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Seit über 100 Jahren auf Sendung

Nauen Seit über 100 Jahren auf Sendung

1906 in Betrieb genommen, gilt in der ältesten bestehenden Sendeanlage der Welt auch heute noch: von Nauen in die ganze Welt. Per Kurzwelle sendet die Firma Media Broadcast nach Afrika, Indien oder in die Antarktis. Wie lange die Funkstation Internet und Satelliten Konkurrenz machen kann, ist ungewiss.

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Walter Neumann ist seit drei Jahren Sendeleiter in Nauen.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen. Die gigantischen rot-weißen Antennen auf dem Gelände der Funkstation im Norden von Nauen ragen meterweit in den wolkenlosen Sommerhimmel. 1906 in Betrieb genommen, gilt auch heute noch: von Nauen in die ganze Welt. Per Kurzwelle sendet die Firma Media Broadcast nach Afrika, Indien oder in die Antarktis. „Unsere Kunden kommen aus der ganzen Welt. Wir übertragen zum Beispiel eine Sendung aus Japan nach Afrika – die höre ich am liebsten mit, die spielen richtig gute Oldies“, lacht Walter Neumann, der seit über drei Jahren Sendeleiter am rund 250 Hektar großen Nauener Standort ist. „Ich bin studierter Elektrotechniker und habe in einer süddeutschen Funkstation alles über Kurzwellentechnik gelernt. Damals gab es noch insgesamt drei Stationen in Deutschland – Nauen ist die letzte, die heute noch in Betrieb ist“, so der 54-Jährige.

Internet und Satellitentechnik

Internet und Satellitentechnik haben die Kurzwelle in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgedrängt. Interessant sei die Technik jedoch vor allem für die Regionen, in denen das Internet noch nicht angekommen oder das Aufstellen einer Satellitenschüssel schlichtweg zu teuer ist. „In Äthiopien zum Beispiel versammelt sich in ländlichen Gegenden nach wie vor das ganze Dorf um ein Radio und hört sich gemeinsam eine Sendung an. Um 17 Uhr ist für uns Hauptsendezeit, dann laufen bis zu fünf Sendungen gleichzeitig.“ Als einer der beiden verbliebenen Kunden aus Deutschland sendet die Deutsche Welle aus Nauen.

24 Stunden, 7 Tage die Woche

Tausende Kilometer kann die Kurzwelle zurücklegen und das unter ständig wechselnden Bedingungen, da sie von der elektrisch leitfähigen Ionosphäre reflektiert wird, die in erster Linie durch kurzwellige Ultraviolett-Strahlung der Sonne erzeugt wird. „Die Antennen werden ausgerichtet, je nachdem, ob es Sommer, Winter, Tag oder Nacht ist“, so Neumann, der die Sendeanlage gemeinsam mit vier Kollegen 24 Stunde, sieben Tage die Woche überwacht. „Früher waren hier am Standort mal rund 100 Leute beschäftigt. Das war jedoch der alten, pflegebedürftigen Technik sowie der stärkeren Bewachung geschuldet.“ Heute stehen das Haupthaus, 1919 errichtet von Architekt Hermann Muthesius, die Torhäuser sowie der Löschteich unter Denkmalschutz.

Wie alles begann...

Damit, dass die Sendeanlage einmal über 100 Jahre in Betrieb sein würde, hätte Anfang des 20. Jahrhunderts wohl niemand gerechnet. Bereits zwei Jahre nachdem Telefunken in Nauen die Versuchsstation einrichtete und am 16. August 1906 den operativen Betrieb in der Großfunkstelle für drahtlose Telegrafie aufnahm, wurden mit den Funksignalen Reichweiten bis nach Teneriffa erreicht, aufgefangen rund 3600 Kilometer von Nauen entfernt von einem Schiff. 1911 gelangen die ersten Funkverbindungen mit den damaligen Deutschen Kolonien Kamerun und Togo. Zwischen 1911 und 1916 sorgte Telefunkendirektor Hans Bredow für den Wandel von einer Versuchs- in eine Betriebsstation und Nauen wurde zur internationalen Weltfunkzentrale bestimmt. Reichweiten-Rekorde wurden erzielt, Maschinensender und Telegrafieleistung waren weltweit führend, was sich besonders im Ersten Weltkrieges zeigte. Von Nauen aus erhielten deutsche Frachter, die auf den Weltmeeren unterwegs waren, Warnungen vor der britischen Royal Navy. Während der Kriegsjahre unterstand Nauen dem Kommando der kaiserlichen Kriegsmarine.

Anfang 1932 ging die Großfunkstelle in das Eigentum der Deutschen Reichspost über. Jahre später herrschte völlige Funkstille, als im April 1945 sowjetische Truppen das Gelände besetzten und die gesamte Anlage demontierten. Ab 1955 begann schließlich der erneute Aufbau eines Kurzwellenzentrums, 1956 entstand das Funkamt Nauen, das jedoch mit der deutschen Einheit seinen Betrieb einstellte. 1991 übernahm die deutsche Bundespost (inzwischen die Telekom) die Station und sanierte den Nauener Standort grundlegend.

Militär, Großfunkstelle, Radio

Bis 1939 wurde die Nauener Station, die die Deutsche Reichspost 1932 übernommen hatte, baulich und technisch erweitert und für militärische Zwecke eingesetzt.

Nachdem Soldaten der Roten Armee die Station im April 1945 demontiert und umfunktioniert hatten, verfiel der Nauener Standort in einen Dornröschenschlaf, bis die Deutsche Post 1956 das Funkamt Nauen gründete.

Ab diesem Zeitpunkt konnte an die Tradition der Großfunkstelle angeknüpft werden und der Kurzwellenverkehr mit Moskau, Peking, Kairo und Hanoi begann.

1959 wurde die Station erstmals für den Rundfunkbetrieb des Senders Radio Berlin International genutzt. 1964 wurde in Nauen zudem die damals modernste Kurzwellenantenne Europas in Betrieb genommen.

Tag des offenen Denkmals

Wie lange die Nauener Station noch in Betrieb bleibt, weiß heute keiner, auch Walter Neumann, der fast jedes Wochenende zu seiner Familie nach Süddeutschland pendelt, nicht. Die älteste noch bestehende Sendeanlage der Welt ist einmal im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich. „Immer am zweiten Wochenende im September stehen unsere Tore für Besucher offen. In diesem Jahr fällt der Tag auf den 11. September“, so Neumann.

Von Laura Sander

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