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Seeburger Idylle mit Kratzern

MAZ-Serie Seeburger Idylle mit Kratzern

Die MAZ-Serie „Zuhause in...“ macht heute in Seeburg Station. Der Ortsteil von Dallgow-Döberitz hat seine Einwohnerzahl seit der Wende verdreifacht. Das Dorf punktet mit Natur, Tieren und Sportangeboten, hat aber Sorgen mit dem Sportplatz und dem Zustand der Landesstraße.

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Stefanie Bartsch mit ihren Lamas: der braunen Lucy und dem gescheckten Amaso

Quelle: Peter-Paul Weiler

Seeburg. Die Trainerkarriere von Pál Dárdai begann in Seeburg. Damals wohnte der heutige Hertha-Coach in dem kleinen Dorf, seine Söhne kickten im Seeburger SV ’99. „Wir haben immer mal Väter gefragt, ob sie die Kleinen trainieren“, sagt Vereinsvorsitzender Peter Wersig, „da haben wir auch Pál Dárdai gefragt. Er hat ja gesagt.“

Wersig war einer der ersten Großstädter, die gleich nach der Wende raus ins Grüne zogen. Er baute in Seeburg, über den Sohn kam er zum Sportverein, den er seit 2008 als Vorsitzender führt. Beruflich ist er beim Energieunternehmer Vattenfall als Datenschutzbeauftragter aktiv. Daneben ist er viel für den Verein unterwegs, die Arbeit leistet er wie alle anderen im Verein ehrenamtlich.

Etwa 300 Mitglieder zählt der Seeburger SV, der 1999 mit einer Badmintontruppe loslegte. Heute geben die Fußballer im Verein den Ton an. Mit Fechten haben es die Seeburger auch mal versucht, aber die Miete auf dem Gut Seeburg war zu teuer geworden. „Wir wollen nicht elitär sein, sondern setzen auf Breitensport“, sagt Peter Wersig. Heute gibt es Abteilungen im Reiten und in Gymnastik, die kleinen und größeren Jazz-Dancerinnen treffen sich in der Havellandhalle. Ein Badmintonfeld wollen die Seeburger einrichten und so an ihre Anfänge anknüpfen.

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Östlicher Vorposten des Havellandes: Seeburg, ein Ortsteil von Dallgow-Döberitz

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Gespielt wird auf einem Platz, den schon die Kicker des 1958 gegründeten Traktor Seeburg nutzten. Inzwischen ist der Platz hergerichtet, hat eine Flutlichtanlage. Aber glücklich sind die Seeburger trotzdem nicht. Sie wünschen sich ein ordentliches Vereinshaus, müssen statt dessen mit Umzieh- und Toilettencontainern vorlieb nehmen. Der Sportplatz von Seeburg ist so etwas wie die Dauerwunde der Gemeinde, denn er gehört ihr nicht. Anfang der Neunziger Jahren wurde die Fläche verkauft, der Verein hat lediglich eine Art Nutzungsrecht. Richtig geklärt wurde das Dilemma bis heute nicht, die Gemeinde wollte die Fläche vom Besitzer zurückkaufen, Der will in Seeburg einen Golfplatz und ein großes Golfhotel errichten und türmte immer wieder neue Hürden auf. Eine greifbar geglaubte Lösung Ende des Jahres scheiterte erneut.

Während die Seeburger weiter auf die Umsetzung der Golf-Pläne warten, können sie schon mal ausgiebig Mini-Golf spielen. Auf dem Platz an der Havellandhalle wimmelt es am Wochenende vor Besuchern, Seeburg ist zu einem Magneten für Sport- und Fitnessfreunde geworden. Und die kommen nicht nur aus dem Havelland, sondern auch aus Berlin, Groß Glienicke und Potsdam.

„Wir leben hier im Dreiländereck“, sagt Manfred Seelke. „Das hat Vor- und Nachteile, wie wir bei der Auflösung von Havelbus sehen.“ Seeburg wird nicht mehr von der Buslinie 639 angefahren, die zwischen Spandau und Potsdam verkehrt, die Lösung mit dem Zubringer wird kaum angenommen. Und auch das leidige Problem „L20“ wäre vielleicht besser zu lösen, wenn der Ort nicht so am Rande läge. 10 000 Fahrzeuge werden hier täglich gezählt, der Zustand der Ortsdurchfahrt ist schlecht. Manfred Seelke, der an der Straße eine Autowerkstatt betreibt, beklagt den Zustand oft und an vielen Stellen. Aber Aussicht auf Besserung ist gering. Die Pressestelle des Infrastrukturministeriums sagt dazu: Der Zustand der Ortsdurchfahrt ist nicht gut, Schäden werden ausgebessert, aber ein grundhafter Ausbau ist angesichts der gesamten Aufgaben im Land in absehbarer Zeit nicht zu realisieren.

Angesichts knapper Kassen werden die Seeburger wohl noch eine Weile kämpfen müssen. Schließlich sind sie durchaus als „streitbare Seeburger“ bekannt, wie Carlo Schmidt es nennt. Er wohnt seit 18 Jahren in Dallgow, hat sich aktiv in die Kommunalpolitik eingemischt. „Das gab manche Auseinandersetzung zwischen Seeburg und Dallgow, aber jetzt herrscht konstruktiver Frieden“, meint er.

Die Seeburger haben schon mehrfach Stärke bewiesen. So haben sie 2003 dafür gestimmt, den Landkreis zu wechseln. Sie wollten nicht vom „Amt Fahrland“ untergebuttert werden. So haben sie ihre im Krieg zerstörte Kirche innerhalb eines Jahres wieder aufgebaut. „Das hat dazu beigetragen, dass sich Ost- und Westdeutsche nahegekommen sind“, sagt Gabriele Sommer, die vor zwanzig Jahren nach Seeburg kam.

Der Ort hat viele Neu-Seeburger, manche zogen wieder fort wie die prominenten Sportler Zecke Neuendorf und Christian Fiedler. Aber der Ort ist weiterhin beliebt. 1128 Einwohner sind Mitte März für den Dallgower Ortsteil gezählt worden.

Nicht jeden, aber viele kennt Marion Schulz. Sie betreibt den kleinen Backshop in der Dorfmitte. Ob Schrippen, Brötchen oder Semmeln – die Kundschaft ist landsmannschaftlich bunt gemischt. Backwaren, Zeitungen und Zigaretten hat Marion Schulz in ihrem Laden. Handwerker nehmen einen Imbiss, Frauen treffen sich hier zur Kaffee-Schwatz-Runde. Zu Wahlzeiten schauten auch die Bürgermeisterbewerber alle mal vorbei, um mit dem Volk ins Gespräch zu kommen, erzählt Marion Schulz. „Seeburg ist wie Urlaub“, sagt sie, „aber das haben wir erst gemerkt, als wir weggezogen waren.“ Über den Umweg Groß Glienicke und Falkensee ist sie jetzt wieder in Seeburg mit dem vielen Grün gelandet.

Aus dem Grün schlägt auch der Seeburger SV Kapital: Er hat vor Jahren den Seeburger Feld-, Wald- und Wiesenlauf ins Leben gerufen. Im vergangenen Jahr musste er wegen Waldbrandgefahr ausfallen, nun soll es am 4. Juni eine Neuauflage geben.

Von Marlies Schnaibel

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