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Schwierige Suche nach der Wahrheit

Rathenow: Prozess um mutmaßliche Körperverletzung Schwierige Suche nach der Wahrheit

Die Wahrheit liegt oft in der Mitte. Wo genau, das blieb in einer Verhandlung am Dienstagmorgen im Rathenower Amtsgericht offen. Der 33-Jährige Tobias H. stand wegen Körperverletzung vor Gericht. Er wurde beschuldigt, Uwe R. nach einem Verkehrsunfall in der Rathenower Goethestraße im September 2014 mit dem Kopf gegen dessen PKW geschlagen zu haben.

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Quelle: dpa

Rathenow. R. erlitt daraufhinein Schädelhirntrauma erlitt. Die Schilderungen des Tathergangs gingen allerdings soweit auseinander, dass sowohl der Staatsanwalt als auch Strafrichter Robert Ligier Mühe hatten, die Wahrheit zu finden.

Unstrittig ist der Hergang des Verkehrsunfalls: In einer Straßeneinengung waren beide Fahrzeuge so dicht aneinander geraten, dass die Spiegel der PKW beschädigt wurden. Fahrzeugführer waren R. und die Freundin des Angeklagten. „Nach dem Zusammenstoß stieg R. aus und pöbelte sofort meine Freundin an“, erklärte H. dem Gericht.

Provokativ habe R. gefragt, wo seine Freundin ihren Führerschein gemacht habe. „Ich habe ihm gesagt, er soll runterkommen, ansonsten hole ich die Polizei“, so der Angeklagte. Daraufhin habe sich R. plötzlich hollywoodreif auf die Straße fallen lassen und wollte auch nicht mehr aufstehen. Als ein weiteres Fahrzeug hinzu kam, habe H. versucht, R. von der Fahrbahn zu holen. „Ich habe ihn nicht geschubst. Ich habe ihm sogar die Hand gereicht und gesagt, komm steh auf.“

Ganz anders klang das bei R.: Im Kneipenjargon hätten H. und seine Freundin ihn beschimpft. Anders als H. konnte sich der Geschädigte aber nicht erinnern, was die beiden sagten. Danach hätte H. ihn plötzlich von hinten im Genick gepackt und seinen Kopf auf das Autodach geschlagen. Auf die Frage des Richters, an welcher Stelle er verletzt wurde und wie die Verletzung aussah, verwies R. nur auf das medizinischem Gutachten. „Sie haben die Verletzung doch erlitten, dann müssen sie auch wissen, wie sie aussah“, so Ligier.

„Wie eine solche Verletzung eben aussieht“, lautete R.s Antwort. Durch den Schlag sei zudem eine Beule am Fahrzeug entstanden. Die wollte sich der Richter persönlich anschauen. Also verließ man gemeinsam den Gerichtssaal, um das Fahrzeug zu begutachten.

R. deutete auf eine nicht zu übersehende Delle oberhalb der Fahrertür. Die Frage, ob er sicher sei, dass diese Beule nicht schon vor dem Unfall vorhanden war, beantwortete R. klar mit ja. Der PKW wies eine fast identische Beule auf gleicher Höhe der Beifahrertür auf.

Laut medizinischem Gutachten hatte R. ein Schädelhirntrauma sowie eine kleine Prellung an der Stirn erlitten. Allerdings hatten Richter und Staatsanwalt erhebliche Zweifel daran, dass die Verletzung so entstand wie R. es schilderte. Sollte ein Schlag mit dem Kopf die Beule am Auto verursacht haben, hätte R. wohl weit mehr als eine kleine Prellung davon getragen.

Auf die Vernehmung von drei weiteren Zeugen verzichtetet das Gericht. Man ging davon aus, dass ihre Aussagen zur Wahrheitsfindung kaum beigetragen hätten. Stattdessen einigte sich Richter Ligier mit der Staatsanwaltschaft und dem Anwalt des Angeklagten auf einen Beschluss: H. muss 300 Euro an R. zahlen. „Damit ist dem Rechtsfrieden mehr gedient, als hätte ich ein Urteil gesprochen“, erklärte Ligier. Der Angeklagte Tobias H. ließ sich darauf ein.

„Ich werde den Betrag zahlen, um endlich damit abschließen zu können“, so H. Ganz wird er das allerdings nicht tun können. Denn eine zivilrechtliche Klage auf Schmerzensgeld steht noch aus und wird in Kürze ebenfalls vor dem Amtsgericht verhandelt.

Von Christin Schmidt

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