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Senioren befragen Politiker

Nennhausen Senioren befragen Politiker

Der Kreisseniorenrat Havelland hatte am Mittwoch fünf Politiker, die im September zur Bundestagswahl antreten, zu einer Diskussionsrunde eingeladen. In der Gemeindeverwaltung in Nennhausen stellten sich die Kandidaten von CDU, FDP, Grüne, Linke und SPD den Fragen der rund 30 Teilnehmer.

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Im Sitzungssaal der Nennhausener Amtsverwaltung diskutierten Senioren und Politiker über Themen wie Rentenangleichung und sozialer Wohnungsbau.

Quelle: Christin Schmidt

Nennhausen. Wenn im September der Bundestag neu gewählt wird, werden die Stimmen der über 60-Jährigen einen recht großen Einfluss auf den Ausgang der Wahl haben. Zum ersten Mal stellen sie mit bundesweit 36,1 Prozent die größte Wählergruppe. Grund genug also, sich den Sorgen und Anliegen der Senioren zu widmen. Gelegenheit dazu bekamen am Mittwoch fünf Politiker, die in einem der drei havelländischen Wahlkreise als Direktkandidaten antreten.

Der Kreisseniorenbeirat des Havellandes hatte sie zu einer Diskussionsrunde eingeladen, Nennhausens Amtsdirektorin Ilka Lenke, stellte als Gastgeberin den Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung zur Verfügung. Rund 30 interessierte Senioren waren gekommen. Als Vorsitzender des Kreisseniorenrates leitete Heinz Golze die Gesprächsrunde.

Der mit Abstand jüngste Redner war der 23-Jährige Martin Wandrey aus Friesack. Der Medizinstudent tritt für die Grünen im Wahlkreis 56 an. Nachdem FDP-Kandidat Volkmar Richter aus Paretz die Veranstaltung vorzeitig verlassen musste, war Wandrey auch der einzige Mann unter den vier verbliebenen Politikern. Neben SPD-Kandidatin Dagmar Ziegler aus Wittstock (Wahlkreis 56, seit 2009 Mitglied des Bundestags), nahmen auch Kirsten Tackmann aus Tornow (Die Linke, Wahlkreis 56, seit 2005 MdB) und die Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg/Havel, Dietlind Tiemann (CDU, Wahlkreis 60) an der Veranstaltung teil.

FDP-Politiker konnte nicht an der Diskussion teilnehmen

Mit den Problemen den Generation 60 Plus kennt sich vor allem der 70-jährige Volkmar Richter bestens aus. Er kam mit seiner gehbehinderten Frau nach Nennhausen, konnte den Termin aber nur für eine kurze Vorstellung nutzen. Weil es im Verwaltungsgebäude keinen Fahrstuhl gibt, konnte seine Frau mit dem Rollstuhl nicht den Sitzungssaal im Dachgeschoss erreichen – eine Hürde, die den Alltag des Paares immer wieder erschwert. „Ich wäre auch allein gekommen, aber eine Betreuung habe ich für den heutigen Tag nicht bekommen. Die Krankenkasse braucht sechs Wochen, um eine Kurzzeitbetreuung zu genehmigen“, erklärte Richter und stieg damit sofort in ein Thema ein, dass auch viele Senioren beschäftigt.

Seit 2015 ist Volkmar Richter Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Havelland. Dem studierten Informatiker liegen insbesondere die Themen Bildung, Forschung und Digitalisierung am Herzen. „Es gibt noch viel zu tun, um auch das Leben weit ab des Speckgürtels attraktiver zu gestalten. Wir dürfen nicht warten, bis die Dörfer aussterben“, betonte der FDP-Politiker, bevor er sich verabschieden musste.

Weit aus mehr Zeit ihre Positionen zu verdeutlichen, hatten die vier übrigen Kandidaten. Vier Stunden Zeit nahm sich der Seniorenrat, um über Themen wie Rente, sozialer Wohnungsbau, ärztliche Versorgung, Pflege, Ehrenamt und einiges mehr zu sprechen. „Ich habe 52 Jahre gearbeitet und nun soll ich warten bis die Rentenangleichung im Jahr 2025 geregelt wird“, ärgerte sich Rolf Schultze vom Premnitzer Seniorenrat und Heinz Golze fügte hinzu, dass viele Senioren 2025 gar nicht erleben werden.

Grünen-Politiker gerechteres Rentensystem

Dagmar Ziegler versuchte deutlich zu machen, dass die unterschiedlichen Rentensystem in Ost und West eine Angleichung erschweren. Martin Wandrey sieht das Hauptproblem nicht in den unterschiedlichen Rentensystemen, sondern darin, dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, eine geringe Rente bekommen. Deshalb müssten künftig auch Berufsgruppen wie Beamte und Ärzte ins Rentensystem einzahlen.

Margot Kleinert, Vorsitzende des Seniorenbeirats Falkensee, sprach das Thema sozialer Wohnungsbau an. Immer mehr Senioren könnten es sich nicht leisten, in eine altersgerechte Wohnung zu ziehen. Während die SPD-Politikerin darauf hinwies, dass ihre Partei die Mietpreisbremse eingeführt hat, erklärte Kirsten Tackmann, dieses Modell sei gescheitert. Ein Erfolgsmodell sei dagegen die Gemeindeschwester, bemerkte eine Dame und forderte, diese wieder einzuführen. Als angehender Arzt schlug Martin Wandrey vor, künftig Physiotherapeuten und Pflegekräften mehr Verantwortung zu übertragen. Zudem sind für viele Ärzte Städte attraktiver, weil es dort mehr Privatpatientin gibt. Deshalb müsse das Zweiklassensystem abgeschafft werden.

Einig waren sich alle, dass die Städte und Dörfer fernab des Speckgürtels nicht vergessen werden dürfen. Das dieses Ziel tatsächlich umgesetzt wird, daran zweifelten einige der Anwesenden aber. „Wenn die erstmal im Bundestag sitzen, sind sie sowieso weit weg von hier“, murmelte ein Herr.

Von Christin Schmidt

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