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Havelland Seltene Schafe für Schönwalde-Glien
Lokales Havelland Seltene Schafe für Schönwalde-Glien
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06:20 26.03.2016
Olaf Kolecki hätte in Schönwalde viel vor – seine eigenen Schafe stehen in der Falkenseer Bahnhofstraße. Quelle: Foto: Danilo Hafer
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Schönwalde-Glien

Entspannt an seinen Schäferstab gelehnt, lässt Olaf Kolecki seinen Blick über den Schönwalder Teufelsbruch schweifen. Wer jedoch glaubt der Schäfer gehe seinen Gedanken nach, irrt. Die Schafe immer im Blick, achtet Kolecki auf die kleinste Bewegung in der Herde, bemerkt jeden Ausreißer sofort und gibt den Hütehunden während des mehrstündigen Weidegangs gezielte Kommandos.

Seit Anfang Februar kommt der 52-Jährige, dessen eigene Schafe in der Falkenseer Bahnhofstraße stehen, mehrmals in der Woche nach Schönwalde. Hier geht er seinem langjährigen Freund und Kollegen Wolfgang Siegel zur Hand. Siegel hat rund 100 Hektar des Landes gepachtet, das wegen des „bemerkenswerten Vorkommens hochgradig gefährdeter Pflanzenarten“ auf einer Fläche von fast 700 Hektar zu einem europäischen Schutzgebiet „Natura 2000“ erklärt worden ist. Im Teufelsbruch mit dem Muhrgraben blühen wilde Orchideen und Wacholder, Fasane und Fischotter leben dort, Wildschweine, Waschbären, Biber und Wölfe. „Wir arbeiten schon viele Jahre gut mit Naturschützern und dem Landkreis zusammen“, so Wolfgang Siegel. „Meine Schafe und Ziegen pflegen das Land ganz natürlich und dürfen nur zu bestimmten Zeiten im Jahr an bestimmten Orten weiden. Die Absprachen klappen sehr gut.“ Nach 45 Jahren in seinem Beruf möchte Siegel, dessen Frau Brigitte die Schafe bis zu einem Schicksalsschlag Anfang dieses Jahres größtenteils versorgt hat, seinen Schäferstab weitergeben. Olaf Kolecki wäre für ihn der perfekte Nachfolger. Er kennt sich mit Siegels derzeit 385 Schafen und Ziegen aus, ist mit dem Land vertraut und würde sogar eigene Schafe mitbringen.

Bis es jedoch soweit ist und ein Pachtvertrag für mindestens fünf Jahre geschlossen werden kann, müssen noch einige Voraussetzungen geschaffen werden. „Erstmal muss geklärt werden, ob die Anforderungen an die Bewirtschaftung erfüllt werden, zudem ist der Status des Schafstalls nicht geklärt“, so Bürgermeister Bodo Oehme (CDU). „Sind all diese Sachen besprochen, wird ausgeschrieben. Fest steht, dass ausschließlich Schafe und Ziegen für die Landschaftspflege in Frage kommen“, so der Stadtchef weiter.

Der gelernte Schäfer Wolfgang Siegel hofft das Beste, denn so ganz von seinen Tieren lassen, kann er dann doch nicht. „Ich habe mit elf Jahren in der Schafhaltung angefangen und mich gegen den Willen meiner Eltern für diesen Beruf entschieden. Man wird nicht reich, kann aber davon leben“, so Siegel, der vor über 30 Jahren nach Schönwalde kam und seit 25 Jahren außerdem als Rettungswagenfahrer arbeitet. „Um die Schafe hat sich hauptsächlich meine Frau gekümmert, obwohl ich der gelernte Schäfer bin. Ich kann natürlich nicht von heute auf morgen aufhören, dafür liegen mir die Tiere viel zu sehr am Herzen“, so der Vater von zwei erwachsenen Kindern, dem die Schafhaltung in der Vergangenheit nicht nur Freude bereitet hat. „Es wurde oft bei uns eingebrochen, ein Traktor und ein Auto gestohlen. Der Höhepunkt war dann die Brandstiftung im Schafstall.“ Mit Wölfen oder anderen Wildtieren habe er kaum Probleme gehabt. „Freilaufende Hunde sind viel häufiger das Problem. Durch diese Angriffe habe ich schon viele Tiere verloren.“Seit rund 20 Jahren sei der 58-Jährige nicht mehr im Urlaub gewesen – damit solle bald Schluss sein.

Siegels Traumnachfolger der gelernte Schmied Olaf Kolecki hat sich für die Zukunft einiges vorgenommen. Neben der ökologischen Pflege der rund 100 Hektar Schutzgebiet plant der Falkenseer gefährdete Schafarten, wie das Merinolangwollschaf, in Schönwalde anzusiedeln und so ihren Bestand zu sichern. „Derzeit setze ich meine Schafe unter anderem in Nauen und Berlin für die Landschaftspflege ein und fahre täglich 130 Kilometer, um sie zu versorgen. In Schönwalde möchte ich das geschützte Gebiet und die seltenen Schafe und Ziegen noch zugänglicher für die Öffentlichkeit machen – wann bekommt man so etwas schon einmal zu sehen“, sagt der 52-Jährige, der einen Sachkundenachweis für die Schafhaltung vorweisen kann. Ob sich der Wunsch der beiden in naher Zukunft erfüllt, bleibt abzuwarten.

Von Laura Sander

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