solle, um dort seiner Arbeit nachzugehen.

Seiring besitzt rund 200 Dokumente

Ein Exemplar des Ediktes des Kurfürsten hängt, fein säuberlich eingerahmt, an der Wand von Wilfried Seiring in Schönwalde. Der 83-Jährige nimmt es noch einmal herunter, um es genau zu lesen. Der frühere leitende Oberschulrat sammelt bereits seit vielen Jahren Edikte und Urkunden aus der Zeit der preußischen Herrscher in Brandenburg. „Ich besitze heute etwa 200 Dokumente aus der Zeit der großen Kurfürsten“, sagt er.

Die Themen der Erlässe sind äußerst verschieden und zum Teil ein wenig „pedantisch“, wie der Sammler selbst zugibt. „In Preußen musste halt alles seine Ordnung haben“, sagt er. So wurde unter anderem im Jahr 1774 „starkes Fahren“, also Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, untersagt. Ähnlich wie heute, nur, dass die Strafen zu dieser Zeit etwas härter waren. Raser mussten ihr Fahrzeug abgeben oder kamen sogar ins Gefängnis.

Kinder in den Ofen zu stecken war verboten

Ein Erlass aus dem Jahr 1722 verbietet hingegen, Kinder in den Backofen zu stecken. „Das hört sich zunächst lustig an, aber früher hat man die Kinder im Winter, wenn das Brot fertig gebacken war, häufig zum Aufwärmen in den noch warmen großen Ofen gesetzt“, so Wilfried Seiring. Da dabei jedoch hin und wieder ein Unglück geschah, wurde es schließlich von höchster Stelle verboten.

Wilfried Seiring hat einen ganzen Stapel aus Sammelmappen auf einem großen Esstisch in seinem Haus ausgebreitet. Neben den Edikten holt er auch Pässe, Gesellenbriefe, Eheverträge und andere Dokumente hervor. Was reizt ihn nur sehr an diesen alten Blättern? „Da ist zunächst das Interesse als Historiker, aber auch die simple Neugier über die damaligen Sorgen und Probleme der Menschen“, so Seiring. Zudem seien die Papiere , mit ihren Schnörkel-Schriften, äußerst ästhetisch.

Hintergrund

Am Montag herrschte für die Wollfärber im 17. Jahrhundert eine arbeitsbedingte Pause. Da die Wolle über das Wochenende im Färberbad lag und am Montag trocknen musste, nutzen sie die Zeit, sich dem Alkohol und Müßiggang zu widmen. Der Tag wurde daher auch „Blauer Montag“ genannt.

Bis heute hat sich die Redewendung „Blaumachen“ gehalten. Die blaue Farbe wurde übrigens mit Urin angesetzt. Je mehr Alkohol im Urin war, so heißt es, desto blauer strahlte die Farbe.

Wer sich nach 1636 dennoch nicht an das Verbot des blauen Montags hielt, dem drohte Gefängnis oder sogar die Vertreibung aus der Stadt.

Den Handwerksgesellen waren Zusammenkünfte jedoch nicht gänzlich verboten. Allerdings sollten sie dabei „Ordnung halten und keinen Überfluss in Fressen und Saufen vorgehen lassen“, heißt es in dem Erlass.

In dem Stapel auf dem Tisch findet sich auch das Objekt, mit dem einst alles begann. „Als junger Student ging ich über einen Flohmarkt am Berliner Nollendorfplatz und entdeckte plötzlich einen Passierschein von 1777“, erinnert er sich. Zehn Mark wollte der Händler dafür haben.

Der junge Geschichtsstudent überlegte kurz, ob er zehn Mark von seinem Einkommen, von gerade einmal 140 Mark, abzwacken könnte und schlug schließlich zu. „Heute ist der Schein etwa 400 Euro wert“, so Seiring. Den Sammler freut es auch, dass der Schein von der selben Passierstation stammt, durch die auch Goethe gehen musste.

Viele Themen tauchen heute wieder auf

Am meisten erstaunt den Schönwalder, wie groß die Parallelen zur heutigen Zeit sind. „Man staunt, dass eigentlich alles schon einmal passiert ist“, sagt er. So schreibt ein Edikt von 1682 vor, dass nur noch Eisen aus einer bestimmten Region eingeführt werden darf. „Das ist das gleiche, wie heute bei Donald Trump, der mit Einfuhrzöllen droht“, so Seiring.

Das Potsdamer Toleranzedikt von 1685 verlangte den Hugenotten gegenüber genügsam gesonnen zu sein, um deren Not erträglicher zu machen. Für Seiring eine deutliche Parallele zur Flüchtlingsdebatte. „Heute ärgern wir uns zudem über sogenannte „Fake-News“. In Potsdam verfügte der König schon im Jahr 1810 eine Verordnung gegen die Verbreitung schädlicher Nachrichten und Gerüchte. Das war nichts anderes“, sagt Seiring.

Von Danilo Hafer

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