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Havelland Schule ist jetzt 100 Jahre alt
Lokales Havelland Schule ist jetzt 100 Jahre alt
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06:20 23.03.2016
Dagmar Grünert und Wieland Breuer vor dem geschichtsträchtigen Gebäude. Quelle: Andreas Kaatz
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Nauen

Ob Kurt Tucholsky jemals das Nauener Goethegymnasium besucht hat, dafür gibt es trotz hartnäckiger Gerüchteküche keinen Beleg. Fakt ist aber, dass Georg Ernst Bardey, nach dem in Nauen eine Straße benannt ist, als Oberlehrer dort tätig war. Er gilt zudem als wichtiger Geschichtsschreiber von Nauen. Und neben Countertenor Jochen Kowalski machte auch der ehemalige Landesbauernpräsident Udo Folgart an der Schule sein Abitur.

Folgart ist außerdem auch Schirmherr der Jubiläumsfeierlichkeiten an der Schule. Denn 2016 wird das Goethegymnasium stolze 100 Jahre alt und hat in dieser langen Zeit viel erlebt. Mehrfach wechselte seine Bezeichnung. Ab 1. Oktober 1916 war das vom Architekten Max Taut errichtete Gebäude in der Parkstraße Domizil des Realgymnasiums. Später wurde daraus ein Reformrealgymnasium, und in der 1930er-Jahren erhielten dort die Schüler in einer Oberschule Unterricht. 1949 trug die Schule erstmals den Namen Goethes – was sich bis heute nicht geändert hat.

Die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten laufen seit Ende 2013, das Programm steht. Startschuss war der Tag der offenen Tür im Januar. Unter anderem gaben Schüler und Lehrer nach dem Vorbild des berühmten Rühmann-Films „Die Feuerzangenbowle“ unter großem Beifall mal eben die „alkoholische Gääährung“ zum Besten und zeigten auch sonst, wie Unterricht vor 100 Jahren ausgesehen hat.

„Die Atmosphäre an dem Tag war sehr gut“, sagt Dagmar Grünert. Die Lehrerin leitet die Steuerungsgruppe, die sich mit dem großen Schulgeburtstag befasst. Weitere Höhepunkte stehen aber noch bevor: am 15. Juli das Fest unter dem Motto „Schule wie vor 100 Jahren“ – organisiert von der 11. Jahrgangsstufe – und im Oktober die Festveranstaltung mit geladenen Gästen. Als krönender Abschluss folgt das Treffen der Ehemaligen im Juni 2017 in Paaren im Glien. „Ich hoffe, wir kommen von der Gästezahl her wieder in die Nähe des Treffens im Jahre 2007. Da waren es knapp 1500“, sagt Schulleiter Wieland Breuer.
Das Feiern ist für ihn die eine Sache, „aber wichtiger ist uns, dass wir die Schüler in die Vorbereitung und Gestaltung des Festjahres einbeziehen“, sagt er. Denn dadurch seien sie angehalten, sich mit der Schule und ihrer Geschichte zu befassen. Einen Anteil dazu leistet unter anderem der Wahlpflichtkurs Klasse 9/10, der sich speziell mit 100 Jahre Goethegymnasium befasst. Die Mädchen und Jungen haben unter anderem ehemalige Schüler und Lehrer aufgestöbert und mit ihnen Interviews geführt. Zudem behandelte der Kunstkurs von Jacqueline Ginnold die Architektur von Max Taut.

Wie es zur Eröffnung des Hauses war, darüber hatte das Nauener Kreisblatt 1916 ausführlich berichtet. Doch nicht für jede Zeit ist genug Material vorhanden. „So war die Recherche zur Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges schwierig“, sagt Dagmar Grünert. Wieland Breuer hat zumindest von jemandem, der 1935 die Schule verlassen hat, erfahren, dass es nach 1933 keinen großen Bruch gegeben haben soll. „Allerdings wurde der Schulleiter ausgewechselt und es wurde politischer.“ Von der Kriegszeit weiß man, dass in dem Bau ein Lazarett untergebracht worden war. Allerdings wird noch weiterrecherchiert, auch mit Hilfe der Heimatfreunde und des Stadtarchivs. „Da haben wir große Unterstützung“, sagt Dagmar Grünert.

Momentan wird noch an einer Art Festschrift gearbeitet und auch an einer Zeitkapsel mit Zeitung, Münzen und anderem, die in die Erde eingelassen werden soll. Sie soll jene Kapsel ersetzen, die in den 1980er-Jahren auf dem Schulhof versenkt wurde. Wo ganz genau, weiß niemand. „Es gibt noch Kollegen, die sich daran erinnern. Aber wir werden wohl ein paar Probebohrungen machen müssen“, sagt Breuer schmunzelnd.

Er ist der 17. Schulleiter in der Geschichte des Hauses – im Amt seit 2006. Auch schon eine ordentliche Zeit. Aber er reicht noch lange nicht an Charlotte Wiedemann heran, die immerhin 30 Jahre lang Direktorin war – von 1952 bis 1982.

Von Andreas Kaatz

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