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Seit 25 Jahren dem Wetter auf der Spur

Wetterbeobachtung Seit 25 Jahren dem Wetter auf der Spur

Jeden Morgen um 6.50 Uhr gilt der erste Blick dem Auffangbehälter im Garten. Roswitha Kästner aus Vieritz im Havelland schaut nach, ob es geregnet oder geschneit hat und misst nach, wie viel Niederschlag vom Himmel fiel. Das macht sie jeden Tag – und das mittlerweile seit 25 Jahren!

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Roswitha Kästner (Mitte) mit Ingrid Woelk (l.) und Maria Funk vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam.

Quelle: Ch. Schmidt

Vieritz. Seit 25 Jahren hat Roswitha Kästner das Wetter im Blick. Allerdings nicht so, wie jene Hobbywetterfrösche, die vom Sofa aus einen schlauen Blick auf ihre digitale Wetterstation werfen. Die gebürtige Vieritzerin schaut jeden Morgen um 6.50 Uhr, in der Sommerzeit um 7.50 Uhr in den Auffangbehälter auf ihrem Hof. Ist Regen oder Schnee gefallen, misst sie genau nach und meldet die Daten der Regionalen Messnetzgruppe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Potsdam.

Als Würdigung ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit im Wetterbeobachtungsdienst wurde Roswitha Kästner am Dienstag in Milow die Wetterdienstplakette überreicht. „Roswitha Kästner hat einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wettervorhersage und Klimaüberwachung geleistet. Davon profitieren alle Bürger, denn die Auswirkungen des Wetters und Klimas betreffen jeden von uns“, machte Ingrid Woelk, Meteorologin und stellvertretende Leiterin der regionalen Messnetzgruppe in Potsdam, deutlich.

Zur Ehrung war auch Michael Lorenz, Ortsvorsteher in Großwudicke, als Vertretung für den kranken Bürgermeister Felix Menzel gekommen. „Ich staune, dass sogar das Wetter indirekt vom Ehrenamt beeinflusst wird“, bemerkte Lorenz mit einem Lächeln und zollte Respekt für so viel Fleiß und Engagement. Tatsächlich sei vielen gar nicht bekannt, dass so viele Bürger ehrenamtlich das Wetter beobachten, bestätigte Maria Funk. Sie betreut für den DWD in Potsdam ehrenamtliche Messstellen, von denen es in ganz Deutschland rund 1800 gibt.

Vieritz hat seit über 60 Jahren eine Messstelle

Seit 1952 hat man in Vieritz das Wetter im Blick. Roswitha Kästner hatte die Tätigkeit von ihrem Vater Arthur Rossa 1991 übernommen. Der hatte fast zehn Jahre lang den Niederschlag gemessen. „Es war in unserem Dorf sozusagen beheimatet“, so Kästner. Bis Ende 2011 hatte sie nicht nur den Niederschlag gemessen, sondern zudem akribisch den Wetterverlauf beobachtet. Neben ihrer Arbeit als Religionslehrerin an fünf verschiedenen Schulen, erfasste sie Gewitter, Hagelschauer und Schneestürme, notierte Nebel oder Sturmschäden. „Es ist eigentlich nicht so viel Arbeit. Das Ganze geht einem in Fleisch und Blut über. Man darf aber nicht vergessen, dass es eine tägliche Aufgabe ist. Egal ob Wochenende oder Weihnachten ist, es muss jeden Tag erledigt werden.“

Nachfolger dringend gesucht

Früher wurde Kästner von ihren Eltern und ihren Söhnen unterstützt, inzwischen muss sie sich aber allein kümmern. Ab und zu hilft ihr Nachbar aus. Auf Dauer sei das aber keine Lösung. Deshalb möchte sie das Amt dringend abgeben. Seit Herbst sucht der DWD in Vieritz einen Beobachter der die Messreihe an der nebenamtlichen Niederschlagsstation fortsetzt.

„Ganz wichtig für diese Aufgabe ist Zuverlässigkeit“, betont Ingrid Woelk. Außerdem müssen Interessenten über ein geeignetes Gartengrundstück mit freier Fläche verfügen, auf dem ein Niederschlagsmesser aufgestellt werden kann. Der Beobachter muss jeden Morgen die in den letzten 24 Stunden gefallene Niederschlagsmenge messen und notieren. Da die Daten inzwischen digital übermittelt werden, sollte der künftige Wetterfrosch auch einen PC oder ein Smartphone mit Internetverbindung haben. Mehr Informationen gibt es im Internet auf www.dwd.de.

Im Dienste der Wetter- und Klimaforschung

Der Deutsche Wetterdienst ist mit seiner Zentrale in Offenbach am Main und den großen Niederlassungen in Potsdam, Essen, Leipzig, Stuttgart, München und Hamburg in jeder Region Deutschlands präsent.

Die Kernaufgaben der Potsdamer DWD-Experten sind Wettervorhersagen für die Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Klimaberatung für Berlin und Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Darüber hinaus beherbergt die Niederlassung Potsdam die Regionale Messnetzgruppe, die Qualitätssicherung der Mess- und Beobachtungsdaten sowie ein Forschungs- und Entwicklungsteam für das meteorologische Visualisierungsprogramm NinJo.

Von Christin Schmidt

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