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Havelland Schwere Vorwürfe gegen Immobilienkonzern
Lokales Havelland Schwere Vorwürfe gegen Immobilienkonzern
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02:15 27.04.2017
Sanierte Wohnblöcke in der Schulstraße in Elstal. Nur weniger Meter weiter sollen bald neue Häuser entstehen. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Elstal

Von außen betrachtet ist die Eisenbahnersiedlung in Elstal ein Schmuckstück. Frische Farben an den Fassaden, erneuerte Dächer und Fenster. Vor den Häusern wurden die Gehwege in Ordnung gebracht. Viel Lob bekam der Eigentümer – die Deutsche Wohnen AG – dafür in der jüngeren Vergangenheit: von der Gemeinde Wustermark, von den Mietern und nicht zuletzt vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, dem Bund Deutscher Architekten und dem Deutschen Städtetag, die das Unternehmen 2015 mit einem Deutschen Bauherrenpreis geehrt haben.

Doch hinter der Fassade bröckelt es offenbar. Jetzt liegt ein Gutachten von Heinz-Josef Bontrup, Wirtschaftsprofessor an der Westfälischen Hochschule Recklinghausen, vor, das zu dem Ergebnis kommt: „Die Deutsche Wohnen blutet aus. Davon profitieren die Aktionäre – und den Preis zahlen die Mieter.“ In Auftrag gegeben hatten das Gutachten die Linksfraktionen im Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus, nachdem „die Beschwerden über ungerechtfertigte Mieterhöhungen, Schimmel in den Wohnungen, mangelnde Serviceleistungen in Berlin und Elstal zugenommen hatten“, erklärt der Wustermarker Gemeindevertreter Tobias Bank (Die Linke).

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen AG ist mit seinen Tochtergesellschaften eine der fünf größten europäischen börsennotierten Immobilien-Gesellschaften und die zweitgrößte Immobiliengesellschaft Deutschlands. „In Berlin und Umland, darunter in Elstal, hat das Unternehmen rund 110 000 Wohnungen.

„Das Ergebnis des Gutachtens bestätigt vieles, was schon vermutet wurde“, so Bank mit Blick auf die Bauvorhaben des Konzerns in der denkmalgeschützten Eisenbahnersiedlung in Elstal. „Dort gab es vermehrt Beschwerden über Schimmel. Andere werfen der Deutschen Wohnen die Nichtanerkennung des Mietspiegels vor. Wieder anderen wurden über Jahrzehnte lang bewirtschaftete Gärten gekündigt und Jahrzehnte lang genutzte Loggien zu von außen begehbaren Balkons umgebaut“, so der in Elstal wohnende Tobias Bank. Er erinnert auch an den „fragwürdigen Abriss der alten Drogerie und fehlende Kellerisolierungen“ in der Eisenbahnersiedlung.

Gutachter Heinz-Josef Bontrup kommt in seiner Analyse außerdem zu dem Schluss: Die Ausschüttung der Renditen bei der Deutschen Wohnen AG geht zu Lasten der Substanz des Unternehmens. „Dies spüren die Mieter als erste.“ Im Durchschnitt soll die Rendite auf das Eigenkapital zwischen 2012 und 2015 etwa 18,7 Prozent betragen haben. Sechs Prozent seien bei Immobiliengeschäften normal. „Alles darüber ist unanständig“, meint Bontrup. Eine hohe Rendite ergibt eine hohe Dividende für die Aktionäre. 182 Millionen Euro sollen es 2015 gewesen sein. 2014 waren es etwa 136 Millionen, so das Gutachten. „Es scheint saniert zu werden, jedoch nicht zugunsten der langfristigen Wohnqualität, sondern nur um Mieterhöhungen durchzusetzen“, mutmaßt Bank.

In Sachen Denkmalschutz in der Eisenbahnersiedlung erwarte er Unterstützung vom Land Brandenburg. Es könne nicht sein, dass private Hausbesitzer den Briefschlitz keinen Zentimeter verbreitern dürften, aber Immobilienkonzerne Balkons und Gauben bauen dürfen, die nichts mit dem historischen Vorbild zutun hätten. „Der Deutschen Wohnen gehört der Bauherrenpreis 2015 aberkannt, solange es Beschwerden in diesem Ausmaß gibt“, so Bank.

Zu konkreten Vorwürfen aus dem Gutachten wollte sich die Deutsche Wohnen am Montag nicht äußern. Mitarbeiter Marko Rosteck: „Wir wurden zu dem Gutachten von dem Gutachter weder kontaktiert noch inhaltlich befragt. Alle bisherigen Baumaßnahmen in Elstal erfolgten in Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Auch die geplante behutsame Verdichtung der Eisenbahnersiedlung werden wir mit allen wesentlichen Akteuren diskutieren.“

Von Jens Wegener

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