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Schwimmen ohne Chlorbelastung

Premnitz Schwimmen ohne Chlorbelastung

Vor fünf Jahren stand das Premnitzer Freibad vor dem Aus. Dass es nicht so weit kam, ist dem Verein „Naturbad Premnitz“ zu verdanken, der den Betrieb des Bades 2013 übernommen hat. Zwar kommt das Freibad nicht ohne städtischen Zuschuss aus, aber der konnte nun auf rund 120 000 Euro pro Jahr reduziert werden.

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Mathias Hohmann, Vorsitzender des Vereins Naturbad Premnitz, vor dem großen Becken.

Quelle: Markus Kniebeler

Premnitz. Es ist noch keine fünf Jahre her, das stand das Premnitzer Freibad vor dem Aus. Schon seit Jahren ächzte die Stadt unter dem jährlichen Zuschuss in Höhe von 360 000 Euro. Weil diese fortwährende Belastung des Etats nicht mehr zu verantworten war, wollten die Stadtverordneten die Reißleine ziehen und die Einrichtung schließen. Dass es das Bad heute noch gibt, ist dem Verein „Naturbad Premnitz“ zu verdanken, der den Betrieb des Bades 2013 übernommen hat. Zwar kommt das Freibad nicht ohne städtischen Zuschuss aus, aber der konnte in der neuen Organisationsstruktur auf rund 120 000 Euro pro Jahr reduziert werden.

Die Umstellung von einem Ganzjahres- auf einen Saisonbetrieb war nach Auskunft des Vereinsvorsitzenden Mathias Hohmann der Schlüssel zum Erfolg. Früher seien im Fit-Point Fachkräfte das ganze Jahr hindurch tätig gewesen. Das neue Personalkonzept sei auf einen Saisonbetrieb von 17 Wochen im Jahr zugeschnitten. „Dadurch sparen wir eine Menge Geld“, so Hohmann.

Der Vereinsvorsitzende verschweigt dabei nicht, dass es nicht einfach ist, Personal zu rekrutieren. „In diesen 17 Sommerwochen geht es richtig zur Sache, an sieben Tagen in der Woche.“ Aber man habe es geschafft, engagierte Mitarbeiter zu gewinnen. 21 Saisonkräfte kümmern sich um den reibungslosen Betrieb des Bades – Rettungsschwimmer, Reinigungspersonal, Grünpfleger und Imbissbetreiber. Mittlerweile habe man ein zuverlässiges, eingespieltes Team zusammen, so Hohmann.

Die rund 80 Metzer lange Rutsche – einer der Attraktionen des Freibades

Die rund 80 Metzer lange Rutsche – einer der Attraktionen des Freibades.

Quelle: Markus Kniebeler

Wer zum letzten Mal vor der Übernahme des Bades durch den Verein dort war, der wird die entscheidende Neuerung, die mit der Eröffnung des Bades im Frühjahr 2014 in Kraft trat, gleich bemerken – vielleicht sogar riechen. Das typische Chloraroma, das man von herkömmlichen Bädern gewohnt ist, liegt nicht mehr in der Luft. Das hat einen guten Grund: Das Wasser wird nicht mehr chemisch, sondern biologisch gereinigt. Und zwar mithilfe eines riesigen Naturfilters, der im hinteren Bereich des Geländes installiert wurde. Das verbrauchte Wasser sickert durch eine rund 1,50 Meter dicke Kalkkies-Schicht und wird dabei von Schmutzpartikeln und Bakterien befreit. „Die regelmäßigen Wasserbeprobungen durch das Gesundheitsamt des Kreises bescheinigen und beste Werte“, sagt Hohmann. Und die Besucher seien froh, dass der zuweilen penetrante Chlorgestank der Vergangenheit angehört. Auch über gerötete Augen und Hautreizungen muss niemand mehr klagen.

Beheizt wird das Premitzer Freibad übrigens nicht mehr. Auch das ist ein Beitrag zu Kostensenkung. Anfangs habe es durchaus Klagen von Schwimmern gegeben, gibt der Vereinsvorsitzende zu. Mittlerweile hätten sich aber alle an das 16 bis 18 Grad frische Wasser gewöhnt.

Ein Besuch in der vergangenen Woche liefert den Beweis. Zwei Ferienhortgruppen haben es sich auf den weiträumigen Grünanlagen bequem gemacht. Und als die Kinder ins Becken dürfen, zucken nur ganz wenige zurück. Am Ende tobt der ganz Haufen fröhlich im Wasser umher.

Diese Momentaufnahme sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Badelust in diesem Sommer in Grenzen hält. Die häufigen Regentage haben viele Menschen vergrault. „Bislang liegt der Besucherschnitt bei 76 Prozent eines normalen Jahres“, hat Hohmann ausgerechnet. Wer im Wetterbericht dauernd von unbeständiger Witterung mit hoher Regenwahrscheinlichkeit höre, der streiche den Freibadbesuch von der Liste. „Unser Geschäft ist nun mal extrem abhängig vom Wetter“, sagt er. „Ein verregneter Sommer verhagelt das Geschäft.“

Kuriose Notiz am Rande: Als in Premnitz die Naturbad-Idee heranreifte, besuchten Hohmann und Vertreter der Stadt bereits bestehende Naturbäder in Borkheide und Brück. Aber statt eines dort besichtigten Nassfilters entschieden sich die Premnitzer für die Installation eines sogenannten Neptunfilters, der das Wasser auf die oben beschriebene Weise reinigt. „Vor kurzem haben uns die Badbetreiber aus Borkheide besucht, um sich über unsere Filteranlage zu informieren“, erzählt Hohmann. Der Besuch hat offenbar Eindruck hinterlassen. Im Borkheider Bad wird nun der alte Filter durch einen Neptunfilter nach Premnitzer Vorbild ersetzt.

Von Markus Kniebeler

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