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Sensationsfund in der Dorfkirche Wansdorf

Rarität in Brandenburg Sensationsfund in der Dorfkirche Wansdorf

Die Dorfkirche in Wansdorf (Havelland) ist bislang eine eher unscheinbare, mit schmucklosen, weißen Wänden, ohne Empore oder Kanzel. Die Menschen im Ort nannten sie liebevoll „Scheune“. Damit könnte bald Schluss sein: Bei der Restaurierung ist ein mittelalterliches Wandbild zutage getreten, wie es in Brandenburg eine Rarität ist.

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Restauratorin Karin Jacob erklärt Manfred Heß vom Förderverein der Wansdorfer Kirche das mittelalterliche Fresko.

Quelle: Philip Häfner

Wansdorf. Ein bisschen erinnert die ganze Geschichte ja an das Märchen vom Schwan und dem hässlichen Entlein. Die Wansdorfer Dorfkirche gehörte bislang zu den unscheinbaren im Havelland, mit schmucklosen, weißen Wänden, ohne Empore oder Kanzel. Die Menschen im Ort nannten sie liebevoll „Scheune“. Doch diese Zeiten könnten bald vorbei sein. Bei der Restaurierung der Ostwand, hinter dem Altar, ist ein mittelalterliches Wandbild zutage gekommen, wie es in Brandenburg eine Rarität ist. Mindestens 500 Jahre alt und „in dieser Qualität sehr selten“, wie Hans Burger vom Landesamt für Denkmalpflege anmerkt.

Das Fresko war ein Zufallsfund. Bei der Sanierung der Außenwand hatte man zunächst Fenster entdeckt, wie in der Wand verborgen waren. Rundherum fand man Malereien, „aber da ahnten wir noch nicht, wie viel noch zum Vorschein kommen würde“, sagt Restauratorin Karin Jacob.

Dank einer Spende der Stiftung Preußisches Kulturgut konnten das Wandbild nach und nach freigelegt werden. Es zeigt in der Mitte Jesus Christus mit Kreuz und Strahlenkranz, in der Hand eine Kugel, wie er unter einem Baldachin sitzt. Zu seiner Linken: Petrus, mit dem Schlüssel zum Himmelsreich in der Hand – Symbol für die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Zu seiner Rechten: Paulus mit einem Schwert, „nicht als Zeichen des Kampfes, sondern für die Schärfe des Worts“, wie Pfarrer Immanuel Albroscheit erklärt. „Paulus und Petrus waren wahrscheinlich die Patrone der Kirche“, sagt Burger.

Das Gemälde stammt vermutlich aus der Zeit um 1450; einer Zeit, „in der man gerade wieder anfing Dorfkirchen stärker zu schmücken“, sagt Burger. Im Nachbarort Bötzow (Oberhavel) gibt es ein ähnliches Fresko, das jedoch in den 1930er Jahren teilweise übermalt wurde. Wahrscheinlich stammen beide Bilder aus der gleichen Feder, vielleicht von einem Künstler aus Magdeburg, Stendal (beides Sachsen-Anhalt) oder Brandenburg an der Havel, so Burger.

Die mittelalterliche Farbschicht ist jedoch nicht die einzige, die von den Restauratoren freigelegt wurde. Darüber befindet sich eine zweite, „sie könnte aus der Renaissance stammen“, glaubt Karin Jacob. Ganz sicher sei sie sich nicht, aber die Farbgestaltung deute darauf hin. Seit mehreren Wochen schon arbeitet sie in der Wansdorfer Kirche. „Man braucht schon Geduld“, sagt Karin Jacob. Vielerorts hat sich zwischen dem Putz und dem Feldstein ein Hohlraum gebildet, der zunächst verfüllt werden muss, damit die Wand nicht wegbricht. „Das ist ein bisschen wie Botox für die Wand“, sagt Manfred Heß aus dem Vorstand des Fördervereins der Kirche. Nachgemalt werden soll aber nichts; die Gemälde bleiben originalgetreu erhalten. Angedacht ist lediglich eine Rekonstruktionszeichnung, die den Besuchern das früherer Aussehen vermitteln soll.

Zum Tag des offenen Denkmals im September soll das Fresko der Öffentlichkeit präsentiert werden. Möglicherweise befinden sich auch noch unter den anderen Wänden vergleichbare Wandbilder. Manfred Heß hält das sogar für durchaus wahrscheinlich: „Im Mittelalter konnten die meisten Menschen nicht lesen. Man musste ihnen die Bibel anhand von Bildern erklären.“ Ortsvorsteher Siegfried Spallek (CDU) ist jedoch schon jetzt hellauf begeistert. „Das Fresko ist ein großer Glücksfall für Wansdorf, eine echte Attraktion“, sagt er. Das Gemälde sei „das i-Tüpfelchen“ bei der Sanierung der Kirche, für die sich der Förderverein seit Jahren einsetzt. „Aber niemand hatte damit gerechnet, dass die Kirche ein solches Schmuckstück wird.“

Von Philip Häfner

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