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Schornstein hinterm Giebel versteckt

Tag der Architektur in Brieselang Schornstein hinterm Giebel versteckt

Mit einem Einfamilienhaus in Brieselang beteiligen sich zwei Falkenseer Architekten am Tag der Architektur. In die Gestaltung des Gebäudes sind viele Ideen geflossen, über die sich Interessenten am 26. Juni informieren können.

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Die beiden Architekten Benjamin und David Seidl (r.) führen am 26. Juni durch dieses Brieselanger Haus.

Quelle: Andreas Kaatz

Brieselang. An vielen Details des Einfamilienhauses in der Straße Am Wald 9 hat Architekt David Seidl seinen Anteil. Doch wie es im Dunkeln von außen wirkt, wenn der Schiebeladen vor dem Wohnzimmerfenster ist und das Licht durch die schmalen Ritzen zwischen den rustikalen Brettern scheint, das wüsste er gern. „Das muss toll aussehen“, meinte er jetzt.

Der einem Scheunentor nachempfundene große Schiebeladen zur Straße hin ist nur ein Detail, das dieses Haus von anderen unterscheidet. Aber es hält noch andere umgesetzte Ideen bereit, über die sich Interessenten am Sonntag informieren können. Denn David Seidl und sein Bruder Benjamin beteiligen sich mit diesem Objekt am diesjährigen Tag der Architektur. „Zum vierten Mal haben wir es geschafft, als eines von 40 Projekten von der Architektenkammer ausgewählt zu werden“, freut sich Benjamin Seidl.

Ursprünglich sollte an der Stelle gar kein neues Gebäude entstehen. Dort befand sich nämlich ein altes Siedlungshaus, wie es in Brieselang viele gibt. Der Eigentümer wollte es umbauen, musste allerdings feststellen, dass dies unwirtschaftlich wäre. Die vorhandene Bausubstanz erwies sich als viel zu schlecht. Aus dem Grunde fiel relativ schnell die Entscheidung, einen Neubau zu errichten, den man dann auch nach seinen eigenen Vorstellungen formen konnte.

Neun Monate dauerte der Bau. Im September 2014 erfolgte der Abriss des alten Hauses, 2015 konnten die neuen Mieter einziehen. Entstanden ist ein Haus, in das die Bewohner auch Erkenntnisse einfließen ließen, die sie bei Urlaubsreisen an die Ostsee gesammelt haben. Viele alte Gebäude dort haben den Eingang in der Mitte und einen mittig verlaufenden Flur, von dem rechts und links die Zimmer abgehen. Das fanden die Bauherren gut und lösten es jetzt ähnlich in ihrem Brieselanger Haus. Wenn sie im Garten sitzen, können sie sogar das Kaminfeuer am anderen Ende – im Wohnzimmer – sehen. Und wie im Norden, aber auch hin und wieder im Havelland üblich, verfügt ihr Haus über einen Schildgiebel, hinter dem sich das Dach versteckt. Verborgen ist dadurch auch der Schornstein, der mit der Giebelspitze abschließt.

„Es ist schon ein besonderes Einfamilienhaus geworden“, sagt David Seidl, der mit seinem Bruder auch viel auf Linienführungen geachtet hat. Nichts scheint dem Zufall überlassen – etwa bei der Anordnung der beiden Fenster zur Straßenseite hin. „Wir waren im ständigen Dialog mit den Bauherren“, sagt Benjamin Seidl, und sein Bruder fügt hinzu: „Der Bauherr ist der Chef, gibt die funktionalen Dinge vor, und wir bringen unser ästhetisches Vorstellungsvermögen mit ein.“Es gehe ihnen nicht darum, dass sich die Architekten ein Wahrzeichen setzen.

Immer wieder gab es Veränderungen, die abgesprochen werden mussten, so wie im Dachgeschoss. Anfangs sollten zur Gartenseite hin zwei Zimmer mit jeweils einem Fenster entstehen. Dann entschied sich aber der Bauherr, aus der Fläche ein großes Musikzimmer zu machen – mit einer großen Fensterfront. Bisher hat er es nicht bereut, da sich ein toller Blick in den Garten bietet. Und es gibt unter anderem noch ein Detail, das man nicht haben muss, aber das durchaus hilfreich ist: Vom Ankleideraum im Dachgeschoss führt ein Schacht in den Hauswirtschaftsraum. Darin findet die Schmutzwäsche ihren Weg nach unten – direkt in den Wäschekorb neben der Waschmaschine.

Selbst am Carport haben Bauherr und Architekten ihre Ideen eingebracht. Verbunden sind beide Bauten durch ein Glasdach, das als Vordach dient. So bekommt man auch bei Regen trockenen Fußes den Einkauf vom Auto ins Haus.

Von Andreas Kaatz

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