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Schwimmen nur unter Auflagen

Strandbadpächter verwehrt blinder Brieselangerin den Zugang Schwimmen nur unter Auflagen

Elfriede Koch aus Brieselang ist blind, geht aber trotzdem gern im Nymphensee schwimmen. Seit einiger Zeit verwehrt ihr jedoch der Strandbadpächter den Zugang. Weil Elfriede Koch im Vorjahr im Wasser einen Schwächeanfall erlitt, darf sie nun erst dann wieder ins Wasser, wenn sie eine Begleitung vorweist, die im Ernstfall professionelle Hilfe leisten kann.

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Elfriede Koch (l. mit ihrer Bekannten Corine t’ Hart am Tor zum Strandbad.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Brieselang. Elfriede Koch schwimmt für ihr Leben gern im Nymphensee – und das, obwohl sie blind ist. Ohne Begleitung kann die Seniorin jedoch nicht ins Wasser, um nicht die Orientierung zu verlieren. Oft ging sie deshalb mit einer Freundin schwimmen. Und wenn die nicht konnte, „bin ich darauf angewiesen, andere Badegäste höflich zu bitten, ob sie eine Runde mit mir schwimmen möchten. In der Vergangenheit habe ich damit keine schlechten Erfahrungen gesammelt und stets hilfsbereite Menschen aller Altersgruppen gefunden“, sagt die 75-Jährige.

Als sie jedoch unlängst ihre vorbestellte Saisonkarte fürs Strandbad abholen wollte, wurde ihr dies verwehrt. „Mir wurde gesagt, dass ich die Karte nur unter Vorlage eines ärztlichen Attestes erhalten könnte“, sagt die Brieselangerin. Hintergrund ist, dass die Seniorin im Vorjahr im Wasser einen leichten Schwächeanfall erlitt. Aufgrund dieser Vorgeschichte – in Verbindung mit dem Handicap ihrer Blindheit – will sich der Pächter des Bades absichern.

„Ich finde es toll, dass sie noch agil ist und dass das Schwimmen ihr gut tut“, sagt Kristina Lüthgens vom Pächter. Sie verweist aber darauf, dass es sich um ein nicht barrierefreies Wald- und Wiesenbad handelt. Die Frau könne durchaus schwimmen gehen, aber nur in Begleitung und diese Person müsse schriftlich darlegen, „dass sie die Verantwortung für Frau Koch übernimmt und in der Lage ist, sich selbst und Frau Koch im Ernstfall zu retten“, sagt Kristina Lüthgens. Das Eintrittsgeld würde man der Begleitperson erlassen. Jemanden einzustellen, der mit Elfriede Koch schwimmen geht, dafür habe man keine Mittel. Der Rettungsschwimmer müsse auch andere Badegäste wie Kinder mit im Blick haben. Sie lehnt es zudem ab, dass die Seniorin andere Badegäste anspricht, darunter Kinder, mit ihr schwimmen zu gehen. Die würden nämlich eine riesige Verantwortung übernehmen, der sie nicht gewachsen sind. „Sie bringt andere dadurch mit in Gefahr.“

Bürgermeister Wilhelm Garn kann die Argumente des Pächters durchaus nachvollziehen. „Er hat schon recht, es muss jemand mit Erfahrung dabei sein. Da unterstützen wir ihn in seiner Forderung“, sagt er. Kurt Jakob, Seniorenbeiratsvorsitzender, kennt das Problem ebenfalls: „Es geht hier auch um Verantwortung. Ich habe ihr nahegelegt, sich mit der DLRG in Verbindung zu setzen.“ Dass man Elfriede Koch das Schwimmen verwehrt, kann hingegen Corine t’Hart nicht verstehen. Sie ist öfter mit Elfriede Koch schwimmen gegangen und meint: „Das Risiko, einen Schwächeanfall zu erleiden, ist bei Frau Koch auch nicht größer als bei anderen 60- bis 70-Jährigen. Was jetzt geschieht ist nichts anderes, als dass sie vom öffentlichen Leben ausgegrenzt wird.“Sie möchte nun, dass die Gemeinde eine Aussprache macht.

Eine Aussprache hält auch der Behindertenbeauftragte des Landes Brandenburg Jürgen Dusel für das Sinnvollste: „Ich plädiere dafür, dass sich die Beteiligten moderiert an einen Tisch setzen, um die Sache ohne Emotionen zu klären.“ Allein die Blindheit der Frau könne aber kein Grund sein, dass man ihr das Schwimmen verwehrt. In Begleitung sollte es möglich sein.

Elfriede Koch hofft eine Lösung : „Das Schwimmen in den Sommermonaten hat mich fürs ganze Jahr fit gemacht und es wäre für mich ein großer Verlust, wenn ich darauf verzichten müsste. Auch bedeutet für mich als Blinde das Schwimmen im Nymphensee eine Teilnahme am öffentlichen Leben.“

Von Andreas Kaatz

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